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Uli Hoeneß und 9185 andere Flut der Selbstanzeigen blockiert Finanzämter

Gegen sich selbst Anzeige erstatten beim Finanzamt? Gar nicht so einfach. In diesem Jahr haben sich schon über 9000 mutmaßliche Betrüger gemeldet - Rekord. Und so viele, dass die Flut die Finanzämter blockiert.

Das weltweite Netz der Steuerhinterziehung
Two women walk past a beggar sitting on the steps of an underground pedestrian crossing in downtown Moscow, Quelle: AP
Fishermen navigate their boats past an area of old buildings, which are under demolition work in front of hotel buildings that are under construction on the man-made Fenghuang (Phoenix) island Quelle: REUTERS
Two Russian women, who did not want to be identified, try on mink coats in Moscow Quelle: AP
Symbolische Schuldscheine Quelle: dpa
A girl hawks local snacks in the Dal neighbourhood before the break of fast on the second day of the holy month of Ramadan in Nigeria Quelle: REUTERS
Currency traders talk in front of the screens showing the Korea Composite Stock Price Index Quelle: dapd
Ein Mitarbeiter nimmt einen 1000 Gramm schweren Goldbarren Quelle: dpa

Über eine Sache kann sich Uli Hoeneß immer noch mächtig aufregen. Dass von all den Steuersündern, die sich in diesem Jahr selbst angezeigt haben, nur ein einziger Name bekannt geworden ist. Sein eigener. Daran ändert sich auch mit der neuesten Statistik nichts. Aber wenigstens weiß der Präsident des FC Bayern München jetzt, dass er in großer Gesellschaft ist. Außer Hoeneß haben sich von Januar bis Juni in Deutschlands Finanzämtern noch 9185 weitere mutmaßliche Steuerbetrüger gemeldet - so viele wie nie zuvor. Das ist, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei den Finanzministerien aller 16 Bundesländer ergab, schon recht nah an der Zahl von ganz 2012 (11.824). Wer nach einer Selbstanzeige die gesamte Steuerschuld plus Zinsen nachzahlt, geht unter Umständen straffrei aus.

Steuerhinterziehung: Vom Kavaliersdelikt zum Verbrechen
Die schweizer Flagge vor einer Bank Quelle: dpa
Ein Bild vom 11. September 2001 Quelle: REUTERS
Hans Eichel Quelle: REUTERS
Schweizer Käse Quelle: AP
Klaus Zumwinkel Quelle: dpa
Das Logo der UBS Quelle: dapd
Schweizer Fahne auf einer CD Quelle: dpa

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" spricht der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, davon, dass Selbstanzeigen es anderen Steuerhinterziehern leichter machen, beim Finanzamt ungeprüft durchzurutschen. Denn Selbstanzeigen sind immer auch mit zusätzlicher Arbeit verbunden, auf die die Finanzämter nicht eingerichtet sind. Andere Sachen würden dann liegen bleiben. Schon heute ist bekannt, dass Finanzämter Steuererklärungen nur stichprobenartig oder bei Auffälligkeiten prüfen, um die Arbeit zu schaffen. „Es ist sehr viel Aufwand, so eine Selbstanzeige zu überprüfen. Man muss viele Jahre zurückgehen“, berichtete Eigenthaler im Gespräch mit der FAZ. Es sei relativ leicht, wenn es nur um hinterzogene Kapitalerträge gehe, sei das relativ leicht. Besteht der Kapitalstamm aber aus Schwarzgeld, dann wird es schwierig. Dann könne auch Gewerbesteuer oder Erbschaftsteuer hinterzogen worden sein. Aber es kostet in jedem Fall bis zu vier Wochen eine Selbstanzeige zu bearbeiten, manchmal sogar noch länger.

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Experten erwarten, dass es in den nächsten Monaten viele weitere Selbstanzeigen geben wird. In den Finanzämtern hat man die Erfahrung gemacht, dass sich mit jedem neuen Dreh des Falls Hoeneß wieder neue Sünder offenbaren. Zudem sind viele verunsichert, weil die Selbstanzeige von der Politik infrage gestellt wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will sie behalten, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf Bagatellfälle begrenzen, SPD-Chef Sigmar Gabriel abschaffen. Alles Weitere nach der Bundestagswahl im September. Und zum Jahresende dann einen neuen Rekord.

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