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WiWo-Top-Kanzleien Die besten Anwälte für Insolvenzrecht

Sie kommen im Pleitefall und sind am Ende ihrer Arbeit meist die Unternehmensretter: Die WirtschaftsWoche hat in einem mehrstufigen Auswahlverfahren die 25 besten Experten für Insolvenzrecht gekürt.

Karstadt-Insolvenzverwalters Quelle: dpa

"Bisher fühlen wir uns als Notfall-Mediziner", klagt Frank Kebekus. Die Patienten kämen meist zu spät, seien häufig halbtot und die Wiederbelebung scheitere allzu oft am veralteten und unberechenbaren deutschen Insolvenzrecht. Der Düsseldorfer Kebekus ist Sprecher des renommierten Gravenbrucher Kreises, des Zusammenschlusses der wichtigsten deutschen Insolvenzverwalter.

Die sind ihr Totengräber-Image leid, das sie sich in den ersten Nachkriegskrisen getreu dem Motto "sammeln, versilbern und verteilen" erarbeiteten. "Ein guter Insolvenzverwalter ist heute vor allem auch Sanierer", erklärt Rainer Maus, Insolvenzrechtler aus Wuppertal. Er fordert seit Jahren zusammen mit seinen Kollegen mehr Freiraum bei der Rettung von bedrohten Unternehmen.

Schon jetzt sind die Experten für Insolvenzrecht nicht mehr nur als Insolvenzverwalter gefragt. Kebekus machte etwa bei der Rettung der angeschlagenen Kaufhauskette Karstadt als Vertreter des Immobilienkonsortiums Highstreet im Gläubigerausschuss von sich reden.

Deutsches Recht nähert sich dem US-amerikanischen

Auf einer Gläubigerversammlung im April vergangenen Jahres schlug er vor, eine vorgesehene feste Frist für den Karstadt-Verkauf zu streichen. So gewann Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mehr Spielraum für die Sanierung. Auch Mietnachlässen und der Schließung einiger Karstadt-Filialen stimmte Kebekus für Highstreet zu. All das war enorm wichtig für den späteren Verkauf von Karstadt, bei dem sich auch Highstreet Chancen ausgerechnet hatte, letztlich aber dem Investor Nicolas Berggruen unterlag.

In diesem Jahr könnte den Insolvenzverwaltern in ihrem normalen Geschäft der Befreiungsschlag gelingen. Nach zweijährigem Stillstand kam Anfang des Jahres aus dem Justizministerium der lang erwartete Referentenentwurf zum "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG). Damit soll vor allem das sogenannte Recht der Eigenverwaltung gestärkt werden: Das Insolvenzverfahren wird eröffnet, an der Unternehmensspitze kann aber alles bleiben, wie es war. Im Klartext: Das deutsche Recht nähert sich stärker dem US-amerikanischen.

GM-Insolvenz ohne Vollbremsung

In den USA konnte beispielsweise über die Insolvenzregel Chapter 11 der Großkonzern General Motors ohne Vollbremsung saniert werden. GM ist bereits wieder an der Börse. In Deutschland war so etwas bis vor Kurzem noch undenkbar.

"Früher hatten die Gerichte immer Angst, den Bock zum Gärtner zu machen", berichtet Lucas F. Flöther, Insolvenzrechtler aus Halle. Da galten Unternehmer, deren Unternehmen wackelte, als Bösewichte und Versager, die abgestraft werden müssten. "Wenn das Vertrauen der Lieferanten, der Mitarbeiter und der Gläubiger weiter gegeben ist", so Flöther, "spricht aber nichts dagegen, das Management am Ruder zu lassen." Wobei die Oberaufsicht in diesen Fällen ein sogenannter Sachwalter ausübt.

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Gleichzeitig räumt der Gesetzgeber den Gläubigern im Gesetzentwurf künftig ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Sachwalters ein. Wo bisher ein einsamer Richter im stillen Kämmerlein entschied, stimmen heute Lieferanten, Banken und Arbeitnehmer ab. Fällt das Votum einstimmig aus und ist der Sachwalter geeignet, muss der Richter nur noch umsetzen. Ein Modell, das bei Gewerkschaften und SPD wegen der Stärkung der Mitarbeiterrechte auf verhaltenes Wohlwollen stößt, mit dem aber Puristen, die die richterliche Unabhängigkeit gefährdet sehen, sich noch nicht recht anfreunden wollen.

Zudem regelt eine feine, für die Gilde der Insolvenzverwalter eminent wichtige, Gesetzeskorrektur, dass der Verwalter künftig bereits vor der offiziellen Beauftragung den Schuldner "in allgemeiner Form über den Ablauf eines Insolvenzverfahrens und dessen Folgen" beraten sowie "unter Einbindung von Schuldnern und Gläubigern einen Insolvenzplan" erstellen kann. Damit fällt die bisher strikte Trennung von Verwaltung und Beratung: Wer vor dem Insolvenzfall mit dem betroffenen Unternehmer Kontakt gehabt hatte, galt bisher als verbrannt.

Umfangreiche Recherchen

Die Branche sieht neues Geschäftspotenzial: "Kein Unternehmer sollte ungeschützt einen Insolvenzantrag stellen", empfiehlt Georg Bernsau aus Frankfurt, "Verfahren sind nicht vorhersehbar, und mit vielen Gläubigern kann man sich oft im Vorfeld einigen." Zudem gebe es vor der Insolvenz zahlreiche juristische Fallstricke, Vorstände und Geschäftsführer könnten sich schnell strafbar machen. "Durch die neue Verfahrensweise besteht allerdings die Gefahr, dass die Banken die ihnen genehmen Verwalter durchsetzen", warnt Dirk Pfeil, Insolvenzverwalter aus Frankfurt: "Ein Insolvenzverwalter muss neutral sein und gegen diejenigen, die vorschnell vor der Insolvenz zugegriffen haben, vorgehen. Aber wer geht schon gegen seine eigenen Wähler vor?"

Die WirtschaftsWoche hat in einem aufwendigen Verfahren die besten Insolvenzrechtler ermittelt. Die Auswahl basiert auf umfangreichen Recherchen. Im ersten Schritt wurde in Datenbankrecherchen und Expertengesprächen festgestellt, welche Anwälte positiv genannt wurden und besonders auf sich aufmerksam gemacht haben. Die insgesamt über 70 Vorschläge wurden in der zweiten Runde zehn führenden Experten zur Bewertung vorgelegt. Auf der Basis dieser Experten-Empfehlungen wurden 38 Insolvenzrechtler in das Elite-Panel aufgenommen.

Für die Endbewertung beurteilten mehrere Kenner der Branche dieses Panel. In die Endrunde gelangten Kandidaten aufgrund von vier Kriterien: nachweisbare Erfolge (Gewicht 25 Prozent), langjährige Erfahrung (25 Prozent), Stärke des Teams oder der Kanzlei (25 Prozent) und Spezialisierung (25 Prozent). Die 25 Juristen, die dabei die höchsten Punktzahlen erreichten, sind in der Tabelle aufgeführt.

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