Steuern und Recht kompakt Rechtstipp der Woche: Wann der Badumbau zu den Bürokosten zählt

Steuerzahler können Kosten ihres Arbeitszimmers nur noch selten absetzen. Schaffen sie es, dann sind hohe Abzüge möglich. Außerdem gibt es Neues zu Ausbildungskosten, Mietrecht und Schenkungsteuer.

Eine Frau sitzt zu Hause in ihrem Arbeitszimmer Quelle: dpa

Flexiblere Arbeitszeitmodelle bringen es mit sich, dass nicht nur Freiberufler, sondern auch Angestellte häufiger zu Hause arbeiten. Die Kosten eines Arbeitszimmers im Privathaushalt lassen sich aber nur noch in wenigen Fällen von der Steuer absetzen. So können Arbeitnehmer Ausgaben nur noch geltend machen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit bildet. Das gilt in der Regel nur für Freiberufler oder Heimarbeiter, die überwiegend von zu Hause aus arbeiten.

Bildet das Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, aber steht Arbeitnehmern kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung – wie bei vielen Lehrern –, können sie zumindest einen Teil der Kosten geltend machen. Pro Jahr berücksichtigt das Finanzamt dann maximal 1250 Euro.

Selbstständigen ohne separates Büro fällt es meist deutlich leichter, auch hohe Ausgaben steuerlich zu verrechnen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie ihr Büro wenigstens zu 90 Prozent beruflich nutzen. Ob Kosten auch berücksichtigt werden müssen, wenn das Büro stärker privat genutzt wird, muss noch der Bundesfinanzhof entscheiden (IX R 23/12, X R 32/11). Vorerst sind diese Verfahren auf Eis gelegt, da sich die Richter am Bundesfinanzhof nicht einig sind. Nun muss der Große Senat eine Grundsatzentscheidung treffen (GrS 1/14).

Recht einfach: Hochzeit

Lassen sich die Kosten des Arbeitszimmers unbegrenzt absetzen, werden Wohnausgaben anteilig angesetzt. Macht das Arbeitszimmer also zehn Prozent der Wohnfläche aus, zählen auch zehn Prozent der Wohnausgaben. Bei einer Mietwohnung ist die Berechnung meist einfach. Anders bei eigenen Immobilien, hier gibt es mehr Streit zwischen Steuerzahlern und Finanzamt. Neben den laufenden Kosten zählen hier auch die steuerlichen Abschreibungen mit.

Ein selbstständiger Steuerberater ließ das Bad in seinem Einfamilienhaus umfassend modernisieren: Eine Badewanne wurde entfernt, die Dusche versetzt und Zugang und Einrichtung wurden behindertengerecht umgebaut. An den Ausgaben von rund 40.000 Euro wollte der Mann das Finanzamt beteiligen. Sie seien anteilig auch als Kosten seines Arbeitszimmers zu berücksichtigen. Das Finanzamt stellte sich jedoch quer: Die Kosten beträfen ein anderes Zimmer. Anders als die Erneuerung von Dach, Fassade oder Heizung seien sie auch nicht dem ganzen Gebäude zuzurechnen.

Doch das Finanzgericht Münster zeigte mehr Verständnis für den neuen Badekomfort (11 K 829/14 E, Revision möglich): Da die Renovierung weit über Schönheitsreparaturen hinausgegangen sei, habe sie den Wert des Einfamilienhauses erhöht. Die Kosten entfielen damit sehr wohl auf das ganze Gebäude und seien anteilig anzusetzen. Schließlich sei das Badezimmer für die Hausnutzung wesentlich. Zudem würde eine Nichtberücksichtigung Eigentümer schlechter als Mieter stellen. Denn bei derart umfangreichen Umbauten müssten Mieter eine Mieterhöhung hinnehmen – und könnten die in derartigen Fällen auch anteilig als Bürokosten absetzen.

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