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Unternehmenssteuer Apples Strategie zur Vermeidung von Steuern

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Steuervermeidung Säule I: Nevada

Typische Irrtümer und häufige Fragen zur Steuererklärung
Wenn die Steuererklärung einmal abgegeben ist, kann ich nichts mehr ändern.Das stimmt nicht. Solange noch kein Steuerbescheid ergangen ist, können alle Unterlagen und Belege beim Finanzamt nachgereicht werden. Auch, wer den Steuerbescheid bereits erhalten hat, kann grundsätzlich innerhalb eines Monats noch etwas nachreichen, erst nach dieser Frist wird der Bescheid bestandskräftig. „Danach wird es sehr kompliziert“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler. „Es gibt aber Fälle, in denen auch später noch etwas an der Steuererklärung geändert werden kann.“ Quelle: dpa
Wenn ich die Steuererklärung freiwillig abgegeben habe, kann ich mich vor einer Nachzahlung drücken.Das stimmt. „Steuerzahler können durch die freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung nur gewinnen“, sagt Anita Käding. Denn wer wider Erwarten keine Steuern zurückbekommt, sondern um Nachzahlung gebeten wird, kann den Antrag auf Einkommensteuerveranlagung wieder zurücknehmen. „Das funktioniert solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, also innerhalb eines Monats, nachdem der Bescheid zugegangen ist“, so die Steuerexpertin. Einen Zwang zur Nachzahlung gebe es in der Regel nur dann, wenn der Arbeitgeber vorschriftswidrig zu wenig Lohnsteuer abgeführt hat. Wenn der Steuerzahler jedoch zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist, kann er einer etwaigen Nachzahlung nicht entkommen. Quelle: dpa
Wenn ich morgens zehn Kilometer ins Büro fahre und abends zehn Kilometer nach Hause, bekomme ich eine Entfernungspauschale für 20 Kilometer.Das stimmt nicht. Im Rahmen der Entfernungspauschale kann für den Arbeitsweg nur die einfache Entfernung berücksichtigt werden. Ein Entfernungskilometer entspricht also zwei Fahrtkilometern. Wenn die Arbeitsstelle zehn Kilometer von der Wohnung entfernt liegt, kann der Steuerzahler also pro Arbeitstag 10 x 0,30 Euro = 3 Euro als Werbungskosten bei der Einkommensteuererklärung geltend machen. Quelle: dpa
Wenn meine studierende Tochter Kosten für Fachbücher selbst nicht bei der Steuererklärung geltend machen kann, kann ich das tun.Das stimmt nicht. Grundsätzlich gilt: Das Finanzamt kann höchstens so viele Steuern erstatten, wie vorher gezahlt wurden. Wer also nur ein geringes Einkommen mit entsprechend niedrigen Abgaben hat, dem nutzen auch die höchsten Werbungskosten nichts. Eltern, deren Kinder hohe Ausgaben für das Studium haben, glauben deshalb häufig, sie könnten diese Ausgaben selbst geltend machen. Das funktioniert jedoch nicht. Quelle: dpa
Solange mein Kind noch nicht arbeitet, bekomme ich Kindergeld. Das stimmt nicht. Kindergeld wird maximal bis zum 25. Lebensjahr gezahlt. Bedingung dafür ist, dass sich das erwachsene Kind noch in der Ausbildung befindet. Anders herum gilt dies aber nicht. Besonderheiten gelten für erwachsene behinderte Kinder. Bei Kindern, die schon 25 Jahre alt sind, sich aber noch in der Ausbildung befinden, können gegebenenfalls Unterhaltszahlungen geltend gemacht werden. Quelle: dpa
Wenn Handwerker in meinem Haus Arbeiten verrichtet haben, kann ich das immer als Handwerkerleistung geltend machen.Das stimmt nur bedingt. Denn die erste Voraussetzung ist, dass die Arbeit wirklich vor Ort verrichtet wird. Nimmt ein Techniker die Waschmaschine zur Reparatur mit in seine Werkstatt, ist das keine typische Handwerkerleistung mehr. Außerdem darf die Rechnung nicht bar bezahlt werden, ansonsten erkennt das Finanzamt sie nicht an. Pro Jahr können 20 Prozent solcher Kosten, höchstens jedoch 1.200 Euro im Jahr als Steuerbonus anerkannt werden. Quelle: dpa
Wenn ich Studiengebühren bereits vergeblich in einer freiwilligen Steuererklärung geltend gemacht habe, kann ich das bei der nächsten Steuererklärung nicht noch einmal probieren.Das stimmt. Kosten, die beispielsweise im Jahr 2011 entstanden sind, können auch nur in der Steuererklärung für dieses Jahr geltend gemacht werden. „Die Annahme, Studienkosten könnten am Ende des Studiums gebündelt abgesetzt werden, ist ein Irrtum“, sagt Steuerexpertin Anita Käding. Da zu diesem Thema noch Gerichtsverfahren laufen, empfiehlt es sich, abzuwarten und die Steuererklärung – sofern man sie freiwillig macht – erst später abzugeben. „Ausfüllen sollte man die Formulare aber schon jetzt, denn im nächsten Jahr weiß man vielleicht nicht mehr so genau, welche Ausgaben man hatte“, empfiehlt Käding. Quelle: dpa

Obwohl die Technolgie-Branche heute zu einer der größten und wertvollsten Industrien zählen, zahlen viele dieser Unternehmen in den USA auffallend niedrige Steuern. Laut NYT berappen die 71 Tech-Konzerne, die im US-Aktienindex S&P 500 gelistet sind, ein Drittel weniger Steuern als die übrigen S&P-500-Unternehmen. Und selbst innerhalb dieser Gruppe sind die Steuerzahlungen von Apple niedrig. Die gingen das Thema Steuern offenbar mit ähnlicher Innovationskraft an, wie die Entwicklung der Kultprodukte. Der Clou: In den USA zahlen Unternehmen Steuern abhängig davon, wo der Gewinn entsteht – und nicht abhängig von Produktionsort. Apple hat zwar seine Zentrale und den größten Teil seiner Mitarbeiter in den USA, verbucht aber rund 70 Prozent seiner Gewinn in Übersee – mit örtlich deutlich niedrigeren Steuersätzen. Zwar steht im Jahresabschluss, wie viel Steuern Apple weltweit zahlt, allerdings bleibt im Dunkeln, welche Summen an die einzelnen Staaten flossen. Zudem sind die Steuerzahlungen in der Bilanz mit hoher Wahrscheinlichkeit übertrieben, weil die Bilanzierungsstandards erlauben, Steuerzahlungen auszuweisen, die erst Jahre später oder überhaupt nicht fließen.

Apples Steuervermeidungsstrategie fußt auf zwei Säulen.

Die erste davon findet sich im Wüstenstaat Nevada. Im Jahr 2006, als Apples Aktienkurs kletterte und die Milliardenreserven anschwollen, gründete Apple eine Tochtergesellschaft namens Braeburn Capital in Reno. Die Firma, benannt nach einer süß-sauren Apfelsorte, verwaltet und investiert das Unternehmensvermögen. Der Vorteil: Hier in Nevada gibt es weder eine Einkommensteuer für Unternehmen – was der deutschen Körperschaftssteuer entspräche -, noch eine Steuer auf Kapitalgewinne. In Kalifornien werden hingegen 8,84 Prozent der Unternehmensgewinne als Steuer fällig. Braeburn Capital ist unscheinbar in einem tristen Bürogebäude untergebracht, erhält aber von den Gewinnen aus dem Verkauf der Apple-Produkte regelmäßig einen Anteil, um ihn in Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere zu investieren.

Wenn diese Investments Gewinn abwerfen, sind diese teilweise vor kalifornischem Steuerrecht geschützt. Seit der Gründung von Braeburn Capital sollen laut NYT mehr als 2,5 Milliarden Dollar Zinsen und Dividenden auf das Apple-Vermögen angefallen sein. Außerdem hilft Braeburn laut NYT Apple dabei, die Steuerlast in anderen US-Staaten wie Florida, New Jersey und New Mexico zu senken, weil deren Rechtsprechung die Steuerschuld für Finanzverwaltungen mit Sitz in einem anderen Staat niedriger ansetzen. Deshalb haben duzende anderer Unternehmen wie Cisco, Harley-Davidson oder Microsoft Tochtergesellschaften in Nevada.

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