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US-Schuldenstreit Investoren goutieren Kompromiss

Die Anleger honorieren den US-Schuldenkompromiss mit steigenden Kursen. Euphorisch ging es nach dem Befreiungsschlag jedoch nicht zu. Denn an den Märkten weiß man: Die eigentliche Herausforderung steht noch an.

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Das Parkett der Deutschen Quelle: ZBSP

Amerika, du hast es besser: Während man sich in Europa von Krisengipfel zu Krisengipfel hangelt und auch nach zwei Jahren Griechenland-Malaise noch nicht genau weiß, ob man Athen mit weiteren Milliardenpaketen durchboxt oder lieber gleich ganz aus der Währungsunion rausschmeißt, schafft Washington Fakten. Die Schuldengrenze wird kurzzeitig erhöht, gleichzeitig aber auch ein massives Sparpaket aufgelegt.

Reaktionen nur moderat

Die Märkte reagierten zunächst erleichtert: Im frühen Handel fielen Schweizer Franken ( - 1 Prozent) und Yen ( - 0,4 Prozent) zum Dollar, Credit Default Swaps auf einen US-Zahlungsausfall fielen gar auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten. Gegenüber dem Euro blieb der Dollar dagegen nahezu unverändert. Deutlich zulegen konnten Aktien: Der Dow-Jones-Index legte um 0,6 Prozent auf 12.211 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,5 Prozent auf 1298 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 0,6 Prozent auf 2773 Punkte vor. Am Nachmittag belasteten hingegen die lahmen Zahlen des US-Einkaufsmanager-Index' die gute Laune am Aktienmarkt.

Doch angesichts von Schlagzeilen, die zuletzt wahlweise finster über die "Schuldenkatastrophe" sinnierten oder gar den Untergang des US-Imperiums prophezeiten, fielen die Marktreaktionen vergleichsweise moderat aus. Dass es ernsthaft zu einem Zahlungsausfall kommen könnte, davon gingen daher wohl nicht mal die Chefs der vierzehn größten Finanzinstitute aus, die in einem Brandbrief Obama zum Handeln aufforderten.

Leider keine Panik

„Ehrlich gesagt wäre etwas Panik jetzt hilfreich", verriet eine mit den Verhandlungen vertraute Person dem TV-Sender CNBC noch am Freitag. Doch die Panik wollte sich nicht einstellen. Dass das Hickhack in Washington das Vertrauen in das politische System der USA erschüttert, wie es Commerzbank-Analysten am Montag schrieben, klingt daher reichlich zugespitzt.

Alleine die Art und Weise, wie der Streit in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurde, war man zuletzt an den Märkten leid. Denn die eigentliche Herausforderung steht noch an. Den Zahlungsausfall zu verhindern sei von "höchster Bedeutung", schrieb etwa Investor Blackstone am Montag. Darüber hinaus müssten Investoren jedoch endlich klar aufgezeigt bekommen, dass es die Regierung ernst meine mit dem Schuldenabbau. Das sei essentiell um das Vertrauen in den Dollar und in langfristige Investitionen auf den US-Markt herzustellen.

Gutes Umfeld für Schuldenabbau

Das wirtschaftliche Umfeld für die Herausforderung scheint ideal: Seit Jahresbeginn ist der Dow-Jones um fast fünf Prozent gestiegen, die 500 größten börsennotierten Konzerne verdienten im letzten Jahr so viel wie nie. Und die Entwicklung könnte sich in den kommenden Monaten noch verstärken: Die US-Bluechips profitieren vom schwachen Dollar, der die Exportquoten in die Höhe treibt. Allein im letzten Jahr hat der Dollar gegenüber dem Euro um 17 Prozent nachgegeben.

Wenig Sorgen um US-Wirtschaft

Anders als auf dem alten Kontinent, braucht man sich daher um die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft wenig Sorgen zu machen. Gut möglich also, dass sich Investoren und Anleger nach dem reinigenden Showdown der letzten Tage wieder schnell auf die Perlen der US-Wirtschaft stürzen werden. Auf der anderen Seite des Teiches wird man sich derweil noch für lange Zeit an Griechenland und den anderen Schulden-Epigonen abarbeiten müssen.

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