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Steuern sparen So profitieren Anleger von Altverlusten

Die Zeit drängt, in diesem Jahr können alte Verluste zum letzten Mal mit Gewinnen aus Wertpapierverkäufen verrechnet werden. Was Anleger jetzt tun sollten, um den Steuervorteil noch zu nutzen.

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Quelle: Getty Images

Düsseldorf An ihre alten Verlustgeschäfte durch Aktienkäufe möchten sich die meisten Anleger wohl lieber nicht zurückerinnern. Doch Verluste aus der Zeit vor 2009 können in diesem Jahr noch einmal von Nutzen sein, denn sie helfen beim Steuernsparen. Das funktioniert so: Die alten Verluste werden mit neuen Gewinnen verrechnet. Unterm Strich reduziert sich dadurch der Gewinn und somit auch die Steuerschuld.

Damit diese Rechnung aufgeht, ist Eile geboten, denn die Altverluste können in diesem Jahr zum letzten Mal mit Erträgen aus Kursgewinnen verrechnet werden. Ab dem kommenden Jahr wird es schwieriger, dann ist eine Verrechnung nur noch mit Gewinnen aus dem Verkauf bestimmter Sachwerte wie Immobilien und Goldbarren möglich.

Mit „alten“ Verlusten sind solche gemeint, die vor Einführung der Abgeltungsteuer entstanden sind. Zweite Einschränkung: Sie müssen innerhalb der Spekulationsfrist entstanden sein, nur so sind sie steuerlich überhaupt relevant. Die Frist galt bis Ende 2008: Der Gewinn aus Wertpapiergeschäften musste damals nur dann versteuert werden, wenn ein Papier innerhalb eines Jahres gekauft und wieder verkauft wurde. Bei längerer Haltedauer schonte der Fiskus die Anleger.

„Außerdem muss der Anleger die Miesen damals dem Finanzamt gemeldet haben“, sagt Markus Deutsch vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) in Berlin. Das Amt hat dann einen sogenannten Verlustfeststellungsbescheid ausgestellt und führt die Verluste seitdem Jahr für Jahr im Einkommensteuerbescheid auf. Nachträglich können die Verluste nur dann noch gemeldet werden, wenn der Steuerbescheid für das Jahr, in dem sie entstanden sind, noch offen ist.

Wie viel die Verluste heute Wert sind, zeigt eine einfache Beispielrechnung: Hat ein Anleger Altverluste in Höhe von 5.000 Euro und verrechnet diese mit 5.000 Euro Gewinnen, spart er 1.320 Euro Steuern. Denn neben der Abgeltungsteuer von 25 Prozent wird auch der Soli auf die Erträge fällig, insgesamt fließen so 26,4 Prozent ab.


Ein zusätzliches Depot kann helfen


Jetzt auf die Schnelle beliebige Aktien zu verkaufen, die gerade im Gewinn stehen, ist aber keine gute Idee. Zuvor sollte sich der Anleger seine aktuelle Bilanz der neuen Gewinne und Verluste anschauen. Wer 2013 in seinem Depot bereits Verluste realisiert hat, würde nicht profitieren, wenn er nun Gewinne einfährt, denn Gewinne und Verluste werden von der Bank innerhalb des Jahres automatisch miteinander verrechnet. Zur Verrechnung mit Altverlusten käme es dann erst gar nicht, denn die kennt nur das Finanzamt.

Um die automatische Verrechnung von neuen Gewinnen und neuen Verlusten zu verhindern, kann es sinnvoll sein, ein zusätzliches Depot bei einer anderen Bank einzurichten. „Wertpapiere, die man mit Gewinn verkaufen möchte, sollte man dabei von den anderen separieren“, sagt Steuerberater Deutsch. Der Vorteil: Im anderen Depot kann man sich getrost von Titeln trennen, die ins Minus gerutscht sind, und von denen man sich keinen Anstieg mehr erhofft. Wichtiges Detail für den Umzug ins neue Depot: Der neuen Bank müssen die ursprünglichen Anschaffungskosten für die Papiere nachgewiesen werden, ansonsten droht eine Strafsteuer.


Auch Ehepaare, die mehrere Depots bei der gleichen Bank haben, müssen genau hinschauen. „Hat beispielsweise der Ehemann in seinem Depot Verluste realisiert und die Ehefrau in ihrem Gewinne, verrechnet die Bank diese auch automatisch miteinander“, erklärt Deutsch vom NVL. „Um das zu verhindern, sollte man den gemeinsamen Freistellungsauftrag jetzt zurückziehen.“ So bleiben die Gewinne stehen und die neuen Verluste gehen nur dann in die Einkommensteuerklärung ein, wenn dazu bis zum 15. Dezember bei der Bank eine Verlustfeststellung beantragt wird.

Wer seine Aktien eigentlich gar nicht verkaufen wollte, muss sich nicht grämen. Die verkauften Papiere können danach ohne Probleme wieder zurückgekauft werden – sogar noch am gleichen Tag. Wichtig ist nur, dass beim Verkauf und beim Rückkauf unterschiedliche Preise vorlagen, so der Bundesfinanzhof (Az.: IX R 60/07). Im Eifer des Gefechts sollte der Anleger jedoch nicht solche Aktien verkaufen, die vor 2009 ins Depot gestellt wurden, denn die damit erzielten Gewinne werden ohnehin nicht besteuert. Folglich gibt es auch nichts zu verrechnen.


Ohne Gewinneraktien im Depot wird es schwierig

Mit Zinsgewinnen und Dividenden können die Altverluste normalerweise nicht verrechnet werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: „Wer Anleihen im Depot hat, die ohnehin bald auslaufen, kann diese kurz vor dem Ausschüttungstermin verkaufen“, rät Guido vom Schemm, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Merito Asset Management. Der Vorteil: Beim vorzeitigen Verkauf bekommt der Anleger für die bisherige Laufzeit sogenannte Stückzinsen. Anders als die Zinsen, die zum regulären Termin gezahlt werden, verbucht das Finanzamt diese nicht als Zinseinnahmen, sondern schlägt sie dem Verkaufsgewinn zu. Und dieser kann mit den Altverlusten verrechnet werden.

Wer dem Kapitalmarkt auch nach 2009 treu geblieben ist und aktuell mit seinem Depot im Plus steht, hat also vergleichsweise einfache Gestaltungsmöglichkeiten. Schwieriger ist es dagegen für jene Anleger, die momentan keine Papiere haben, die sie gewinnbringend verkaufen könnten. „Um in kurzer Zeit hohe Gewinne zu realisieren, muss man schon ein gewisses Risiko eingehen und größere Hebel nutzen“, sagt vom Schemm. „Man könnte beispielsweise ein Discount- oder Bonus-Zertifikat kaufen.“ Das habe den Charme, dass die Dividendenzahlung, die eigentlich nicht verrechnet werden kann, im Kaufpreis mit enthalten ist.


Bei solchen Produkten sollten Privatanleger allerdings sehr vorsichtig sein. Vom Schemm nennt noch eine Alternative, die er als „eine Art Versicherung“ bezeichnet. „Für Aktien, die der Abgeltungsteuer unterliegen, bietet sich der Kauf einer Put-Option an, so profitiert der Anleger entweder vom Wertzuwachs der Aktie oder des Puts“, sagt der Vermögenverwalter.

Solche Absicherungen sind aber nur für Aktien möglich, die man bereits im Depot hat. Jetzt beispielsweise zugleich einen ETF auf den Dax und einen Short-ETF auf den Dax zu kaufen, wäre nicht sinnvoll. Das Finanzamt könnte dann steuerlichen Missbrauch unterstellen.

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