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Verbraucherkredite EU bemängelt Mehrheit der Online-Angebote

Verdeckte Kosten und irreführende Angaben: Anbieter von Krediten informieren im Internet ihre Kunden laut einer EU-Studie meistens nur schlecht. Was Verbraucher wissen sollten.

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Online-Kontoauszug Quelle: dpa

Wer gerade Geld für dringende Anschaffungen benötigt, wird im Internet schnell fündig. Das ist bequem, geht schnell und erscheint unbürokratisch. Das Marktsegment der Verbraucherkredite boomt: 2010 hatten die EU-Bürger Schulden aus Verbraucherkrediten im Volumen von 600 Milliarden Euro.

Doch Vorsicht. Für Verbraucher gilt: Nicht die niedrigste Monatsrate oder der niedrigste Zins sind bei einem Verbraucherkredit allein entscheidend, sondern vor allem die Gesamtkosten eines Kredits. Denn um beurteilen zu können, ob der Dispokredit der Hausbank nicht vielleicht billiger ist als das Kreditangebot, benötigen Kunden zwingend Informationen über den effektiven Jahreszins, Gebühren, Kosten für obligatorische Kreditausfallversicherungen und mehr. Und nur dann sind die vielfältigen Kreditangebote der Banken oder Finanzdienstleister wirklich miteinander vergleichbar. Doch von so viel Transparenz sind gerade die Online-Kreditangebote offenbar noch weit entfernt. 

Elementare Angaben fehlen

Die Ergebnisse einer Studie der EU-Kommission sind ein Armutszeugnis für die Kreditanbieter im Netz .Wer im Internet einen Kredit aufnehmen will, wird demnach in zwei von drei Fällen schlecht informiert. Wichtige Angaben zur Höhe von Zinsen, Laufzeit und Kosten fehlten EU-weit häufig, sagte EU-Verbraucherkommissar John Dalli in Brüssel. Bei jedem fünften der getesteten Vermittler von Online-Krediten sei die Darstellung der Kosten irreführend gewesen. Die Werbung habe oft unrealistische Zinsen genannt.

Im Auftrag der EU-Kommission hatten die 27 EU-Länder, Norwegen und Island 562 Internetseiten für Verbraucherkredite untersucht, darunter 224 Banken. Neben Finanzinstituten waren auch Autohändler dabei. In Deutschland testeten die Prüfer 26 Unternehmen - und entdeckten bei 20 von ihnen Informationslücken. „Das Ergebnis ist so, dass man schon von einem allgemeinen Missstand reden kann“, heißt es von Seiten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Bafin habe bereits die Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft angeschrieben und Verbesserungen gefordert.

„Teilweise war gar nicht klar, wer eigentlich den Kredit vergibt.“ Verbraucherkommissar Dalli sagte: „Wenn Menschen sich nach einem Kredit umsehen, stellen sie manchmal fest, dass er viel teurer ist, als es zunächst den Anschein hatte.“ Aus der Studie gehe nicht hervor, ob die Anbieter ihre Kunden absichtlich täuschen wollten. 

Schwarze Schafherde

Auf einem Laptop liegen Euro-Scheine Quelle: dpa

Zum Schutz der Anbieter nannte die EU-Kommission keine Namen von Banken und Online-Anbietern. Da aber nur 30 Prozent der insgesamt 562 untersuchten Websites die einschlägigen verbraucherrechtlichen Vorschriften einhielten, müssen Kreditsuchen schon fast grundsätzlich davon ausgehen, das wichtige Informationen in den Internet-Angeboten fehlen.. Die 20 beanstandeten Angebote aus Deutschland entsprechen einer Quote von 76 Prozent. Noch dramatischer ist das Ergebnis in einigen Nachbarstaaten: In Belgien bemängelte die Kommission 89 von 93 Kreditangeboten im Internet (95 Prozent), in Spanien alle 29 Internetseiten. Auch in Großbritannien und den Niederlanden lag die Mangelquote bei 80 Prozent (38 von 47 britischen Online-Kreditanbietern und 36 von 45 niederländischen Anbietern).

Island, Bulgarien und Portugal sind besser

Nur in wenigen Ländern ist die Situation verbraucherfreundlicher. Alle zehn Online-Kreditgeber Islands bestanden die Untersuchungen ohne Mängel – ebenso wie die sechs Anbieter aus Bulgarien. Selbst Portugal schneidet deutlich besser ab als der EU-Durchschnitt: nur 14 von 40 Online-Anbietern gaben Anlass zur Kritik. Und nicht einmal ein Viertel der 50 untersuchten Web-Kreditanbieter aus Frankreich gab Anlass zur Kritik.

Die drei häufigsten Mängel:

  • 46 Prozent der untersuchten Websites ließen in ihrer Werbung Angaben vermissen, die laut Verbraucherkreditrichtlinie verpflichtend sind, zum Beispiel die explizite Nennung von effektivem Jahreszins, obligatorischen Nebendienstleistungen oder der Laufzeit des Kredites.
  • 43 Prozent fehlten klare Angaben zu einzelnen Bestandteilen der Gesamtkosten (etwa zu festem, variablen oder gemischtem Zins), zu mit dem Kredit verbunden Kosten wie etwa der Abschlussgebühr sowie zur Vertragslaufzeit
  • Auf 20 Prozent der Websites waren in der Darstellung der Kreditkosten irreführend mit teilweise falschen Zahlen oder unvollständigen Preisberechnungen.

Schwarze Schafe unter den Kreditvermittlern müssen die fehlenden Informationen nun nachliefern. „Wenn sie ihre Angaben nicht korrigieren, können die jeweiligen Länder entsprechende Schritte einleiten“, sagte Dalli. Das könnten Geldstrafen oder eine Schließung der Internetseiten sein. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen die Websites erneut geprüft werden. Wer bereits einen unvorteilhaften Kredit abgeschlossen hat, profitiert von den Kontrollen allerdings nicht mehr. Dalli: „An der Gültigkeit bereits bestehender Verträge ändert sich nichts.“

Verbraucher, die sich für einen Online-Kredit interessieren, sollten daher unbedingt auf die Vollständigkeit der Angaben achten und diese kritisch hinterfragen. Auch Nachrechnen oder der Gegencheck durch einen kundigen Bekannten können nicht schaden.

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