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Steuerurteile Steuern sparen beim Sanieren

Wer im letzten Jahr Schäden am Eigenheim saniert hat, kann unter bestimmten Umständen jetzt noch Steuern sparen. Drei richtungsweisende Urteile des Bundesfinanzhofs werden in Kürze verbindlich. Einige Tipps für die Steuererklärung.

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Ein baufälliges Haus Quelle: dpa

Die Klägerin hatte offenbar keine Wahl. Einstimmig hatten ihre Nachbarn entschieden, die Asbest­platten, die sich in der Reihenhauskette von Dach zu Dach zogen, durch Ziegel zu ersetzen – eine teure Angelegenheit. In der Steuererklärung machte die Frau ihre Kosten für die Dachsanierung als außergewöhnliche Belastung geltend, doch das Finanzamt wiegelte ab. Sieben Jahre klagte sich die Frau durch die Instanzen, bevor der Bundesfinanzhof (BFH) im März 2012 zu ihren Gunsten entschied.

Insgesamt drei Urteile hat der BFH damals zum Thema der "steuerlichen Absetzbarkeit von Sanierungskosten" gefällt; allesamt sind sie richtungsweisend.

Ruhen des Verfahrens beantragen

Volker Humeny, Vizepräsident des Deutschen Steuerberaterverbandes, rät betroffenen Haussanierern, gegen den eingehenden Einkommensteuerbescheid für 2011 innerhalb einer Monatsfrist Einspruch einzulegen. Mehr noch, mit Verweis auf die Entscheidungen des BFH sei es am cleversten, ein Ruhen des Verfahrens zu beantragen – solange, bis die Urteile im sogenannten zweiten Teil des Bundessteuerblatts veröffentlich werden. Dann nämlich wird der Richterspruch verbindlich und muss von den Finanzbehörden allgemein angewendet werden.

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    Bisher habe die Finanzverwaltung relativ frei entscheiden können, ob sie eine Sanierungsmaßnahme als außergewöhnliche Belastung anerkannte, sagt Humeny. "Irgendwelche Reparaturarbeiten am Haus waren in der Regel gewöhnliche Kosten der Lebensführung und damit nicht absetzbar."

    Gesundheitliche Risiken sind Sanierungsgrund

    Was sich zum 1. August ändert
    OrganspendeUnabhängig von der laufenden Aufarbeitung des Organspendeskandals werden Transplantationen durch neue gesetzliche Regeln flankiert. Eine bei der Bundesärztekammer angesiedelte Prüfungskommission nimmt nun Transplantationszentren und Entnahmekliniken genauer unter die Lupe und informiert bei Verstößen gegen das Transplantationsgesetz die zuständigen Länderbehörden. Entnahmekrankenhäuser müssen zudem Transplantationsbeauftragte bestellen. Lebendspender haben jetzt Anspruch gegen die Krankenkasse des Organempfängers auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation, Fahrtkosten und Krankengeld. Im Falle der Arbeitsunfähigkeit erhalten sie auch Lohnfortzahlung. Die Kosten muss die Krankenkasse des Organempfängers übernehmen. Bekommt der Spender gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit der Organübertragung, steht dafür nun die Gesetzliche Unfallversicherung ein. Der Startschuss zur außerdem vorgesehenen Befragung der Bürger über ihre Bereitschaft zur Organspende im Todesfall fällt erst Anfang November. Quelle: dpa
    MautAuch auf gut ausgebauten Bundesstraßen wird für größere Lastwagen nun Maut fällig - und zwar bundesweit auf Strecken mit einer Gesamtlänge von rund 1.000 Kilometern. Davon erhofft sich das Bundesverkehrsministerium jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich für den Straßenbau. Wie auf den rund 13.000 Kilometern Autobahnen muss die erweiterte Maut - im Schnitt 17 Cent pro Kilometer - für Lkw über zwölf Tonnen bezahlt werden. Der Bundesrat hatte bereits im Mai vergangenen Jahres den Weg zur Ausweitung der Maut freigemacht. Die Verhandlungen mit dem Maut-Betreiber Toll Collect zogen sich jedoch in die Länge. Quelle: dpa
    VerbraucherschutzFür Verkäufe im Internet müssen Anbieter jetzt eine Schaltfläche „Zahlungspflichtig bestellen“ einrichten - nur wenn diese vom Kunden angeklickt wird, kommt ein Vertrag zustande. Mit dieser sogenannten Button-Lösung soll versteckten - und teuren - Kostenfallen im Internet ein Riegel vorgeschoben werden. Die Anbieter müssen außerdem Preise, Lieferkosten und Mindestlaufzeiten anzeigen. Denn Verbraucher sind bislang massenweise auf Abo-Fallen im Internet und auf versteckte Preisangaben hereingefallen, die über die tatsächlichen Kosten hinwegtäuschen. Quelle: dpa
    ZuwanderungHochqualifizierte von außerhalb der EU können sich jetzt leichter als bisher in Deutschland niederlassen. Zuziehen darf, wer einen Job mit mehr als 44.800 Euro Jahresverdienst vorweisen kann. Für Berufe mit vielen offenen Stellen - etwa Ingenieure - liegt die Schwelle bei 35.000 Euro. Die Aufenthaltsgenehmigung gab es bislang erst ab einem Jahresgehalt von mindestens 66.000 Euro. Die sogenannte Blue Card berechtigt zum Bleiben auf Zeit. Nach drei Jahren gibt es eine unbefristete Niederlassungserlaubnis nur bei fortbestehendem Arbeitsvertrag. Wer gute Deutschkenntnisse hat, bekommt die Erlaubnis ein Jahr früher. Neu ist, dass Ausländer mit Hochschulabschluss und genug Geld zum Leben auch schon zur Arbeitsplatzsuche für sechs Monate einreisen können. Ausländische Studenten haben nach einem Abschluss an einer deutschen Hochschule 18 statt 12 Monate Zeit zur Jobsuche. Quelle: dapd
    RechtJournalisten sind künftig besser vor dem Zugriff der Justiz geschützt. Sie können bei Veröffentlichung von zugespieltem Material nicht mehr wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat verfolgt werden. Dieses Material kann nur noch beschlagnahmt werden, wenn der betroffene Journalist dringend als Mittäter verdächtig ist. Die Novelle geht auf das „Cicero“-Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück, das eine Razzia bei der Zeitschrift „Cicero“ im Jahr 2005 als grundgesetzwidrig beanstandete. Durchsuchungen und Beschlagnahmen sind danach immer dann verfassungswidrig, wenn sie allein dem Zweck dienen, die undichte Stelle in einer Behörde zu finden. Im konkreten Fall war aus einer „Verschlusssache“ des Bundeskriminalamts zitiert worden. Quelle: dpa
    MindestlohnAuch die rund 26.000 Beschäftigten der Aus- und Weiterbildungsbranche profitieren nun von einer Lohnuntergrenze. Der für allgemeinverbindlich erklärte Tarifvertrag sieht für die Beschäftigten im pädagogischen Bereich eine Mindeststundenvergütung von 12,60 Euro im Westen und 11,25 Euro im Osten sowie einen Mindesturlaubsanspruch von 26 Tagen vor. Der Tarifvertrag gilt für Pädagogen, die überwiegend Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen aus- und weiterbilden. Quelle: dapd

    Wer dennoch Ansprüche anmelden wollte, musste eine Reihe von Gutachten mitliefern, zum Beispiel über drohende Gesundheitsrisiken. Im Asbest-Urteil hat der Gesetzgeber jetzt entschieden, dass ein amtliches Gutachten über mögliche Gesundheitsrisiken der Steuererklärung nicht automatisch angehängt werden muss.

    Dem Haussanierer erleichtert eine solche gelockerte Nachweispflicht das Leben – doch muss er nach wie vor belegen können, dass er beim Einzug in das Eigenheim nichts von Mängeln oder Schäden gewusst hat. Ebenso wenig darf er die Mängel oder Schäden selbst verursacht haben.

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      Rückwirkend keine Ansprüche

      Ist der frühere Hausbesitzer bekannt und ist er Schuld an den Baumängeln oder hat er sie verschwiegen, kann der Hauskäufer Schadensersatz fordern. Die Finanzämter berücksichtigen dies bei der Prüfung des Steuerbescheids ebenso wie das Einkommensniveau des Antragstellers. Im Zweifel sind Sanierungskosten dann nur zum Teil anrechenbar.

      Steuern & Recht



      Schlechte Karten haben diejenigen, die Asbest vom Dach geholt, Hausschwamm entfernt oder penetrante Gerüche beseitigt, ihren Einkommenssteuerbescheid aber bereits abgeheftet haben. Ist die Einspruchsfrist von einem Monat einmal verstrichen, können rückwirkend keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden. Erst wieder für das Steuerjahr 2012.

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