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US-Börsenaufsicht Der harte Kampf gegen Goldman Sachs

Die Klage gegen die Investmentbank Goldman Sachs gewährt einen tiefen Einblick in fragwürdige Geschäftspraktiken der gesamten Branche, in der es vor Interessenkonflikten nur so wimmelt.

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Die Zentrale von Goldman Sachs Quelle: REUTERS

Wenn sich an den Märkten eine Blase aufgepumpt hat und sich bei zunächst nur einigen Spekulanten die Erkenntnis durchsetzt, dass das nicht mehr lange gut geht,  dann werden diese Frühmerker versuchen, noch jemanden zu finden, der ihnen das vom Preisverfall bedrohte Zeugs abkauft. Das scheint auch auf dem Markt für die so genannten Collateralized Debt Obligations (CDO) so gewesen zu sein, in denen Hypotheken und andere Kredite von den Investmentbanken zu komplexen Paketen zusammengeschnürt worden waren. In einer Klage der holländischen Rabobank gegen die Investmentbank Merrill Lynch, die ebenfalls zahlreiche dieser CDO zusammen gezimmert hatte, wird das betreffende Finanzvehikel als Müllabladeplatz für Subprime-Darlehen bezeichnet.

Die schlauen Frühmerker – das waren vor allem einige Hedge Fonds, die bereits gegen den US-Immobilienmarkt wetten wollten, als andere noch an ewig steigende Hauspreise glaubten. Die Dummen – das waren alle, die noch auf dem Höhepunkt der Blase in diese komplexen Finanzinstrumente investierten, weil sie den Triple-A-Beteuerungen der Rating-Agenturen und den Renditeaussichten in den Prospekten Glauben schenkten.

Deutsche Banken unter den Dummen

Unter den Dummen waren offenbar zahlreiche deutsche Banken, einige Landesbanken und – wie wir nun wegen der Klage gegen die Investmentbank Goldman Sachs nochmals vor Augen geführt bekommen – die Düsseldorfer IKB, die alleine mit dem fraglichen Geschäft mit dem auf den Namen Abacus getauften CDO 150 Millionen Dollar verlor.   

Ganz nüchtern betrachtet bestand die Vermittlerrolle von Investmentbanken wie Goldman Sachs bei diesen Geschäften darin, die beiden Seiten einer Wette zusammen zu bringen. Ganz zynisch betrachtet bestand die Aufgabe von Goldman Sachs jedoch darin, noch schnell einen Dummen zu finden, der sich gegen die Hedge Fonds auf die andere Seite der Wette stellt.

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    Ob sich Goldman beim Verkauf dieser CDO möglicherweise nicht korrekt verhalten hat, das wird das von der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) angestrengte Zivilverfahren erweisen. Die Investmentbank wehrt sich vehement gegen den Vorwurf des Wertpapierbetrugs. Die Fachleute an der Wall Street streiten heftig darüber, wie stark die Klägerposition der Börsenaufseher ist. Das Meinungsspektrum reicht von „nicht den Hauch einer Chance für eine Verurteilung“ bis hin zu einer „existenziellen Bedrohung für die Bank und die gesamte Branche“, für die möglicherweise die Zerschlagung oder die Zerstörung ihres Geschäftsmodells drohe.

    Hielt Goldman Informationen zurück?

    Im Kern geht es darum, ob Goldman Sachs den Käufern der CDOs – also der IKB zum Beispiel - wichtige Informationen vorenthalten hat. Musste die Bank offenbaren, dass ein Hedge Fonds, der massiv auf den Niedergang dieses Finanzvehikels namens Abacus wetten wollte, bei der Auswahl der darin enthaltenen Kredite möglicherweise eine maßgebliche Rolle gespielt hat? 

    In der Vergangenheit haben die Börsenaufseher solche Streitfälle mit den Banken üblicherweise per Vergleich geregelt. Auch Goldman Sachs konnte zahlreiche Untersuchungen und Verfahren per Vergleichszahlung  abbiegen. Etwa im Jahr 2003, als der New Yorker Staatsanwalt Eliott Spitzer und die SEC mehrere Verfahren gegen Wall-Street-Banken, darunter Goldman Sachs, nur gegen Zahlung von insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Dollar einstellten. Damals ging es darum, dass Analysten der Banken nach außen noch Kaufempfehlungen für Aktien und Neuemissionen ausgesprochen hatten, die intern bereits als Schrott und Müll bezeichnet worden waren.

    Ein harter Brocken für die SEC

    Dieses mal scheint es aber nicht auf einen Vergleich hinaus zu laufen. Sollte es tatsächlich einen Prozess gegen Goldman Sachs geben, müssen sich die dünn besetzten Reihen der Börsenaufseher allerdings auf eine monströse Materialschlacht einstellen. Ein von Goldman Sachs geheuertes Dream-Team von extrem gut bezahlten Top-Anwälten wird alle Register ziehen, um vor Gericht zu bestehen oder es mit Verfahrenstricks gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

    Einen Vorgeschmack auf den Arbeitsanfall bekamen die SEC-Leute bereits, als sie das interne Verfahren gegen Goldman im vergangenen Juli intensivierten. Mit insgesamt acht Millionen Seiten Dokumenten soll die Aufsichtsbehörde förmlich zugeschüttet worden sein.

    Es wird ein harter Brocken für die SEC. Die Behörde verfügt in diesem Jahr über ein Gesamtbudget von etwas mehr als einer Milliarde Dollar. So viel machte Goldman Sachs zuletzt locker in einem guten Monat – an Gewinn.

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