Steuern und Recht kompakt Der Rechtstipp der Woche: Steuersünder sparen nichts

Wer sich selbst anzeigt, darf die Kosten für Anwalt und Steuerberater nicht als Werbungskosten absetzen. Außerdem gibt es Neues zur Erbschaftssteuer, zu Zwangsräumung und Solarstrom.

Tipps für weniger Abgeltungssteuer
Ein Ehepaar rechnet Ausgaben zusammen Quelle: Fotolia
Kalender Quelle: Fotolia
3. Rechtzeitig einrichtenDer Freistellungsauftrag sollte stets bei Konto- oder Depoteröffnung eingereicht werden, um unerwünschte Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden. Banken führen nämlich fällige Abgeltungsteuer automatisch bei Kapitalgutschrift ans Finanzamt ab, wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt. Ein unterjährig neu beantragter oder erhöhter Freistellungsauftrag kann helfen, auch für bereits realisierte und versteuerte Erträge nachträglich die Steuerlast zu mindern. So ist zum Beispiel im Rahmen der nachträglichen Verlustrechnung die Erstattung bereits abgeführter Kapitalertragsteuern möglich. Quelle: Fotolia
Ein Paar sitz zur Beratung in einer Bank Quelle: Fotolia
Eine Frau zereisst ihr Hochzeitsfoto Quelle: dpa
Eine Witwe steht mit einer Rose vor einem Sarg Quelle: Fotolia
Ein Mädchen liegt auf einer Sommerwiese Quelle: Fotolia

Mit der Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge 2009 fiel auch die Möglichkeit weg, Werbungskosten von Kapitaleinkünften abziehen zu können. Anleger können nur noch den Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Jahr (1602 Euro bei Verheirateten) abziehen. Viele der von Steuersündern nachträglich angezeigten Kapitalerträge fielen in den Zeitraum vor 2009, als Werbungskosten noch abzugsfähig waren. Dies galt auch für einen Anleger, der 2010 mit einer strafbefreienden Selbstanzeige Kapitalerträge aus den Jahren 2002 bis 2008 dem Finanzamt offenlegte. Für die Selbstanzeige musste er insgesamt 12 000 Euro an Anwalt und Steuerberater zahlen. Diese 12 000 Euro wollte der Steuersünder bei den Kapitaleinkünften als Werbungskosten abziehen. Das Finanzamt lehnte dies jedoch ab. Dagegen klagte der Anleger. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied jetzt, dass die Werbungskosten nicht abzugsfähig seien (VIII R 34/13). Schließlich seien die Kosten für Anwalt und Steuerberater nach Einführung der Abgeltungsteuer angefallen und damit nicht abzugsfähig. Dass die Kosten mit Kapitaleinkünften in Zusammenhang stehen, die vor 2009 angefallen seien, habe für die Abzugsfähigkeit keine Relevanz, so die Richter. Diese Sichtweise verstoße auch nicht gegen die Verfassung. Nach dem Urteil des BFH kann der Anleger nur den Pauschbetrag von 801 Euro absetzen. Er steht damit nicht besser da als Steuersünder, die verschwiegene Kapitalerträge beichten, die von 2009 an angefallen sind.

Recht einfach: Überwachung

Zwangsräumung - Ein Verfahren, alle Kosten

Wenn Mieter ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können oder wollen, kann der Vermieter sie per Gerichtsbeschluss vor die Tür setzen (Zwangsräumung). Bei der Variante „Berliner Räumung“ wird der Mieter bei einer Zwangsvollstreckung von einem Gerichtsvollzieher vor die Tür gesetzt, seine Möbel bleiben jedoch in der Wohnung. Dieses Verfahren ist bei Vermietern beliebt, weil sie die klammen Mieter auf diese Art schneller loswerden. Der Vermieter muss nicht warten bis die Wohnung komplett leer ist. Bis April 2013 hatte die „Berliner Räumung“ allerdings den Nachteil, dass der Vermieter auf eigene Kosten die Möbel entsorgen oder lagern musste, ohne beispielsweise die Rechnung für den Spediteur über die Zwangsvollstreckung wiederzubekommen. Die Rechtmäßigkeit dieser alten Regel hat der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Urteil bestätigt (I ZB 82/13). Mit einer Mietrechtsreform, die zum 1. Mai 2013 in Kraft trat, ist der Aufwand für das Entsorgen und Lagern der Möbel Teil der Zwangsvollstreckung. Der Vermieter muss diese Kosten nicht mehr in einem gesonderten Gerichtsverfahren beim Mieter einklagen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%