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Vermögensverwaltung "Eher eine Goldpreisblase"

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Und: Wo?

Es geht um gesellschaftspolitische Verteilungskämpfe. Eine Gesellschaft muss entscheiden, wem sie was wegnehmen will. Man kann Pensionsansprüche kürzen, dem Gläubiger seinen Rückzahlungsanspruch, den gesetzlich Krankenversicherten den Leistungsanspruch. Oder wir verteilen das bestehende Vermögen um. Die Frage ist dann: Wer hat was und wem kann ich genügend wegnehmen, damit ich meine Verbindlichkeiten einhalte? Die letzte Lösung ist die Scheinerfüllung. Der Staat begleicht seine Schuld, nur real ist die Leistung weniger wert. Inflation also. Historisch ist das nichts Neues. Die Römer reduzierten zum Beispiel einfach den Goldgehalt ihrer Münzen.

Womit rechnen Sie in den kommenden Jahren genau?

Langfristig mit einer Kombination von allem.

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    Wem wird man was wegnehmen?

    Allen. Aber unsere aufgebauten Probleme sind unter Schmerzen lösbar. Die Schmerzen heißen Verzicht, Einschränkung und Reduktion in Teilen des Lebensstandards. Wir werden nicht weiterhin über unsere Verhältnisse leben können. Und fangen damit besser heute als morgen an, weil der Schmerz morgen noch größer ist.

    Sichern Sie das Vermögen ihren Kunden jetzt mit Gold ab?

    Auf einer strategischen Ebene verstehe ich, dass jemand jetzt noch Gold kaufen möchte. Auf der taktischen Ebene tue ich mich mit dem Goldpreis schwer. Der Preis ist nicht zu greifen. Wie ist denn die faire Bewertung von Gold? Gold zahlt keine Dividende. Gold macht in sich keinen Gewinn. Das hält uns im Private Banking davon ab, dort taktisch zu investieren. Bei einem Zusammenbruch des Bankensystems wäre es aber ein probates Mittel. Diese Prognose habe ich aber nicht. Ich sehe eher eine Goldpreisblase.

    Zurück zur Verschuldung: Viele Länder in Asien liegen weit unter der 60-Prozent-Quote der Maastrichtkriterien. Investieren Sie in Asien?

    Diese Länder haben zwar ein hohes Wachstumspotential, weil sie einen hohen Nachholbedarf haben. Die Emerging Markets sind unserer Meinung nach aber in Teilen bereits sehr hoch bewertet. Deshalb sind unsere direkten Aktieninvestments dort relativ gering. Doch wir prüfen genau, welche einheimischen Firmen vom Wachstum in den Emerging Markets profitieren. Dabei sind unter anderem BASF, Daimler, Siemens oder ABB. Diese bieten Infrastruktur, Energie und hochwertige Konsumgüter an, alles Themen, die in diesen Ländern stark nachgefragt sind. Unsere einheimischen Firmen bieten den Vorteil, in einem geordneten Rechtsrahmen zu agieren und werden an einer regulierten Börse gehandelt. Deutsche Werte sind damit auch viel liquider.

    Welche Branchen sind besonders interessant in Hinblick auf die Wachstumsmärkte?

    Infrastruktur, aber auch Luxus- und Konsumgüter. Diese Investitionsentscheidungen kann auch der Privatanleger treffen und überlegen, wer Kraftwerke baut, Stromleitungen legt, Systeme zur Energie- und Wasserversorgung anbietet. Wenn Megastädte entstehen mit 10 bis 20 Millionen Einwohnern, müssen die Menschen transportiert werden, sie brauchen Straßen, Abwasser, Strom, Wasser. Das sind alles Themen, bei denen Firmen in Deutschland viel zu bieten haben.

    Wie investieren Sie privat?

    Ich kaufe privat nur Aktien und zwar ausschließlich in Fonds, weil ich keinerlei Diskussion über Insiderhandel haben möchte.

    Welche Branchen?

    Breit gestreute Fonds.

    Bleiben Sie da im Euro?

    Mein Schwerpunkt liegt im Euro, aber ich mische global bei. Die Frage der Stabilität des Euros ist im Übrigen auch eine politische Entscheidung, nicht nur eine ökonomische. Das heutige Niveau des Euros ist fair. Der Euro war fehlbewertet, als er bei 1,60 zum Dollar stand.

    Das heißt Sie vertrauen auf die Zukunft von Euroland?

    Ja. Gerade im industriellen Sektor ist Euroland hervorragend für den globalen Wettbewerb aufgestellt. Wir produzieren die Dinge, die die Welt braucht.

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