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Vor dem G20-Gipfel Warmlaufen der Boni-Begrenzer

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Die Finanzminister der Quelle: REUTERS

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist nicht gerade für Zögerlichkeit bekannt und wäre bei der Finanzmarktregulierung beinahe über das Ziel hinausgeschossen.

Er hatte vorgeschlagen, Banken, die gegen die staatlichen Vorgaben verstoßen, von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. Das wäre in Berlin kaum durchsetzbar und womöglich juristisch anfechtbar. Zudem hat Sarkozy den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Michel Camdessus damit beauftragt, die 100 bestbezahlten Bankangestellten zu überwachen, deren Arbeitgeber staatliche Unterstützung erhalten. Für diese Idee und seinen „Boni-Zar“ Camdessus fand Sarkozy jedoch keine Anhänger in Berlin.

Mit übrigen Vorstellungen der Koalitionsregierung von Kanzlerin Angela Merkel stimmt er weitgehend überein – auch er ist grundsätzlich für Malus-Regelungen, wenn die Unternehmen Verluste machen. Zuvor beklagte Sarkozy, hätten Bankmanager und Wertpapierhändler teilweise zusätzlich zu ihrem Jahresgehalt den zehnfachen Betrag als Bonus kassiert – trotz schlechter Geschäftszahlen.

Auch Sarkozy will Bonuszahlungen erst nach mehrjährigen Erfolgen auszahlen. Noch gibt es dazu in Frankreich aber keine gesetzliche Regelung.

Großbritannien bremst

Der britische Premier Gordon Brown hält starre Obergrenzen für Managergehälter für nicht durchsetzbar und deshalb unrealistisch.

Natürlich ist der Finanzplatz London für die britische Regierung enorm wichtig. Dennoch lenkte Finanzminister Alistair Darling ein: Er kündigte ein Gesetz zur Begrenzung der Prämienzahlungen an, allerdings vorrangig über höhere Steuern. Eine Einflussnahme wird vor allem bei den staatlich gestützten Banken erwartet, ob sie sich weiter erstreckt ist noch unklar.

Die britische Finanzmarktaufsicht FSA hat inzwischen einen Bonus-Kodex vorgeschlagen, nach dem zwei Drittel der Bonuszahlungen verteilt über drei Jahre ausgeschüttet werden. Die Regel soll jedoch erst ab 2010 greifen und ist nur für die 26 größten Finanzdienstleister gedacht.

Amerikaner wollen weniger Eingriffe und mehr Kontrolle

Die Amerikaner haben sich hingegen lange zögerlich verhalten und staatliche Eingriffe in die freie Wirtschaft gescheut. Lediglich Beschränkungen für staatlich gestützte Unternehmen wie den Versicherungskonzern AIG oder die Bank of America werden erwartet. Bei den Managergehältern scheuen die USA bislang Maßnahmen zur Begrenzung von Gehältern und Bonuszahlungen. 

Manager-Boni sollen weiter dem Markt überlassen bleiben. Starre Grenzen soll es nicht geben.

Aber dabei wird es wohl nicht bleiben, denn in seiner gestrigen Rede betonte US-Präsident Barack Obama seinen Willen, die Finanzmärkte stärker zu Regulieren, sogar von einem Regulierungsnetz ist die Rede.

Auch die Kontrolle des Finanzmarktes und der Finanzprodukte für Anleger soll deutlich gestärkt werden. Konkret wird es jedoch erst zum Jahresende, wenn unterschriftsreife Gesetzesvorschläge auf dem Tisch liegen.

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