Weihnachtsgeld 2025: Wann gibt es Weihnachtsgeld und wie hoch ist es durchschnittlich?
Höhe und Anspruch der Sondervergütung: Alles, was man über die Extrazahlung wissen sollte im aktuellen Überblick.
Foto: dpaAlle Jahre wieder freuen sich viele Beschäftigte auf das Weihnachtsgeld. 2024 lag die Sonderzahlung im Durchschnitt bei etwa 2987 Euro brutto. Durch die hohe Inflation in den vergangenen Jahren haben viele Arbeitgeber weiterhin mit wirtschaftlichen Einschränkungen zu kämpfen.
Laut der Gewerkschaft Verdi bekommen in diesem Jahr 51 Prozent aller Beschäftigten Weihnachtsgeld, mit Tarifvertrag sind es hingegen 77 Prozent aller Beschäftigten.
Die wichtigsten Fakten rund ums Thema Weihnachtsgeld im Überblick.
Wer hat Anspruch auf Weihnachtsgeld?
Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) betrug die durchschnittliche Höhe dieser Sonderzahlung im Jahr 2024 2987 Euro brutto. Das entsprach einer Steigerung von 6,3 Prozent oder 178 Euro im Vergleich zum Jahr 2023, in dem der Durchschnittsbetrag bei 2809 Euro lag. Allerdings variieren sowohl der Anteil der Tarifbeschäftigten, die Weihnachtsgeld erhalten, als auch die Höhe der Zahlung erheblich je nach Branche.
Für das Jahr 2025 liegen derzeit noch keine aktuellen Werte vor.
Grundsätzlich ist die Sonderzahlung nicht verpflichtend. Einen gesetzlichen Anspruch haben Mitarbeiter erst dann, wenn das Weihnachtsgeld im Arbeitsvertrag beziehungsweise Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung explizit zugesichert wird. Das gilt übrigens auch in wirtschaftlich schwachen Jahren, wie zum Beispiel zuletzt während der Corona-Krise. Besteht eine solche Vereinbarung nicht, haben Beschäftigte auch keinen Rechtsanspruch auf die Sondervergütung. Eine freiwillige Zahlung des Arbeitgebers ist allerdings zu jedem Zeitpunkt möglich.
Höhe des Weihnachtsgelds: Die Branche ist entscheidend
Wie viel Weihnachtsgeld Beschäftigte bekommen, hängt stark von der Branche ab. Laut einer aktuellen Auswertung des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung reicht die Spanne bei den mittleren Entgeltgruppen in der Endstufe von 250 Euro in der Landwirtschaft Bayern bis zu 4235 Euro in der chemischen Industrie Nordrhein. Besonders hohe Beträge fließen auch in der Energieversorgung Nordrhein-Westfalen (4113 Euro), der Süßwarenindustrie Baden-Württemberg (3900 Euro), der Textilindustrie Westfalen und Osnabrück (3751 Euro), im privaten Bankgewerbe (3719 Euro) sowie bei der Deutschen Bahn (3399 Euro).
In den meisten Tarifbereichen wird das Weihnachtsgeld als Prozentsatz des Monatsentgelts berechnet, nur wenige Branchen legen Pauschalbeträge fest. Steigen die Tarifentgelte, erhöht sich in der Regel auch die Sonderzahlung. Besonders stark wuchs das Weihnachtsgeld 2025 im Gastgewerbe Bayern (+9,6 Prozent), bei der Deutschen Bahn (+9,0 Prozent) und in der Süßwarenindustrie Baden-Württemberg (+7,6 Prozent).
Ein klassisches 13. Monatsgehalt, also eine Sonderzahlung von 100 Prozent eines Monatslohns, erhalten Beschäftigte in der chemischen Industrie, Teilen der Energiewirtschaft, der Süßwarenindustrie, bei der Deutschen Bahn, im privaten Bankgewerbe sowie in einzelnen westdeutschen Regionen der Textilindustrie und des Transport- und Verkehrsgewerbes. In der Eisen- und Stahlindustrie liegt die Sonderzahlung mit 110 Prozent sogar darüber – hier wurden Weihnachts- und Urlaubsgeld zu einer Jahressonderzahlung zusammengefasst. Auch im Öffentlichen Dienst gibt es eine einheitliche Jahressonderzahlung, die – je nach Entgeltgruppe – zwischen 52 und 85 Prozent eines Monatsgehalts beträgt.
Da Tarifverträge oft regional ausgehandelt werden, bestehen deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. In vielen Branchen liegen die Sonderzahlungen im Westen um mehrere Hundert Euro höher, im Baugewerbe teils um mehr als 1000 Euro. Eine Ausnahme bildet die Landwirtschaft, wo Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern (275 Euro) geringfügig mehr erhalten als in Bayern (250 Euro). Keine regionalen Unterschiede gibt es hingegen in bundesweit gültigen Tarifverträgen – etwa im privaten Bank- und Versicherungsgewerbe, im öffentlichen Dienst oder bei der Deutschen Bahn.
Tarifbranchen ohne Weihnachtsgeld sind inzwischen selten. Kein Anspruch besteht laut WSI lediglich im Gebäudereinigungshandwerk, in der Floristik sowie im ostdeutschen Bewachungsgewerbe. In einigen westdeutschen Regionen wird die Sonderzahlung zudem erst nach mehreren Berufsjahren gewährt.
Wann wird die freiwillige Zahlung verpflichtend für Arbeitgeber?
Die freiwillig geleistete Weihnachtsgeldzahlung wird zu einer sogenannten betrieblichen Übung, wenn die Zahlung mindestens drei Jahre in Folge ohne Vorbehalt geleistet wurde. Ist das der Fall, wird das Weihnachtsgeld zum festen Bestandteil, sodass auch zukünftig eine Pflicht der Sondervergütung für das Unternehmen besteht – selbst wenn das nicht vertraglich festgehalten wurde. Dann ist es auch nicht mehr möglich, die Zahlung einzustellen.
Gleiches gilt für den Gleichbehandlungsgrundsatz: Demnach wird das Sondergehalt nur verpflichtend, wenn ein Unternehmen einen bestimmten Personenkreis von der Zahlung ausschließt, andere jedoch damit bedenkt. Das wäre ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht und eine Diskriminierung seitens des Arbeitgebers.
Auf einen Blick: Woraus sich ein Anspruch ergeben kann:
- Arbeitsvertrag
- Tarifvertrag
- Betriebsvereinbarung
- Freiwillige Zahlung des Arbeitgebers
- Betriebliche Übung
- Aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung
Was ist eine Zahlung unter Vorbehalt?
Ausgesetzt werden diese Regeln bei der Sondervergütung unter Vorbehalt, da der Arbeitgeber ausdrücklich auf die Freiwilligkeit hinweist und zukünftige Zahlungen damit ausschließt. Aber aufgepasst: Häufig reicht hier ein Vermerk über die Sondervergütung im Arbeitsvertrag nicht aus, deshalb sollte der Vorbehalt auch noch auf der Gehaltsabrechnung des Monats mit der Weihnachtsgeldzahlung zu finden sein.
Weihnachtsgeld: Höhe und Berechnung
Wie hoch die Zahlung ausfällt, hängt von der jeweiligen Vereinbarung über das Weihnachtsgeld ab. Das bedeutet, dass die Höhe zwischen Unternehmen und tarifvertraglichen Vereinbarungen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Normalerweise werden 60 bis 80 Prozent des Monatsgehalts an den Beschäftigten ausgezahlt.
Wie viel Weihnachtsgeld wird in Deutschland insgesamt jährlich gezahlt?
Das Institut für deutsche Wirtschaft (IW) schätzt, dass pro Jahr rund 50 Milliarden Euro Weihnachtsgeld gezahlt werden. Darin sind allerdings auch Bonuszahlungen wie etwa Gewinnbeteiligungen eingerechnet. Viele Firmen ziehen solche Sonderzahlungen vor, weil sie variabler und stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpft sind, hieß es beim IW.
Wann wird das Weihnachtsgeld 2025 ausgezahlt?
Haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Weihnachtsgeldauszahlung, wird diese im Normalfall mit dem Novembergehalt überwiesen. Die Auszahlung findet also in der Regel Ende November oder Anfang Dezember statt. In selteneren Fällen ist aber auch eine spätere Auszahlung zum Jahresende möglich.
Muss Weihnachtsgeld versteuert werden?
Weihnachtsgeld ist nicht steuerfrei. Wie auch andere Sonderzahlungen unterliegt das Weihnachtsgeld der Lohnsteuer und wird unter den sonstigen Bezügen aufgelistet.
Welche Ansprüche gelten bei einer Arbeitsunfähigkeit?
Und was passiert im Krankheitsfall mit dem Weihnachtsgeld? Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) besteht auch bei einer Krankschreibung Anspruch auf die Zahlung des Weihnachtsgelds. Ist die Sondervergütung im Arbeitsvertrag festgehalten, muss der Arbeitgeber sie auszahlen.
Selbst bei einer Langzeiterkrankung macht der Gesetzgeber keine Ausnahme – man erhält das Weihnachtsgeld auch dann, wenn man das ganze Jahr über krankgeschrieben war. Eine Zahlung kann erst verweigert werden, wenn das Weihnachtsgeld einen sogenannten Entgeltcharakter hat.
Eine Vergütung mit Entgeltcharakter ist zum Beispiel eine Gegenleistung für die geleistete Arbeit. Wenn ein Beschäftigter also seit einem Jahr nicht arbeiten kann, ist der Arbeitgeber nicht mehr zur Zahlung verpflichtet, da diese im Krankheitsfall nicht stattfinden kann.
Muss das Weihnachtsgehalt nach einer Kündigung zurückgezahlt werden?
Kündigt man sein Arbeitsverhältnis, stellt sich die Frage: Besteht noch Anspruch auf das Weihnachtsgeld? In vielen Tarifverträgen finden sich sogenannte Rückzahlungsklauseln – etwa für Kündigungen, die im ersten Quartal nach der Auszahlung erfolgen. Diese regeln, in welchem Zeitraum das Weihnachtsgeld gegebenenfalls zurückgezahlt werden muss. In herkömmlichen Arbeitsverträgen gelten solche Klauseln in der Regel nicht. Nur wenn klar erkennbar ist, welchem Zweck die Zahlung dient, kann eine Rückforderung entstehen. Ein solcher Zweck kann etwa die Betriebstreue sein.
Teilzeit oder Minijob: Was gilt?
Auch Teilzeitbeschäftigte und Geringverdiener haben einen Anspruch auf Weihnachtsgeld, wenn der Arbeitgeber das zusätzliche Gehalt an andere Mitarbeitende des Unternehmens zahlt. Die Höhe des Geldes berechnet sich dabei anteilig im Verhältnis zur Vollzeitbeschäftigung. Bei der Hälfte der Arbeitszeit ist also auch die Hälfte der Zahlung fällig.
Gerade geringfügig Beschäftigte werden bei der Weihnachtsgeldzahlung häufig übergangen. Doch auch sie sollten Anspruch darauf erheben, da sie ihren Arbeitskollegen gleichgestellt sind.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im November 2021 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert.
Quelle: Statistisches Bundesamt
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