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Verschuldung Anstieg der Privatinsolvenzen erwartet

Euro-Schuldenkrise und schwächelnde Konjunktur sorgen dafür, dass die Deutschen zu schlechteren Schuldnern werden: Die Zahlungsmoral sinkt, jeder zehnte Erwachsene überschuldet.

Leere Taschen Schulden Quelle: dpa

Die Konjunkturflaute und die Verunsicherung wegen der Schuldenkrise führen zu einer sinkenden Zahlungsmoral in Deutschland. Gut ein Fünftel der Inkassounternehmen stellten fest, dass Rechnungen schlechter bezahlt werden als vor einem halben Jahr, wie der Branchenverband BDIU am Donnerstag mitteilte. Ein Drittel geht davon aus, dass es bis Ende 2013 immer mehr säumige Zahler geben werde.

Trotz guter Wirtschaftslage in Deutschland ist jeder zehnte Erwachsene überschuldet. Das bedeutet, dass die Einnahmen der Personen dauerhaft nicht mehr ausreichen, um die Schulden abzubezahlen. Daher dürfte die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in diesem Jahr um rund 2000 auf 105.000 steigen. Der bisherige Höchststand war 2010 mit 108.798 Fällen erreicht worden, 2011 waren es 103.289. Das Verbraucherinsolvenzverfahren
ermöglicht, die Restschuld innerhalb von sechs Jahren loszuwerden. "Die Überschuldung der Verbraucher ist Gift für die ganze Wirtschaft", sagte BDIU-Vizepräsidentin Marion Kremer. Besonders betroffen von einer schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden oder Vertragspartner seien Handwerker, Vermieter, Versandhändler und Energieversorger.

Die Länder mit der schlechtesten Zahlungsmoral
Platz 1: BayernDen kleinsten Privatverschuldungsindex (PVI) hat ist im Bundeslandvergleich das Land Bayern. Deutschlandweit liegt der Privatverschuldungsindex für das laufende Jahr bei 1047 Punkten. Die Schufa verzeichnet unter anderem Zahlungsstörungen bei Krediten, Telekommunikations- und Handelsrechnungen, aber auch Unregelmäßigkeiten bei Leasingverträgen oder Girokonten. PVI 2014: 755 Punkte Quelle: ap
Platz 2: Baden-WürttembergAuffällig ist, dass die südlicheren Bundesländer weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen, was den Anteil der gelisteten Schuldner betrifft. PVI 2014: 768 Punkte Quelle: dpa
Platz 6: SachsenDer Anteil der Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten liegt in Sachsen deutlich unter dem Durchschnitt. PVI 2014: 991 Punkte Quelle: dpa
Platz 7: ThüringenMit 2,2 Millionen Einwohnern gehört Thüringen zu den kleineren Bundesländern. Einige Orte des Bundeslandes beanspruchen der geographische Mittelpunkt Deutschlands zu sein. Der Schuldneranteil liegt hier leicht über dem Bundesdurchschnitt. PVI 2014: 1048 Punkte Quelle: ZB
Platz 3: HessenIm Bundesland der Bankenstadt Frankfurt am Main hat es der PVI deutlich unter den Bundesdurchschnitt geschafft. Vor allem die südlicheren Regionen des Landes gehören zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands und gehören auch zu den am dichtesten besiedelten Gebieten im Bundesgebiet. PVI 2014: 927 Quelle: dpa
Platz 5: Rheinland-PfalzDie Exportquote von Rheinland-Pfalz liegt bei circa 46 Prozent, was das Land zu einem der Spitzenreiter in der Außenwirtschaft macht. Der Mittelstand bildet einen der wichtigsten Grundpfeiler der Landeswirtschaft. Auch in Rheinland-Pfalz konnte der PVI eine positive Entwicklung nehmen. PVI 2014: 967 Punkte Quelle: dpa
Platz 8: NiedersachsenDas flächenmäßig zweitgrößte Bundesland übersteigt prozentual mit seinem Schuldneranteil nur leicht den Bundesdurchschnitt. PVI 2014: 1053 Punkte Quelle: dpa

Unter Überschuldung litten auch viele Jugendliche. Junge Menschen bis 24 Jahre haben laut Verbandsumfrage ein schlechteres Zahlungsverhalten als ältere. "Gründe für die Verschuldung Jugendlicher erkennen die Inkassounternehmen in einem Elternhaus, das bereits einen schlechten Umgang mit Geld vorlebt, zu hohen Konsumausgaben, einer mangelnden Eigenverantwortung und zu wenig Kenntnissen über vertragliche Verpflichtungen." Junge Kunden verschulden sich nach Erkenntnis der Inkassofirmen vor allem bei Online-Händlern und Telekommunikationsanbietern. Ältere Verbraucher stehen zumeist bei Banken und Versandhändlern in der Kreide.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen könnte nach Ansicht der Inkassofirmen um bis zu 20 Prozent steigen, sollte es - wie von der Bundesregierung geplant - zu einer schnelleren Restschuldbefreiung kommen. "Die Hemmschwelle, Schulden zu machen, würde dadurch sinken", sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz. "Bezahlen müssten das die Gläubiger, die ohnehin durch die ausbleibenden Zahlungen ihrer Kunden geschädigt sind."

Bei den Unternehmen rechnet der Verband für 2012 mit 32.000 Insolvenzen nach 30.100 Pleiten im Jahr zuvor. Das Forderungsvolumen der Inkasso-Unternehmen belaufe sich zurzeit auf mehr als 50 Milliarden Euro, sagte Spitz.

Spitz kritisierte zudem das geplante Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken, das auch die Arbeit von Inkasso-Unternehmen regeln soll. Der vorliegende Entwurf verfehle dieses Ziel. So seien etwa die geplanten höheren Bußgelder oder eine staatliche Gebührenordnung nicht geeignet, schwarzen Schafen das Handwerk zu legen, die unberechtigte Forderungen eintrieben. Der Präsident schlug stattdessen vor, eine behördliche Inkassoaufsicht mit wirksamen Instrumenten einzurichten. Spitz warnte, ohne eine funktionierende Inkassobranche werde auf die Gerichte eine Flut von Mahnverfahren zurollen.

Mit Material von Reuters und dpa

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