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Altersvorsorge Die beste Rente: Private Altersvorsorge im Test

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Ohne Sparen reicht's nicht (zur Vollansicht bitte auf die Tabelle klicken)

Einige Berater haben davon nichts gehört. Testerin Anna Hofmann* etwa musste ihre Kundenbetreuerin von KarstadtQuelle selbst auf Riester ansprechen. Die war damit überfordert. Sie fragte einen Kollegen, ob er sich auskenne. „Nö“, war die lapidare Antwort. Doch dann kam die Chefin vorbei. „Kennst du dich mit Riester aus?“, rief die Beraterin ihr zu. „Nein“, entgegnete diese. Hofmann konnte alles mithören. 

Dabei ist Riester nicht kompliziert: Neben staatlichen Zulagen – pro Person bis zu 154 Euro pro Jahr – können Sparer während ihres Erwerbslebens noch Steuererstattungen erhalten. Den kompletten Sparbeitrag, maximal aber 2100 Euro, dürfen sie von der Steuer absetzen. Familien erhalten weitere Förderung: Ein Elternteil bekommt pro Kind neben der eigenen Zulage einen weiteren Zuschuss von 185 Euro im Jahr, für seit 2008 geborene Babys sogar 300 Euro. Vom Steuerbonus werden alle staatlichen Zulagen abgezogen. Ein Nachteil des Modells: Die späteren Rentenzahlungen müssen voll versteuert werden.

Mehr Risiko bringt mehr Renditechancen

Die höchsten Renditechancen bei akzeptablen Gebühren bieten Riester-Fondssparpläne, bei denen das gesparte Geld in verschiedene Fonds mit Aktien und Anleihen fließt. Da solche Fonds riskanter sind als andere Riester-Modelle, eignen sie sich nur für Sparer, denen bis zum Ruhestand noch Zeit bleibt. In den vergangenen Jahren blieben die erhofften Renditen außerdem oft aus, viele Fonds mit hohem Aktienanteil, in die Geld aus Riester-Fondssparplänen fließt, schafften es über fünf Jahre nicht ins Plus. „Der Kunde muss mit seinem Produkt auch gut schlafen können“, sagt der Bielefelder Finanzplaner Peter Edinger. Der Berater müsse dem Kunden Risiken mit drastischen Schilderungen vorab bewusst machen, empfiehlt Bankenwissenschaftler Oehler. Doch davor scheuen viele zurück. Nicht mal bei jedem zweiten Testkunden erfassten sie ein detailliertes Risikoprofil. „Je transparenter Berater erklären, desto mehr fragt der Kunde nach und desto nerviger wird er für den Berater“, erklärt Oehler.

Voll im Risiko sind Riester-Fondssparer aber nicht. Gesetzlich vorgeschrieben ist bei allen Riester-Modellen, dass die kompletten Sparbeiträge, also eigene Einzahlungen und staatliche Zulagen, zum Rentenbeginn erhalten bleiben müssen. Ein begrenzter Schutz: Bei einer Spardauer von 30 Jahren und einer jährlichen Inflation von zwei Prozent bliebe der Riester-Sparer im schlimmsten Fall auf einem realen Wertverlust von rund einem Viertel sitzen.

Liebling der Berater: Rentenversicherungen

Riester-Rentenversicherungen garantieren neben dem Kapitalerhalt auch die Mindestverzinsung von derzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil. Bei fondsbasierten Verträgen entfällt der garantierte Mindestzins, hier greift nur der Kapitalerhalt. Doch ob fondsbasiert oder klassisch, von Riester-Rentenversicherungen raten Experten ab. „Oft zehren Gebühren und Provisionen die Zulagen komplett auf“, sagt Verbraucherberater Nauhauser. Und Versicherte, die ihren Vertrag vorzeitig kündigen, müssen die staatliche Förderung zurückzahlen und dazu noch hohe Stornogebühren schultern.

Wer es auf möglichst viel Sicherheit abgesehen hat, sollte auf Riester-Banksparpläne ausweichen. Sie garantieren ebenfalls eine Verzinsung des Sparguthabens – und das noch so gut wie ohne Gebühren. Vermutlich ist dies der Grund dafür, dass keiner der Berater im Test auf ein solches Produkt hingewiesen hat: Wo keine Gebühren anfallen, fließen auch keine hohen Provisionen. Fündig werden Interessenten daher nur bei einzelnen regionalen Sparkassen und Volksbanken. Die meisten von ihnen jedoch bieten die Verträge auch bundesweit an. Pluspunkt der Banksparpläne: Sparer kommen leichter an ihr Geld als bei anderen Riester-Anlagen. Exakt kalkulierbar ist die Endsumme nicht, da Riester-Banksparpläne variabel verzinst sind. Den Kick geben bei einigen Verträgen Prämien auf die Erträge.

Rentenversicherungen sind generell das liebste Kind der Berater, nicht nur in der Riester-Version. Neun von zehn Angeboten entfielen auf diese Policen. Doch Experten teilen diese Empfehlung nicht. „Wir raten vor allem jungen Leuten von einer privaten Rentenversicherung ab“, sagt etwa der Vorstand des Bundes der Versicherten, Thorsten Rudnik. Sie sei unflexibel, zu teuer und schwer durchschaubar.

* Name von der Redaktion geändert

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