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Verbraucher Hunderte Euro Entschädigung bei verspäteten Flügen

Ab drei Stunden Verspätung können Passagiere künftig bis zu 600 Euro als Entschädigung von ihrer Fluglinie verlangen. Das folgt aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Die Höhe der Pauschale richtet sich nach der Flugstrecke.

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ARCHIV - Auf einer Quelle: dpa

Erstmals hat der Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg anerkannt, dass Fluggästen pauschale Zahlungen von – je nach Distanz – 250, 400 oder 600 Euro zustehen, wenn ihr Flug mindestens drei Stunden verspätet ist (Aktenzeichen C-402/07 und C-432/07). Das folgt laut EuGH aus einer seit 2005 geltenden EU-Verordnung. Nur wenn die Verspätung auf „außergewöhnliche Umstände“ zurückgeht, müssen die Fluggesellschaften nicht zahlen.

Die EU-Flugpassagierrechte gelten für jeden, der seine Reise auf einem Flughafen in der EU antritt. Auch Passagiere aus Drittstaaten sind erfasst, sofern sie mit einer europäischen Fluggesellschaft in die EU fliegen.

Pauschale abhängig von Strecke

Bei Verspätungen von drei Stunden und mehr besteht nach dem EuGH-Urteil Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, die nach Entfernung gestaffelt ist: Bei einer Flugstrecke bis 1.500 Kilometer beträgt die Entschädigungspauschale 250 Euro. Bei allen anderen innereuropäischen Flügen sowie Interkontinentalflügen bis 3.000 Kilometer muss die Fluggesellschaft 400 Euro zahlen. Bei Verspätung eines Langstreckenflugs werden 600 Euro fällig.

Technische Defekte sind keine „außergewöhnlichen Umstände“

Keine Zahlungspflicht besteht laut EuGH, wenn die Fluggesellschaft „außergewöhnliche Umstände“ als Ursache nachweisen kann – zu denen aber technische Defekte im Normalfall nicht zählen. Nur wenn eine Panne auf Umstände außerhalb des üblichen Flugbetriebs zurückgeht, können sich die Linien darauf berufen.

ARCHIV - Vor der Quelle: dpa

Wir ein Flug kurzfristig gestrichen oder ist er überbucht, haben Passagiere neben der Entschädigung Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises oder eine kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flug. Das gilt auch bei Verspätungen von über fünf Stunden. Pauschalreisende können schon ab vier Stunden auf eine Reisepreisminderung pochen.

Bisher gab es pauschale Ansprüche nur bei „Annullierung“ oder „Nichtbeförderung“ des Fluggasts – weshalb vor den Gerichten heftig um die Auslegung dieser Begriffe gestritten wurde. Die Fahrgastrechtsverordnung sah lediglich vor, dass Airline bei großen Verspätungen für Mahlzeiten oder Hotelunterbringungen sorgen oder – ab fünf Stunden – den Flugpreis erstatten.

Paar hatte geklagt

Das EuGH-Urteil geht unter anderem auf einen 2007 vom BGH vorgelegten Fall zurück. Dort hatte sich ein Flug von Toronto nach Frankfurt um 25 Stunden verzögert. Geklagt hatte ein Paar aus Neustadt an der Weinstraße, das bei der Fluggesellschaft Condor für Juli 2005 einen Charterflug nach Kanada gebucht hatte. Der Rückflug verschob sich wegen technischer Defekte der Maschine, die Gäste bekamen ihr Gepäck zurück und wurden zur Übernachtung in ein Hotel gebracht.

Nach der früheren Lesart hätten sie – falls es sich nur um eine „Verspätung“ gehandelt hätte – lediglich etwaige Kosten ersetzt bekommen, aber keinen pauschalen Ausgleich. Der EuGH entschied nun, dass sich die Reisenden eines verspäteten Flugs in einer vergleichbaren Lage befinden wie Fluggäste, die wegen Annullierung ihres Flugs kurzfristig umgebucht wurden und damit ebenfalls verspätet ankommen. Deshalb sei es nicht gerechtfertigt, „Annullierung“ und „große Verspätung“ unterschiedlich zu behandeln.

Stimmen zum Urteil

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wertete das Urteil als großen Erfolg für Flugreisende. „Dies ist auch gerecht, denn es ist nicht einzusehen, warum Fluggäste bei kurzfristigen Annullierungen eine Entschädigung bekommen sollen, aber nicht bei großen Verspätungen“.

Dagegen kritisierte der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) das Urteil als „Wettbewerbsverzerrung“. Durch die Verbraucherregeln müssten europäische Fluggesellschaften drastische Kompensationen leisten, von denen andere Fluggesellschaften verschont bleiben. Oft liege der Grund für Flugverspätung nicht bei der Airline, sondern bei äußeren Einflüssen.

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