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Alternative Geldanlage Oldtimer für die rollende Rendite

Oldtimer und jüngere Liebhaber-Autos sind keine Garanten für Wertsprünge – aber für Fahrspaß allemal. Gesuchte Liebhaberfahrzeuge sind zudem ein guter Schutz vor Inflation und meist wertsteigernd.

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Mehrere Citroen 2CV auf einer Quelle: dpa

Los Nummer 708 wirkt so fehl am Platz wie ein Mann mit Ärmelschonern in der ersten Reihe einer Modenschau von Chanel: Kastenform, schwarze Plastik-Stoßfänger, Kombi mit Vier-Zylinder-Motor – das US-Auktionshaus Bonhams versteigert den Honda Civic CVCC Wagon von 1979 zusammen mit einem Bentley Cabrio Corniche von 1987 und einem 1969er-Ferrari 365. Während für den Ferrari ein Schätzpreis von 80.000 bis 100.000 Dollar angesetzt wurde, gibt sich der Honda bescheiden: Auf 15.000 bis 20.000 Dollar wird er taxiert. Eine Summe, die sich nicht nur Millionäre leisten können.

Kult statt edel

Grafik: Wertentwicklung von Youngtimern seit der Euro-Einführung

Zu den Oldtimern, die seit Jahrzehnten eine zahlungskräftige Klientel anziehen, gesellen sich bei Versteigerungen immer mehr Youngtimer. Das sind Liebhaberautos, die noch nicht jene 30 Jahre auf dem Buckel haben, die ein Oldtimer in Deutschland haben muss, bevor er auf dem Kennzeichen hinter den Ziffern das H für historisch tragen darf, das sowohl eine niedrige Steuer als auch günstige Versicherungsprämien mit sich bringt. Dieser Markt ist in den vergangenen Jahren in Schwung gekommen. Fachleute diskutieren deshalb heute nicht länger nur den Reiz eines Ferrari 365 oder Mercedes-Flügeltürers, sondern auch den Kultfaktor eines schnöden Mercedes 200 aus den Siebzigerjahren mit der Typenbezeichnung W123.

Allerweltswerte

Röhrende Auspuffklänge sind die Begleitmusik zu den Jubelarien über hohe Renditen, die angeblich beim Handel mit alten Fahrzeugen zu erreichen sind. Als rollende Geldanlage in Zeiten der Finanzkrise und mickriger Zinsen wird Interessenten eine Palette von Allerweltsautos mit Wertsteigerungspotenzial empfohlen – ein 2CV ebenso wie der Renault 4, ein Ford Granada oder ein Porsche 944. Mehrere Indizes versuchen, den Markt abzubilden, so der Deutsche Oldtimer Index DOX, ein Schwacke-Index, der OTX der Südwestbank oder der HAGI-Index, den der ehemalige Banker Dietrich Hatlapa aus Auktionsergebnissen ermittelt. In einem sind sich alle einig: Die Preise für alte Autos sind gestiegen, den Dax wollen alle Indizes geschlagen haben. Kunststück.

Honda Civic (Modell 1975) Quelle: Honda

„In manchen Bereichen ist das sicher eine Blase“, sagt Oliver Schmidt, Betreiber des Hamburger Automuseums Prototyp. Einige Modelle hätten, wie der Porsche 917 von 1969, innerhalb der vergangenen zwei Jahre ihren Wert verdoppelt. „Da werden mir Preise zugeraunt, da schnappe ich nach Luft.“ Zwischen sechs und sieben Millionen Euro sollte eines dieser raren Exemplare inzwischen kosten.

Detlef Kupfer aus Bad Homburg schnappt nicht nach Luft, sondern schüttelt den Kopf. Der Ingenieur betrachtet die Szene für seine Internet-Seite Motorbloeckchen kritisch. Wie viel Geld genau zwischen Käufer und Verkäufer fließe, ließe sich nicht überprüfen, folglich basierten die Beobachtungen über rapide Preissteigerungen stets auch auf Annahmen. Der Buchautor Halwart Schrader sieht auch Auktionen nur bedingt als aussagekräftig an. Mittelsmänner könnten Preise hochtreiben, manchmal gäben Auktionatoren dem Käufer Geld wieder zurück: „Es wird weniger ausgegeben, als man denkt.“

Wertsteigerung vs. Unterhalt

Getrübt wird der Traum von der Geldanlage mit sicherer Wertsteigerung durch die Unterhaltskosten. Ein Youngtimer muss bewegt werden, sonst verliert er eher an Wert. Rund 20 Prozent des Investments sollten Interessenten als Nebenkosten kalkulieren, meint Schrader. Wichtig für die Auswahl des Modells: Der Wagen sollte Spaß machen, findet Frank Wilke, Analyst beim Dienstleister Classic-Car-Tax, aber dennoch sollte die Karre nicht nur cool, sondern auch noch zu reparieren sein. „Bei bestimmten Modellen wie einem Audi V8 aus den Achtzigerjahren wird es schon schwierig, Original-Ersatzteile zu bekommen.“ Andere kultverdächtige Fahrzeuge wie ein Opel Kadett sind nie auf Langlebigkeit ausgelegt worden. Vergleichsweise sicher sind Mercedes, BMW, VW und Porsche, die früh erkannten, dass ihre Fahrzeuge eine lange Zukunft haben können und mit Oldtimer-Centern ihre Kundschaft pflegen.

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