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Steuersünder Wie Schleuser Schwarzgeld in Steueroasen verschieben

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Die Offshore-Schurkenstaaten

Wie Steuerhinterzieher Geld ins Ausland schleusen

Wer auf der angekündigten schwarzen Liste landet, will die FATF während eines Treffens in Abu Dhabi vom 15. bis 19. Februar entscheiden. Allerdings stehe noch nicht fest, ob die Namen der Länder dann bereits veröffentlicht würden so Alexandra Wijmenga-Daniel von der FATF. Die Liste hatten die 20 wichtigsten Staatschefs (G20) 2009 von der FATF gefordert, um den Druck auf unkooperative Finanzzentren zu erhöhen. Viele Länder bemühen sich jetzt, nicht auf die Liste zu kommen.

Der internationale Druck ist verständlich, denn für Fahnder sind Offshore-Konstrukte der Horror. „Wir sind darauf angewiesen, in Deutschland Unterlagen zu finden, die Kontakte zu Scheinfirmen belegen“, sagt Steuerfahnder Schmidt.

Selbst wenn das gelingt, sind die Beamten oft noch nicht am Ziel. Mauert der Verdächtige weiter, müssen sie die Hilfe der Behörden am Standort der Tarnfirma beantragen – und die kommt, wenn überhaupt, nicht sofort. Schmidt: „Der Rechtshilfeweg ist kompliziert und dauert mitunter ein bis zwei Jahre.“

Nicht nur Steuerhinterzieher wenden sich an dubiose Anwälte. Zur Klientel gehören auch Familienoberhäupter, die verhindern wollen, dass nach ihrem Tod erbberechtigte Verwandte – etwa uneheliche Kinder – einen Teil des Nachlasses abgreifen.

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    Geld verstecken vor Pflichterben

    Für viele Vermögende bleibt das ein Problem, denn trotz der Reform des Erbrechts 2010 ist es weiter nur selten erlaubt, enge Angehörige komplett zu enterben. Deshalb parkt mancher Vermögen im Ausland und weiht allenfalls die erwünschten Erben ein. Dass die Erträge so auch vorm Zugriff des Finanzamts geschützt sind, ist in solchen Fällen oft ein – mehr oder weniger gern in Kauf genommener – Nebeneffekt.

    Das gilt genauso, wenn Vermögen vor der Scheidung in Sicherheit gebracht werden soll. „Es kommt immer wieder vor, dass der vermögende Ehepartner vor der Scheidung noch schnell Geld versteckt“, sagt der Düsseldorfer Familienrechtler Martin Lauppe-Assmann. Seit September 2009 ist es aber schwerer, rechtzeitig Geld zu verstecken. Denn der Stichtag für die Berechnung des Vermögens ist nicht mehr der offizielle Scheidungs-, sondern der Trennungstermin. Lauppe-Assmann: „In vielen Fällen lohnt es sich jetzt nicht mehr, Geld außer Landes zu schaffen.“

    Beliebt sind die Offshore-Oasen auch bei mutmaßlichen Kriminellen. Der im Oktober verhaftete deutsche Hedgefonds-Manager Helmut Kiener, dem die Staatsanwaltschaft Würzburg vorwirft, Anleger und Banken um mehrere Hundert Millionen Euro betrogen zu haben, hat laut Haftbefehl hohe Summen über Tarnfirmen auf den Cayman Islands abgezweigt – „zur Pflege seines luxuriösen Lebensstils“.

    Dabei hat ihn den Staatsanwälten zufolge der in Miami ansässige deutsche Anwalt Stefan Seuss unterstützt, den das FBI am 28. Oktober verhaftete. Die Kanzlei Seuss & Partners habe „Mandanten aus aller Welt geholfen, Offshore-Firmen und ausländische Bankkonten einzurichten“, so das US Department of Justice.

    Villen, Jets und Helikopter

    Seuss’ Verhängnis: Er hatte einem Undercover-Ermittler des FBI, der vermeintlich Erträge aus dem Verkauf illegaler CDs und DVDs im Ausland verstecken wollte, bereitwillig seine Hilfe angeboten. Der Anwalt, dessen Laufbahn in München bei der Hypo Bank begann, ist jetzt der Hauptzeuge gegen Kiener. Laut Haftbefehl haben Seuss und seine Gattin Katrin die Mezzanine Financing Ltd. (MF) auf den Caymans gegründet, zu der Kiener etwa 56 Millionen US-Dollar schleuste. Die MF habe „über weitere zwischengeschaltete Tochtergesellschaften“ zwei Villen in Miami, zwei Privatjets und einen Helikopter gekauft.

    Auf den British Virgin Islands, wo Kieners Dach-Hedgefonds K1 Invest und K1 Global registriert sind, findet am 1. Februar das erste Gläubigertreffen statt. Noch hat der Insolvenzverwalter nicht viel gefunden. Im Dezember waren beim K1 Invest nur 300.000 Euro aufgetaucht, beim K1 Global knapp fünf Millionen.

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