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Versicherungen US-Regierung zerlegt AIG nach Rekordverlust

Welch ein unrühmlicher Rekord: AIG hat im vierten Quartal einen Verlust von 61,7 Milliarden Dollar verbucht - mehr als je ein Unternehmen zuvor in drei Monaten. Deshalb braucht der einst weltgrößte Versicherer nun zusätzlich 30 Milliarden Dollar vom Staat. Doch das Drama dürfte auch mit dieser dritten Stützungsaktion nicht beendet sein.

Zum Wegschauen sind die Zahlen von AIG wahrlich. So sieht es wohl auch Carlos Tevez von Manchester United. Quelle: handelsblatt.com

NEW YORK. Die Sanierung und Zerlegung des angeschlagene US-Versicherungsriesen AIG wird endgültig eine Staatsangelegenheit. AIG hat einen Rekordverlust von fast 100 Mrd. Dollar für 2008 vorgelegt und erhält daher nochmals 30 Mrd. Dollar Staatshilfe. Weil AIG ein Risiko für das Finanzsystem und die fragilen Märkte darstelle, habe man im Interesse der Gesamtwirtschaft handeln müssen, begründete das US-Finanzministerium die Rettung.

Die Genesung von AIG werde Zeit brauchen und eventuell weitere Hilfen nötig machen, hieß es weiter. Der Staat erhält nun die Kontrolle über zwei AIG-Lebensversicherungstöchter, die so "zügig wie möglich" weiterverkauft oder an die Börse gebracht werden sollen.

AIG hatte sich am Markt für Immobiliendarlehen und mit Kreditausfallderivaten verspekuliert und musste erstmals im September 2008 von der Regierung vor dem Kollaps gerettet werden. Die neue Stabilisierungsmaßnahme ist eine Abkehr von der bisherigen Regierungslinie. Bislang hatte man von AIG für die Kapitalspritzen hohe Zinsen verlangt, um den Konzern zu einer schnellen Restrukturierung und den Verkauf von Unternehmensteilen zu zwingen.

Weil dies nicht funktionierte, wurden nun die Kreditbedingung deutlich gelockert. Zudem ersetzt die neue Kapitalspritze Teile der alten Hilfen. Insgesamt stiegen die bislang gezahlten direkten Subventionen für AIG um 12,5 Mrd. Dollar auf 162,5 Mrd. Dollar. Ein weiterer Anstieg der Rechnung für den Steuerzahler ist nicht ausgeschlossen. "Wir benötigen derzeit keine weiteren Mittel", sagte AIG-Chef Ed Liddy. "Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt".

AIG versucht seit September 2008 erfolglos neues Kapital zu beschaffen, etwa durch den Verkauf der nun beim Staat geparkten Lebensversicherungstöchter AIA und Alica Dies gelange bislang nicht, weil die potenziellen Käufer - um die Probleme AIGs wissend - auf weiter fallende Preise pokerten. "Wir brauchen die Einheiten nun nicht mehr zu Schlussverkaufspreisen abzugeben", sagte Liddy. Finanzkreisen zufolge interessierten sich bislang Konkurrenten wie MetLife, die französische Axa Gruppe, die britische Prudential und asiatische Staatsfonds für Anteile an den allgemein als attraktiv eingeschätzten Gesellschaften. Am Freitag liefen Fristen für Gebote aus, ohne das bislang eine Transaktion zustande kam. Mit dem Staat als Zwischeneigner ist AIG jetzt in einer weitaus besseren Verhandlungsposition.

Liddy erklärte, es gebe auch für weitere Töchter, wie zum Beispiel für den Flugzeugfinanzierer ILFC, ernsthafte Interessenten. Weitere Sparten könnten im Laufe der nächsten acht bis zwölf Monate an die Börse gebracht werden. AIG werde in vier bis fünf Jahren deutlich kleiner sein als heute. Aber wie der Konzern genau aufgestellt sein werde, lasse sich derzeit wegen der Kapitalmarktturbulenzen kaum abschätzen.

Die Ratingagenturen bestätigten nach der neuerlichen Staatshilfe unisono ihre Einstufungen für AIG als Konzern. "Die Besitzer von Policen und erstrangiger Anleihen profitieren von den heute getroffenen Restrukturierungsmaßnahmen", erklärte Bruce Ballentine, Kredit-Analyst bei Moody's. Skeptisch äußerten sich die Ratingagenturen aber zu weniger stark besicherten Anleiheformen und sogenanntenHybridpapieren. So stufte Fitch diese deutlich herab. "Die Möglichkeit, dass Zahlungen aus diesen Papieren in der Zukunft aus politischen Gründen oder zur Rückzahlung der Staatshilfen verschoben werden, ist deutlich gestiegen", begründete die Agentur den Schritt. Hintergrund dürfte sein, dass die Besitzer nachrangiger Papiere bei der jüngsten Staatsrettung der Citibank deutliche Wertverluste ihrer Anlagen hatten hinnehmen müssen.

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