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US-Bank Goldman Sachs Gute Geschäfte, moralischer Bankrott

Die überraschend hohen Quartalsgewinne von Goldman Sachs geben der Großbank nur wenig Auftrieb, der Betrugsverdacht steht weiter im Fokus. Auch Politker in Deutschland und Großbritannien fordern Aufklärung.

Der Vorstandschef von Goldman Quelle: REUTERS

Der von der US-Bank Goldman Sachs erwirtschaftete Überschuss verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu auf 3,29 Milliarden Dollar, teile die Großbank heute vor US-Börsenbeginn mit. Wie bereits in den vorangegangenen Quartal verdiente Goldman einen Großteil davon im klassischen Wertpapiergeschäft. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Gewinn gerechnet. Der Gewinn je Aktie beläuft sich auf 5,59 Dollar je Aktie, Analysten hatten im Schnitt mit 4,01 Dollar je Aktie gerechnet. Im Vorjahresquartal hatte die einstige reine Investmentbank einen Gewinn je Aktie von 3,39 Dollar erzielt.

Vorbörslich legte die Aktie 1,6 Prozent zu. Nach Bekanntwerden der Betrugsklage der US-Börsenaufsicht SEC am Freitag war das Papier um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Die SEC wirft dem Institut vor, Investoren bei der Vermarktung verbriefter Hypothekenkredite (CDO) getäuscht zu haben. Heute wurde bekannt, dass auch die britische Finanzaufsicht FSA die Bank deswegen unter die Lupe nimmt.

Die Erträge lagen zum Jahresauftakt bei 12,8 Milliarden Dollar und damit ebenfalls über den Erwartungen. Für Vergütungen wie Bonuszahlungen legte das Institut 5,5 Milliarden Dollar zurück, nach 4,7 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Im Vorquartal hatte Goldman nach massiver Kritik an Bonuszahlungen noch darauf verzichtet, Geld für weitere Mitarbeiter-Prämien zurückzulegen. Im Investmentbanking erreichten die Erträge 1,2 Milliarden Dollar. Das waren 44 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber 28 Prozent weniger als im letzten Vierteljahr 2009. Das Institut hat in der Finanzkrise seinen Status als reine Investmentbank aufgegeben und gilt inzwischen als einflussreichstes Geldhaus an der Wall Street.

Angesichts der derzeitigen Ereignisse, die die Firma betreffen, schätzen wir die Unterstützung unserer Kunden und Aktionäre sowie den Einsatz und das Bekenntnis unserer Mitarbeiter“, sagte Goldman-Chef Lloyd Blankfein. Analyst Michael Holland von Holland&Co sagte, Goldman habe gezeigt, dass sie die Besten der Besten seien. Auch sein Kollege David Morrison bezeichnete den Quartalsgewinn als sehr gut, rechnet jedoch wie viele seiner Kollegen mit Auswirkungen der SEC-Klage: „Die Anleger würden sich gerne auf die grandiosen Zahlen konzentrieren, die Nachricht, dass die FSA eine formelle Untersuchung einleitet, nimmt jedoch einigen Glanz.“ Die Goldman-Konkurrenten JPMorgan Chase und die Bank of America hatten in der vergangenen Woche die Messlatte hoch gelegt. Auch die Zahlen der Citigroup von gestern hatten die Anleger überzeugt.

Inzwischen fordern auch deutsche Politiker Konsequenzen aus dem Betrugsverdacht gegen Goldman Sachs. Politiker der Regierungskoalition fordern einen Stopp für neue Aufträge des Bundes an die US-Bank. Zudem werden Stimmen laut, auch deutsche Institute zu durchleuchten und mögliche Betrügereien zu prüfen. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger bei Investments in riskante Papiere bewusst getäuscht haben.

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