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Interview Axel Kleinlein "Für viele steht die Altersvorsorge auf der Kippe"

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"Riester lohnt sich nur in Einzelfällen"


Die Riester-Irrtümer
Finanzamtschild Quelle: dpa
Stift auf einer Steuererklärung Quelle: dpa
Ein Sparstrumpf Quelle: dpa
Mann zeigt das Innere seiner Hosentaschen Quelle: dpa
Eltern spielen mit ihrem Sohn Quelle: dpa
Vater und Sohn sitzen an einem Fluss Quelle: dpa
Besucher beim Kongress Altervorsorge 2011 Quelle: dpa

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Riesterrente?

Kleinlein: Wir haben uns im letzten Jahr die Mühe gemacht, zum 10-jährigen Jubiläum der Riesterrente Bilanz zu ziehen. Das Fazit: Vieles davon, was anfänglich angedacht wurde, ist kaputtgerechnet worden. Für die aktuellen Niedrigzinsen, die zu schlechteren Produkten führen, kann die Versicherungsbranche sicherlich nichts. Aber die neuen Sterbetafeln machen die Produkte durchgängig unrentabel. Nur noch sehr wenig Angebote sind überhaupt noch sinnvoll, auch aufgrund der hohen Lebenserwartungen, die durch die Sterbetafel angesetzt werden. In diesem Fall hat die Branche mitgewirkt, dass die Produkte schlechter werden. Zudem finden sich verstärkt intransparente neuartige Produkte wie sogenannte Variable Annuities oder Dynamische Dreitopfhybride. Wir haben mittlerweile eine ganz Reihe davon - kein Mensch kann sie verstehen, noch nicht einmal der Vermittler.

 

Trägt nicht auch die Politik eine Mitschuld?

Kleinlein: Doch. Der von der Politik eingeführte Unisextarif bei Riester hat zu einer Verteuerung geführt. Zudem sind die Transparenzanforderungen lascher geworden.

 

Kann man seine Riesterrente überhaupt kündigen?

Kleinlein: Kann man. Allerdings muss man dann nicht nur alle Zulagen, sondern auch alle steuerlichen Vergünstigungen  zurückzahlen. Bei der Riesterrente ist es daher durchaus sinnvoll, diese beitragsfrei zu stellen statt den Vertrag zu kündigen. Damit steht bei Rentenbeginn zumindest das bislang Eingezahlte als Summe zur Verfügung.

Lohnt sich Riestern grundsätzlich für niemanden mehr?

Kleinlein: Für Einzelfälle mag das denkbar sein, aber ich kann keine Gruppe identifizieren, der ich pauschal zur Riesterrente raten würde.

Vorsorge



Was ist mit der Rürup-Rente für Selbständige?

Kleinlein: Da ist es noch schlimmer. Die Rürup-Rente kann man noch nicht einmal kündigen, sondern nur beitragsfrei stellen. Bei jedem Cent, den man einzahlt, dauert es Jahrzehnte, bis der zurückkommt.

 

Von Lebensversicherungen raten Sie ebenso ab wie von Riester und Rürup – bietet die Versicherungsbranche Ihrer Ansicht nach überhaupt noch irgendein Produkt, das zur Altersvorsorge taugt?

Kleinlein: Wir sehen momentan nur ganz wenige vernünftige Angebote und die passen auch nur zu sehr wenigen Verbrauchern.

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