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Vermögensverwalter Felix Zulauf "Zerfall der gesamten Finanzarchitektur"

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Was sind die Alternativen zur Fiskalunion?

Es gibt zwei Varianten. Entweder die Europäische Zentralbank (EZB) sammelt all diese Ramschpapiere ein, druckt also Geld so wie es die Amerikaner und Briten tun. Dann stürzte der Euro massiv ab gegenüber anderen Währungen. Der Euro wäre eine strukturelle Schwachwährung mit deutlich steigenden Zinsen und Inflationsraten, sowie fortgesetzter Misswirtschaft auf lange Sicht. Aber auch das wird langfristig nicht gut gehen.

Und die zweite Variante wäre?

Dass die Eurozone zerbricht, also einzelne Länder treten aus. Die einen, weil sie die Lasten nicht tragen wollen, also Deutschland. Die anderen, weil sie die furchtbaren Schmerzen der Sparpolitik nicht mehr ertragen können.

Wer geht zuerst, wir oder die Griechen?

Der Austritt Deutschlands ist politisch nicht gewollt. Wahrscheinlicher ist der Austritt Griechenlands. Aber es wird nicht bei Griechenland bleiben, andere Staaten werden folgen.

Woher soll das Geld für den Rettungsfonds eigentlich kommen, wenn es gebraucht wird? Das Geld ist überhaupt nicht da, nicht einmal budgetiert?

Richtig. Das sind bisher nur abgegebene Garantien. Bisher hat es die einzelnen Regierungen sehr wenig gekostet. Doch sobald sich Griechenland für zahlungsunfähig erklärt – was ohne jeden Zweifel passieren wird –, dann wird die Deutsche Bundesbank ziemlich rasch 100 bis 150 Milliarden Euro Verlust haben. Dann muss das Eigenkapital ersetzt werden. Das zahlt dann auch der Steuerzahler. Die EZB mit einem Eigenkapital von zehn Milliarden Euro und Reserven von gut 70 Milliarden wäre auch pleite und müsste rekapitalisiert werden. Das gesamte System ist bankrott.

Gilt das nur für die Eurozone?

Nein, das ist ein grundsätzliches Problem in den Volkswirtschaften der Industrieländer, von Amerika, über Europa, bis nach Japan. Wir haben zu viel Schulden angehäuft und über unsere Verhältnisse gelebt. Jetzt kommen wir mit dem Schuldenberg nicht mehr klar. In Europa wird das Problem verschärft, weil sich die EZB nach wie vor an der Philosophie der Bundesbank orientiert und sagt: Wir wollen stabiles Geld und werden nicht um jeden Preis Geld drucken. Die Amerikaner und Engländer sagen dagegen: Ach was, wir wollen, dass die Wirtschaft über die Runden kommt. Was mit der Währung passiert, ist uns egal. Wir drucken einfach Geld.

Ist die Stabilitätsphilosophie tatsächlich noch verankert in der EZB?

Ja, anders lässt sich die jüngste Zinsanhebung nicht erklären. Die EZB fordert ja auch, den Stabilitätsfonds auf 1500 Milliarden Euro zu verdoppeln. Die EZB will, dass die Regierungen das Problem lösen und nicht die Notenbank. Damit hat sie auch recht.

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