WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Uli Hoeneß muss vor Gericht Der Schachzug der Räte

Seite 2/2

Hervorragende Verdienste

Demnach seien „die für den Aufsichtsrat maßgeblichen Gesichtspunkte, dass sich Uli Hoeneß über 30 Jahre lang hervorragende Verdienste um den FC Bayern München erworben habe, dass er für den FC Bayern München eine wichtige Führungspersönlichkeit sei und dass er nach dem Ergebnis zweier vom FC Bayern München in Auftrag gegebener öffentlicher Umfragen von einer überwältigenden Mehrheit der Mitglieder des FC Bayerns München eV unterstützt werde“ sachgerechte Gesichtspunkte, die „ohne Zweifel geeignet seien, die getroffene Entscheidung zu stützen“.

Tatsächlich geht der FCB-Aufsichtsrat sogar noch weiter: Das Gesetz „kenne für Mitglieder des Aufsichtsrats kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Auch die Vorstellung, die im Aufsichtsrat der FC Bayern AG vertretenen Vorstandsmitglieder von deutschen Groß-Unternehmen „müssten dafür sorgen, dass die FC Bayern München AG eine "zero tolerance"-Politik gegenüber Herrn Hoeneß verfolge, sei fehlerhaft. Eine solche Verpflichtung gebe es selbst in börsennotierten Aktiengesellschaften nicht, und schon gar nicht gebe es sie im Hinblick auf Pflichtverletzungen im Privatbereich“. Das heißt im Klartext: Die AR-Mitglieder greifen in ihrer Mitteilung sogar schon in die Zukunft voraus und stellen Hoeneß praktisch einen Persilschein aus, selbst für den Fall, dass er im März verurteilt wird.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Inwiefern die prompte Stellungnahme jedoch wirklich mehr ist als nur eine reine Solidaritätsadresse, die bei der Gelegenheit auch noch einmal die Verdienste von Uli Hoeneß für den Verein herausstellt, dass wissen wohl nur die Aufsichtsräte allein. Denn unterm Strich, so kann man die Botschaft der Räte auch lesen, lastet nun der Druck sich zu entscheiden, allein auf Uli Hoeneß. Für ihn wird die Kernfrage der kommenden Wochen lauten: Will und kann es der Bayern-Boss verantworten, dass sein Verein und Lebenswerk unter dem Steuerverfahren leidet? Wie interpretiert er selbst seine Rolle als gesellschaftliches Vorbild und sozialer Wohltäter? Passt ein solches Verfahren zu diesem Bild?

Denn bei aller inszenierten und tatsächlichen Dickfelligkeit des Uli Hoeneß - die Volte der Räte, sich nun vordergründig mit ihrem Präsidenten zu solidarisieren, kann so am Ende den Druck auf den Bayern-Macher selbst sogar noch erhöhen: Wir können und wollen dich nicht vor die Tür setzen. Aber mach es bitte nun selbst.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%