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Urteil gegen Hoeneß "Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende"

Jürgen Wessing, Professor für Strafrecht und Wirtschaftsstrafverteidiger ist überzeugt: Die Strategie des Verteidigers von Uli Hoeneß ist voll aufgegangen. Jetzt bleibt die Revision abzuwarten.

Strafrechtsprofessor Jürgen Wessing. Quelle: Presse

„Keiner ist für Löwen viel“ und drei Jahre und sechs Monate Gefängnisstrafe für 28,5 Millionen Euro hinterzogene Steuern wenig. Schon gar in München. Die Strategie der Verteidigung, möglichst stromlinienförmig nach vorne zu gehen und das Verfahren im Schnelldurchgang zu absolvieren, ist voll aufgegangen. Die Chancen, dass die Selbstanzeige von Uli Hoeneß als korrekt und vollständig vom Gericht akzeptiert werden würde, waren gering. Und bei dieser Summe ist das strafrechtliche Ergebnis das bestmögliche.

So reagieren die Deutschen auf das Hoeneß-Urteil
Der FC Bayern München wird sich zum Urteil gegen Präsident Uli Hoeneß nicht äußern. Laut Mediendirektor Markus Hörwick vom Donnerstag ist dagegen eine kurze schriftliche Erklärung des Aufsichtsrates im Laufe des Tages zu erwarten. Präsident und Aufsichtsratschef Hoeneß wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München sprach den 62-Jährigen am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung schuldig. Quelle: dpa
Ligapräsident Reinhard Rauball hat sich zurückhaltend zum Urteil gegen Uli Hoeneß geäußert, aber an dessen Verdienste für den deutschen Fußball erinnert. „Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen“, sagte der Präsident von Borussia Dortmund in einer von der Deutschen Fußball Liga (DFL) übermittelten Stellungnahme. „Die Verdienste von Uli Hoeneß um den deutschen Fußball bleiben trotz seines von ihm selbst eingestandenen Fehlverhaltens unberührt.“ Der Rechtsweg erlaube es, dass das Urteil mit der Revision zum Bundesgerichtshof angegriffen werden kann. „Im Übrigen liegt es ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Club zu bewerten und damit umzugehen“, so Rauball weiter. Quelle: REUTERS
Der Deutsche Fußball-Bund hält sich mit einer öffentlichen Bewertung des Urteils im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß zurück. „Die Dimension des gesamten Vorgangs, wie er in den letzten Tagen publik wurde, hat auch uns als DFB überrascht“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Donnerstag und betonte: „Die großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball bleiben unabhängig von diesem Prozess bestehen. Die juristische Beurteilung können in einem solchen Fall aber ausschließlich die Gerichte vornehmen, und da muss für Uli Hoeneß das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten.“ Quelle: dpa
"Mir tut es unendlich leid für Uli. Ich bin sehr erschrocken über die Vorstellung, dass Uli für seinen Fehler so heftig büßen muss. Ich bin sehr traurig", sagte Heribert Bruchhagen, Vorstandsboss des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt (rechts im Bild). Quelle: dpa
Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop (Mitte), kann als Jurist und Direktor des Amtsgerichts Regensburg das Urteil gegen Uli Hoeneß nachvollziehen: „Angesichts der im Raum stehenden Höhe der hinterzogenen Steuern ist das Urteil nicht überraschend. Eine Haftstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird, war von Tag zu Tag unwahrscheinlicher geworden“, sagte Prokop der Nachrichtenagentur dpa. Der Präsident des FC Bayern München Hoeneß war zuvor vom Münchner Landgericht wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Quelle: dpa
Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder twitterte: „Jetzt, da Justitia gesprochen hat, könnte die Häme aufhören!“ Quelle: AP
Der dreimalige Wimbledonsieger und Bayern-Fan Boris Becker schrieb in dem Kurznachrichtendienst: „Ich bin einfach nur traurig für den Mensch Uli #Hoeness !“ Quelle: AP

Dass die Verteidigung Revision angekündigt hat, verwundert nicht. Mitte des Jahres ist die Fußballweltmeisterschaft, bis zu diesem Zeitpunkt wird der Bundesgerichtshof nicht entschieden haben. Ob man ihn allerdings nach Brasilien reisen lässt, ist noch eine andere Frage.

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Auch ist die Frage noch nicht geklärt, ob die Staatsanwaltschaft nicht ihrerseits in Revision gehen wird, denn das Ergebnis liegt ja deutlich unter deren Antrag von fünf Jahren und sechs Monaten. Das würde das Ergebnis wieder öffnen, insbesondere wenn der Bundesgerichtshof seine harte Linie auch an Uli Hoeneß erproben will und für eine neue Hauptverhandlung ein höheres Strafmaß einfordert. Bevor nicht beide Seiten dieses Urteil akzeptieren, ist diese Geschichte noch nicht zu Ende.

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