Stromanbieter-Pleite Flexstrom-Kunden müssen bis Jahresende Rückzahlungen fordern

Kunden des insolventen Berliner Energieanbieters Flexstrom müssen bis zum 30. Dezember offene Rückzahlungen einfordern. Sonst würden die Ansprüche zunächst nicht berücksichtigt.

Wenn aus Pleiten Kriminalfälle werden
TeldafaxDie Insolvenz von Flextrom weckt Erinnerungen an Teldafax. Das Unternehmen, ebenfalls Stromanabieter, das auf Vorkasse setzte, war Im Sommer 2011 pleite gegangen. Viele Kunden hatten für ihren Strom Vorauszahlungen an Teldafax geleistet, für die sie nach der Pleite keine Gegenleistung mehr erhielten. Nun müssen sich drei frühere Vorstände des Stromdiscounters wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs vor Gericht verantworten. Nach 18 Monate dauernden Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Bonn im Februar Anklage erhoben. Quelle: dpa
Jürgen SchneiderZu den wohl bekanntesten deutschen Kriminalinsolvenzen zählt der Fall des Baulöwen Jürgen Schneider. Er besaß Dutzende teils historische Immobilien, darunter die Mädlerpassage in Leipzig, die Zeilgalerie in Frankfurt oder das Bernheimer-Palais in München. Doch er hatte sein Imperium auf einem gigantischen Schuldenberg errichtet. 5,4 Milliarden Mark hatten im Banken geliehen. Erst als sein Firmenkonglomerat 1994 kollabierte, wurde offenbar, dass sich Schneider die Kredite teils mit falschen Angaben erschwindelt hatte. Die Banken hatten seine Aussagen oft ungeprüft geglaubt. Nach spektakulärer Flucht und Ergreifung wurde der ehemalige zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt. Quelle: AP
BelugaAuch der Schiffbruch der Beluga-Reederei im Jahr 2011 hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Bremen erhob im Februar Anklage gegen Niels Stolberg wegen Kreditbetruges in mehreren Fällen. Dem Reederei-Gründer wird vorgeworfen, zwischen 2006 und 2010 bei Schiffsneubaufinanzierungen die kreditgebenden Banken belogen zu haben. Stolbergs Sprecher verwies in der Vergangenheit darauf, dass es fraglich sei, ob den Banken ein Schaden entstanden sei, Stolberg habe sich nicht persönlich bereichert. Quelle: dpa
FlowtexÜber die skandalumwitterte Ettlinger Bohrtechnik-Firma Flow-Tex wurde beim Amtsgericht Karlsruhe das Insolvenzverfahren geführt. Flowtex hatte im großen Stil Erd-Bohrgeräte vermietet, die gar nicht existierten. Die Geschäftsführer des Unternehmens, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, wurden daher im Februar wegen des Verdachts auf Betrug, Kapitalanlagebetrugs und Steuerhinterziehung verhaftet. Die Gläubiger der Schwindelfirma, bei der sogar die Zahl der Beschäftigten gefälscht war, wurden angeblich um 2,5 Milliarden DM geprellt. Quelle: AP
HessDie börsennotierte Leuchtenfirma meldete Mitte Januar Insolvenz an und schnell geriet die Pleite zum Bilanzskandal. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Bilanzmanipulation gegen 15 Personen, darunter auch Geschäftspartner, die mutmaßliche Scheinrechnungen geschrieben haben sollen. Bislang weisen die beiden Hauptbeschuldigten, darunter der entlassene Vorstandschef und der Ex-Finanzvorstand, die Vorwürfe zurück. Quelle: dpa
Phoenix KapitaldienstVon 1992 an hatte der Finanzvertrieb Phoenix Kapitaldienst seinen Kunden Spekulationen auf den Terminmärkten angeboten. Das so eingesammelte Geld sollte in einem speziellen Produkt, dem „Phoenix Managed Account", angelegt werden. Das Geld der Kunden wurde angeblich bei dem Londoner Broker Man Financial verbucht. Doch das angebliche Konto dort gab es nie. Dennoch wies das Unternehmen phantastische Renditen teilweise von mehr als 20 Prozent pro Jahr aus. Spätestens ab 1994 sollen die Angaben reine Illusion gewesen sein. Im März 2005 brach das System zusammen, die Gesellschaft meldete Insolvenz an. Die Geschäftsführerin kam im Juni 2005 in Untersuchungshaft und wurde später wegen Untreue zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Quelle: dpa/dpaweb
SchleckerAuch die Schlecker-Pleite hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen den früheren Drogeriepatriarchen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Ermittler durchsuchten im vergangen Jahr Wohnungen und Büros und stellten umfangreiche Unterlagen und Dateien sicher. Ob das für eine Anklage reicht, bleibt abzuwarten. Quelle: dapd

Das teilte Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger den Kunden in einem Brief mit. Geprüft werden die Forderungen demnach am 31. März 2014. Noch sei nicht absehbar, ob und wie viel Geld die Kunden bekommen, erklärte der Rechtsanwalt. Die Kunden müssen allerdings das vorgefertigte Anmeldeformular, das die Kanzlei verschickt, ausfüllen und zurückschicken. Denn nur dieses stellt sicher, dass die Ansprüche auch ordnungsgemäß bearbeitet werden, warnt der Experte der internationalen Wirtschaftskanzlei. Während die Höhe der Rückzahlung noch offen ist, erhalten die Betroffenen nach Schulte-Kaubrüggers Worten in Kürze zumindest ihre Abrechnungen. „Bis Ende September sind wir durch.“

Viele Teldafax-Kunden hatten Vorauszahlungen an das Unternehmen geleistet, für die sie nach der Pleite keine Gegenleistung mehr erhielten. Hinzu kommen auch die Gläubiger der Flexstrom-Töchter Löwenzahn Energie und Optimal Grün. „Das Verfahren wird sich einige Jahre hinziehen“, sagte Schulte-Kaubrügger dem Berliner "Tagesspiegel". Er und 70 Mitarbeiter schauen derzeit, wie viel Vermögen noch da ist, und wie viel Geld Flexstrom Netzbetreibern, Lieferanten und den Kunden zahlen muss, die ihre Stromrechnung meist im Voraus bezahlt haben.

Tarifoptionen für Stromkunden und was sie bringen

Der Fall Flexstrom zählt zu den größten Insolvenzverfahren der Bundesrepublik. Viele der 600.000 Kunden bangen um dreistellige Euro-Beträge, die sie per Vorauszahlung an das Unternehmen überwiesen hatten, um im Gegenzug einen günstigen Stromtarif zu bekommen. Eine Gläubigerversammlung ist für den 25. September in Berlin geplant. Das Familienunternehmen Flexstrom wurde vor zehn Jahren gegründet und im Oktober 2008 in eine Aktiengesellschaft (nicht börsennotiert) umgewandelt. In Berlin beschäftigt die Flexstrom-Gruppe nach eigener Aussage rund 600 Mitarbeiter. Teldafax, ein Wettbewerber von Flexstrom, hatte bereits im Jahr 2011 Insolvenz angemeldet.

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