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Steuervermeidung Stiftungen und Vereine werden zu Steueroasen

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Gute Unternehmensführung

Nein, ein Bettelmönch ist Gunnar Geyer bestimmt nicht. Eher ein unscheinbarer Mann in dunklem Anzug, der sich als Geschäftsführer mehrerer Stiftungen verdingt. An einem regnerischen Frühjahrsmorgen sitzt er im Dunkin’ Donuts am Berliner Hauptbahnhof, nippt an seinem mittleren Kaffee mit Caramel-Sirup und berichtet von seiner Läuterung. Vor drei Jahren hat Geyer geholfen, den Club of Hamburg zu gründen, eine gemeinnützige Stiftung, finanziert von Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburger Instituts für Weltwirtschaft, Professorin und Beraterin Annette Kleinfeld, Frank Breckwoldt, der mit seiner Friseurkette Ryf reich wurde, und Christian Cordes, dem Leiter der Unternehmenskommunikation beim Tabakfabrikanten Reemtsma.

Die illustre Runde wollte sich den Themen gute Unternehmensführung, Ethik, Kommunikation und dem Wandel der Arbeitswelt verschreiben und hoffte auf viele Hamburger Mäzene, die ihre Forschungen und Clubabende unterstützen. Mitglieder gibt es inzwischen 300, nur die großen Geldgeber blieben aus. Und so dachten sich die Stifter etwas anderes aus. Sie entwickelten den „Deutschen Ethik Index“ und kreierten „Beratungsprodukte“, die Unternehmen kaufen können, um sich für diesen Index zu qualifizieren.

Dass das eher das Geschäft einer Unternehmensberatung denn einer gemeinnützigen Stiftung ist, sahen auch viele der 300 Stiftungsmitglieder so. Deshalb steuert Geschäftsführer Geyer nun um: „Uns wird zusehends unterstellt, dass wir auf dem Weg der Kommerzialisierung sind. Diesem Vorurteil möchten wir rechtzeitig entgegenwirken und wollen deshalb ab 2017 zweigleisig fahren.“

Die Stiftung Club of Hamburg soll es auch dann weiterhin geben. Allerdings würde sie nur noch wissenschaftliche Forschung betreiben und zu Clubabenden einladen. Daneben, sagt Geyer, gebe es „eine GmbH, die Themen der Stiftung in Leistungsangebote umwandelt und interessierten Unternehmen und Organisationen anbietet. Diese Tochter wird dann eine 100-prozentige Beteiligung der Stiftung, alle Gewinne fließen der Stiftung zur Verwirklichung ihrer Ziele zu.“

Eine solche GmbH hat auch der Golfclub Wannsee. In sie fließen all die Gaben der Sponsoren, werden versteuert und subventionieren dann das gemeinnützige Golfspiel auf dem 54 Hektar großen 27-Loch-Platz.

Ein Wochentag, mittags um zwölf. Vom Wannsee geht ein kleines Lüftchen. Vor dem Clubhaus der dortigen Golfer stehen schwere Wagen: Maserati, Porsche, Jaguar. Am Wannsee hält man sich für erfolgreicher als andere Vereine, weil man die richtigen Mitglieder gefunden hat. Nicht ein Sponsor, heißt es aus dem Club, sei während der Steueraffäre abgesprungen. Auch kein Mitglied habe deswegen gekündigt. Und warum: weil die Partner die Jugendarbeit des Clubs so schätzten. Neben den 1100 ordentlichen Mitgliedern sind noch 400 unter 18-Jährige im Verein aktiv. 60 davon nehmen gar an einem speziellen Förderprogramm teil. Schon allein diese Jugendarbeit zeige doch, dass der Club gemeinnützig sei. So wie die meisten anderen Sportvereine in Deutschland auch. „Vielleicht muss ja jeder Verein mal durch eine Krise – auch wenn es für Wannsee die erste in 120 Jahren Geschichte ist“, heißt es aus der Führung.

In einem Schreiben an die WirtschaftsWoche betont der Anwalt des Clubs indes, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien, in Kürze aber mit einer Entscheidung gerechnet werde – zugunsten des Clubs. Oder anders gesagt: Der Verein ist gemeinnützig – und wird das auch bleiben.

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