WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Vermögensverwaltung Von der UBS in den Ruin gesteuert

Seite 3/3

Das Thema ist brisant: In den USA wurde der Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld zu gut drei Jahren Haft verurteilt, weil er Kunden bei der Steuerhinterziehung über Tarnfirmen geholfen hatte. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt gegen drei UBS-Berater wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Die vom Kunden erhobene „Forderung zum Ausgleich seiner Anlageverluste weist UBS Deutschland AG zurück“, sagt die Bank heute dazu. Schweizer Medien liegt ein interner UBS-Untersuchungsbericht zu dem mutmaßlich verspielten Vermögen vor: Der Report sei auf den 14. Oktober 2008 datiert, schreibt die Handelszeitung. Darin rolle die Bank die Ereignisse zwischen September und Oktober 2008 auf und führe einen Maßnahmenkatalog auf, der künftig für ähnliche Fälle wegweisend sein solle. Der Bericht betone, dass sich die Beziehung zu dem Kunden zunächst gerechnet habe. Demnach verdiente die Bank zwischen 2004 und September 2008 rund 6,3 Millionen Euro an Kommissionen.

Laut Handelszeitung räumt die UBS im Report ein, dass Börsenaufträge falsch platziert worden seien. Zudem hätte das Frankfurter Backoffice keinerlei Warnung abgesetzt, dass es zum Stau bei der Auftragsverarbeitung gekommen sei.

Dass es mit dem Risikomanagement der UBS nicht immer zum besten stand, zeigt ein Fall aus London. Im November 2009 legte die britische Finanzaufsicht FSA der UBS acht Millionen Pfund Strafe auf. Mitarbeiter hatten mit Geldern von 39 Kundenkonten jongliert. Laut FSA machten die Banker in der Spitze bis zu 50 unautorisierte Geschäfte – pro Tag. So weisen auch die Autoren des UBS-internen Reports drauf hin, dass man die Schwächen des Geschäftsmodells bereits vor dem Fall des deutschen Rentners erkannt und erste Gegenmaßnahmen eingeleitet habe.

Risikomanagement mit Mängeln

Der Ex-Millionär erhebt auch gegen die UBS-Vermögensverwaltung schwere Vorwürfe. Sie habe Millionen in der „hedgefondsartigen Führung des Depots“ verspielt, sagen seine Anwälte. Tatsächlich listet die UBS in einer Aufstellung vom 29. August 2008 über 840 „Offene Futures- und Optionspositionen“ auf, darunter hochriskante Puts und Calls auf VW, Porsche und UBS. 28 Millionen Euro Kredit, besichert durch verpfändete Wertpapiere, gewähren die Banker der UBS ihrem Kunden.

Kurz vor dem Crash der Lehman-Bank fordert die UBS mit Frist 19. September 2008 neue Sicherheiten, weil der Wert der Papiere, mit denen die Geschäfte gedeckt waren, stark gefallen ist. Nach dem Lehman-Crash, angeblich noch vor Ablauf der Frist, liquidieren die Banker Teile des Depots und realisieren einen Millionenverlust: „Kurz nach einem längeren Urlaub gingen mir verzögert die Bankunterlagen zu, und ich stellte fest, dass ich statt 48 Millionen Euro Vermögen nun rund sechs Millionen Schulden hatte“, sagt der Ex-Millionär.

Was der 74-jährige deutsche Kunde der Bank genehmigte, ist umstritten. In Kundenprotokollen ist für den Mann über mehrere Jahre immer die höchste Risikostufe angekreuzt. Zugleich steht darin aber auch, der Kunde wünsche einen Aktienanteil von maximal 30 Prozent. Beides passt nicht zusammen. Laut Depotauszügen lag der Aktienanteil etwa im August 2008 bei rund 80 Prozent.

Die UBS kündigte die Geschäftsverbindung jetzt „mit Wirkung zum 8. März 2010“. Zu verwalten gibt es ohnehin wenig: Das Vermögen ist weg, die UBS fordert noch knapp sechs Millionen Euro. Zusammen mit den drohenden Steuerzahlungen müsste der 74-Jährige eine zweistellige Millionenschuld abtragen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%