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Vergleichsportale Minuszinsen für Kredite lösen Beschwerden bei Verbraucherschützern aus

Vergleichsportale buhlen mit Minuszinsen für aufgenommene Kredite um Kunden. Doch Verbraucher zahlen mit sensiblen Kundendaten für die Angebote.

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Die Daten der Kunden werden nicht nur an den Anbieter des Minuszins-Kredits weitergeleitet, sondern auch an andere Partner der Portale. Quelle: dpa

Frankfurt Ärger über Kredit-Angebote: Die Geschäftspolitik von Vergleichsportalen und ihrer Partner sorgt für Beschwerden bei Verbraucherschützern. Einige Portale locken damit, dass man weniger Geld zurückzahlen muss, als man aufnimmt.

Geworben wird mit Minuszinsen von mittlerweile bis zu 20 Prozent. Aus Sicht von Verbraucherschützern handelt es sich dabei in erster Linie aber um Marketingmaßnahmen, die vor allem sensible und lukrative Kundendaten einbringen sollen.

„Solche Daten sind Gold wert – und deshalb ein ziemlich hoher Preis für den Verbraucher, sei das Minuszins-Angebot noch so verlockend“, argumentiert Kerstin Schultz, Finanzmarktwächterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Verbraucher müssten sich bewusst sein, dass sie mit ihren sensiblen Daten schon bei der Kreditanfrage bezahlten.

Den Angaben zufolge beschwerten sich Verbraucher, dass sie nach der Eingabe persönlicher Daten zahlreiche unaufgeforderte Alternativ-Kreditangebote erhalten hätten. Betroffene hätten von bis zu zehn Offerten mit deutlich veränderten Konditionen, Kreditsummen und Laufzeiten berichtet.

Die Daten der Verbraucher werden nicht nur an den Anbieter des Minuszins-Kredits weitergeleitet, sondern auch an andere Geldhäuser und weitere Kreditvermittler, die mit den Portalen zusammenarbeiten, wie die Marktwächter erläuterten.

Die potenziellen Kunden hatten den Angaben zufolge nach Eingabe der Kontaktdaten eine Einwilligungserklärung zur Nutzung der Daten abgegeben. Diese gelte auch, wenn der Prozess abgebrochen werde. „Dies scheint vielen Verbrauchern aber nicht bewusst zu sein“, sagte Finanzmarktwächterin Schultz.

Generell gilt: Die Konditionen für Darlehen hängen von der persönlichen Kreditwürdigkeit des Verbrauchers ab und können deshalb vom Aktionszins abweichen. Manche Interessenten erhielten nach Angaben der Marktwächter auch nachdem sie bereits einen Kreditantrag bei einem Geldhaus gestellt hatten, noch Anrufe, SMS und Emails, um sie zu einem Abschluss zu bewegen.

Mehrere Verbraucher beantragten die Löschung ihrer Daten und entzogen ausdrücklich die Werbeerlaubnis. Sie bekamen dafür eine Bestätigung. Dennoch erhielten sie den Angaben zufolge weiterhin Angebote per Email und SMS, durch die sie sich belästigt fühlten.

In diesem Fall sollten sich die Betroffenen an die zuständigen Datenschutzbehörden wenden, empfahl Rechtsanwalt Peter Breun-Goerke von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Zugleich wies er darauf hin, dass Finanzinstitute bei jeder Vergabe eines Darlehens die Kreditwürdigkeit des Kunden prüften.

„Die Vergabe von Verbraucherdarlehen ohne Sicherheiten ist ein Risiko. Nicht jeder bekommt daher den beworbenen Kredit.“ Das sei grundsätzlich rechtlich auch nicht zu beanstanden. „Verbraucher sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass ein gewisser Prozentsatz des Geschäfts von Vergleichsportalen dazu dient, Daten zu sammeln“, sagte Breun-Goerke.

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