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Umsatzsteuer Chinesen stehen Schlange bei Berliner Finanzamt

Offenbar haben die meisten chinesischen Händler zuvor am Finanzamt vorbei ihre Geschäfte betrieben und selbst auf eine formale Registrierung verzichtet. Quelle: dpa

Das Finanzamt im Berliner Bezirk Neukölln wird von Händlern aus China überrannt, die eine Umsatzsteueridentifikationsnummer wollen. Hintergrund ist eine Regelung, um auf europäischen Internetplattformen Waren anzubieten.

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Das Berliner Finanzamt im Bezirk Neukölln wird von Händlern aus China regelrecht überrannt, die eine Umsatzsteueridentifikationsnummer haben wollen. „Jede Woche gehen bis zu 1500 neue Anträge ein“, sagte der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz der WirtschaftsWoche. In dieser Woche erreichte die Zahl der Anmeldungen insgesamt 70.000, vor vier Jahren waren in Neukölln lediglich 432 Händler gemeldet.

Die Behörde ist deutschlandweit zuständig für die Registrierung von Händlern aus China, Hongkong, Taiwan und Macau. Hintergrund für den rasanten Anstieg ist eine EU-Regelung, wonach Onlineverkäufer seit 2019 eine Steuer-ID brauchen, um auf europäischen Internetplattformen Waren anzubieten. Offenbar haben die meisten chinesischen Händler zuvor am Finanzamt vorbei ihre Geschäfte betrieben und selbst auf eine formale Registrierung verzichtet. Die steigende Zahl erklärt Finanzsenator Kollatz aber auch mit „der radikalen Verlagerung des Handels ins Internet“. Deshalb sei es so wichtig, dass die Digitalökonomie ebenso ihre Steuerpflicht erfülle.



Allerdings geben die Zahlen vom Finanzamt Neukölln auch Anlass zur Nachdenklichkeit: Denn während die Zahl der registrierten Händler um 16.000 Prozent in die Höhe schoss, nahm die gezahlte Umsatzsteuer im gleichen Zeitraum weit weniger stark zu, nämlich nur um 840 Prozent auf 134 Millionen Euro in den ersten vier Monaten von 2021. Nach Ansicht von Fachleuten geben die chinesischen Händler nur einen Bruchteil ihrer umsatzsteuerpflichtigen Verkäufe beim deutschen Fiskus an.

Mehr zum Thema: Internethändler prellen den Staat um Milliarden Euro Umsatzsteuer. Ab Juli schlägt Europa mit schärferen Regeln zurück. Doch die Anbieter finden immer neue Schlupflöcher – und dubiose Plattformbetreiber.

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