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Steuersünder-Prozess Urteil gegen Uli Hoeneß am Donnerstag erwartet

Die Verteidigung von Hoeneß akzeptierte die auf 27,2 Millionen Euro bezifferten Steuerschulden. Man sei von der Zahl nicht überrascht gewesen: „Wir sind ja nicht dämlich“, tönt Anwalt Feigen. Das Urteil soll Donnerstag fallen.

Der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß (2.v.r), steht am dritten Prozesstag mit seinen Anwälten (l-r) Bernd Groß, Hanns W. Feigen und Markus Gotzens. Quelle: dpa

Uli Hoeneß muss sich auf sein Urteil im Steuerprozess bereits am Donnerstag gefasst machen. Richter Rupert Heindl kündigte am Mittwoch an, am folgenden Prozesstag die Beweisaufnahme abzuschließen, falls es keine weiteren Anträge mehr gebe. Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärten, sie bereiteten sich auf ihr Plädoyer entsprechend vor. Am dritten Prozesstag tagte die Kammer lediglich gut zwei Stunden, in denen sie den früheren Betriebsprüfer des Fußballmanagers sowie einen EDV-Spezialisten der Steuerfahndung als Zeugen vernahm.

Hoeneß drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahren Haft. Der Bayern-Präsident beruft sich allerdings darauf, dass das Gesetz Steuerhinterziehern bei einer Selbstanzeige Straffreiheit gewährt. Richter Heindl erklärte, die Kammer gehe inzwischen von einer hinterzogenen Summe von gut 27 Millionen Euro aus. Die Zahl basiert auf Berechnungen der Steuerfahndung Rosenheim, deren Vertreterin die Summe am Dienstag vorgerechnet hatte. Das Gros davon entfällt auf unversteuerte Devisengeschäfte des Wurstfabrikanten in den Jahren 2003 bis 2009.

Die Verteidiger erkannten die Summe vor Gericht an. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen. Die Verteidigung sei von den Zahlen keineswegs überrascht gewesen. „Wir sind ja nicht dämlich!“, sagte Feigen und betonte zudem: „In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.“ Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird - und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden.

Der FC-Bayern-Präsident hatte am Montag zunächst eingeräumt mindestens 18,5 Millionen Euro dem Fiskus vorenthalten zu haben. Die Ankläger betonen, die zunächst vorgelegten Unterlagen seien lückenhaft und täuschten über die hinterzogene Steuerlast hinweg.
Das Landgericht München muss nun entscheiden, ob es die Selbstanzeige des Fußballmanagers als vollständig und damit rechtmäßig wertet. Eine Steuerfahnderin hatte am Dienstag erklärt, Hoeneß und seine Vertreter hätten Fristen zur Vorlage ausstehender Unterlagen verstreichen lassen. Erst Ende Februar, knapp zwei Wochen vor Prozessbeginn, gaben sie einen USB-Stick mit einer riesigen Datenmenge ab. Auch eine Frist der Staatsanwaltschaft ist nach deren Angaben im vergangenen Sommer unerfüllt abgelaufen.


Nach den spektakulären Enthüllungen hatte der Prozess gegen Hoeneß am Mittwoch wieder mehr Schaulustige angelockt. Die Zuschauer-Schlange vor dem Justizpalast war am Morgen deutlich länger als noch am Vortag.

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