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Altersvorsorge Die beste Rürup-Rente

Rürup-Rente: die besten Tarife mit und ohne Garantie. Quelle: imago images

Die Rürup-Rente wurde ursprünglich als Altersvorsorge für Selbstständige konzipiert. Doch auch Besserverdienende profitieren von ihr als Steuersparmodell. Gemeinsam mit dem Analysehaus Morgen & Morgen kürt die WirtschaftsWoche die besten Tarife mit und ohne Garantie.

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Die Altersvorsorge ist ein leidiges Thema. Die gesetzliche Rente reicht schon jetzt kaum mehr, um den Lebensstandard im Alter zu halten, und es wird nicht besser. Und Selbstständige müssen sich sowieso komplett selbst um ihre Vorsorge kümmern. Eine Möglichkeit ist die Rürup-Rente – auch Basis-Rente genannt –, die 2005 als staatliche geförderte Altersvorsorge für Selbstständige eingeführt wurde. Sie ist aber auch für Besserverdienende interessant, und zwar als Steuersparmodell.

Grundsätzlich kann jeder eine staatlich geförderte Basis-Rente abschließen. „Im Grunde eignet sich die Rürup-Rente für Personen mit hohen beziehungsweise überdurchschnittlich hohen zu versteuernden Einkommen“, sagt Lisa Hassenzahl, Vermögensverwalterin und Gründerin von HerFamilyOffice. „Das gilt sicherlich für viele, aber bei Weitem nicht für alle Selbstständigen.“ Es sei aber natürlich wichtig, dass Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, privat vorsorgen, aber die Rürup-Rente sei nicht zwingend die beste Wahl. Sie kann es aber sein.

Der größte Vorteil der Rürup-Rente liegt darin, dass die eingezahlten Beiträge von der Steuer abgesetzt werden können und so das zu versteuernde Einkommen mindern. „Wer in großem Maße Steuern zahlt, kann hier besonders profitieren“, sagt Hassenzahl. Personen mit geringen Einkommen zahlen verhältnismäßig weniger Steuern und die Ersparnis ist im Verhältnis zu den Einschränkungen, die die Rürup-Rente mit sich bringt, unattraktiv. Im Jahr 2021 liegt der Höchstbetrag, den Sparer bei der Steuer geltend machen können, bei 25.787 Euro. In diesem Jahr sind immerhin schon 92 Prozent des Beitrags steuerlich absetzbar, bis 2025 dann in jährlichen Zwei-Prozent-Schritten 100 Prozent erreicht sind. Sparer können also für das laufende Jahr maximal 23.724 Euro absetzen. „In diesen Betrag fließen auch die Beiträge in die Gesetzliche Rente oder das berufsständische Versorgungswerk ein“, sagt Hassenzahl. Wer 10.000 Euro im Jahr in eine Police einzahlt, bekommt bei einem hohen persönlichen Steuersatz also etwa 4.000 Euro vom Fiskus zurück.

Anders sieht es aus, wenn die Rente später fließt. „Die Altersrente ist nachgelagert, also in der Auszahlungsphase, zu versteuern; ab 2040 zu 100 Prozent“, erklärt Andreas Limoser, Rürup-Experte des VZ VermögensZentrums. „Zu diesem Zeitpunkt ist der individuelle Steuersatz der meisten Menschen aber deutlich niedriger als während der Erwerbsphase.“ Ein zusätzlicher Steuervorteil besteht darin, dass die Kapitalerträge während der Beitragsphase steuerfrei sind. Deshalb empfiehlt der VZ-Experte eine hohe Aktienquote.

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    Auch wenn der Steuervorteil verlockend ist: Die Rürup-Rente ist vor allem eine Altersvorsorge, und zwar eine Leibrente, die lebenslang gezahlt wird. Auch wenn die Steuerersparnis die Rendite natürlich unterm Strich erhöht. Die Basis-Rente gibt es im Gegensatz zur Riester-Rente mit und ohne Garantie auf die eingezahlten Beiträge, als konventionelle Rentenversicherung, fondsgebundene Rentenversicherung oder in der Ansparphase auch als Fondssparplan ohne Garantie auf die eingezahlten Beiträge.



    Doch wie finden Verbraucher die besten Tarife? Das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) und die WirtschaftsWoche zeichnen die besten Versicherungen für zwei Musterfälle aus. Ein 50-Jähriger wählt einen Vertrag mit einem monatlichen Beitrag von 750 Euro für eine Laufzeit von zwölf Jahren. Ein 37-Jähriger bindet sich bei einem monatlichen Beitrag von 250 Euro für 30 Jahre. Beide Musterfälle rechneten die Experten von M&M jeweils mit und ohne Beitragsgarantie. Dabei analysierten sie auch, wie sich die Verträge in besonders schwachen und besonders starken Kapitalmarktphasen entwickeln würden. Denn wer aktuell für das Alter mit einer Basis-Rente vorsorgen möchte, sollte sich vor allem mit der Frage der Beitragsgarantie auseinandersetzen. „Tarife mit Garantie sichern einen Verlust des eingezahlten Kapitals zu weiten Teilen ab, diese Sicherheit erkauft man sich aber natürlich mit einem geringen Renditepotenzial“, gibt Benjamin Kitschun, Versicherungsexperte von M&M, zu bedenken.

    Ausgezeichnet wurden die Verträge mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Punkte gab es sowohl für die Anspar- als auch für die Rentenphase. Im Fall des 37-Jährigen wurden zwölf Rürup-Renten ohne Garantie und sechs mit Garantie mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet. Bei den Tarifen ohne Garantie schneiden vor allem Europa, Barmenia und Condor besonders gut ab, bei den Policen mit Garantie sind LV 1871, Württembergische und Allianz die Bestplatzierten. Der 50-Jährige hat die Wahl zwischen sieben Verträgen ohne Garantie und drei mit Garantie, die mit „sehr gut“ bewertet wurden. Auch hier punkten bei Policen ohne Garantie Europa und Barmenia. Die drei „sehr guten“ Rürup-Renten mit Garantie bieten HanseMerkur, Alte Leipziger und Generali Deutschland.



    Entscheidend für die Versicherten ist, mit welcher Rente sie am Ende rechnen können. „Bei Tarifen ohne Garantie kann in ungünstigen Verläufen auch eine negative Rendite rauskommen – bei langer Laufzeit verringert sich dieses Risiko natürlich – das Risiko ist aber trotzdem da“, sagt Rürup-Experte Kitschun. „Viele Tarife bieten in den letzten Jahren vor Rentenbeginn ein ‚Ablaufmanagement‘ an – dabei wird das Fondsguthaben sukzessive von risikoreichen in risiko- und schwankungsarme Fonds umgeschichtet, damit es kurz vor Ende der Aufschubzeit keine größeren Verluste mehr gibt, die aufgrund der kurzen Restlaufzeit nicht mehr ausgeglichen werden können.“ Es kann aber im schlimmsten Fall sogar dazu kommen, dass am Ende weniger als die gezahlten Beiträge als Kapital zur Verfügung stehen, sofern keine entsprechende Garantie eingeschlossen ist.

    Die zugesagte Rente im Ranking wird auf das sogenannte mittlere Kapital errechnet. Es kann also schlechter, aber natürlich auch besser laufen. Der 50-Jährige kann bei den besten Tarifen ohne Beitragsgarantie mit einer Mindestrente zwischen 196 und 353 Euro rechnen. Bei den beiden Tarifen mit Garantie sind es garantiert 297 bis 319 Euro. Der 37-Jährige kann bei den ausgezeichneten Basisrenten ohne Garantie eine Rürup-Rente in Höhe von 489 bis 668 Euro erwarten. Bei den besten Tarifen mit Garantie sind die Unterschiede zwischen den Tarifen mit 295 bis 594 Euro besonders hoch. Die Berechnungen zeigen: Je länger der Versicherte anspart und je länger er die Rente bezieht, desto mehr lohnt sich die Rürup-Rente.



    Doch nicht jeder kann oder möchte sich auf monatliche Beiträge von 250 oder gar 750 Euro festlegen. „Dieses Problem kann man lösen, indem der monatliche Betrag so gewählt wird, dass man ihn immer zahlen kann und jedes Jahr individuell durch Sonderzahlungen der Betrag zugezahlt wird, den man sich leisten kann beziehungsweise der bis zum Maximalbetrag noch möglich ist“, rät Hassenzahl. So wird die Rürup-Rente auch etwas flexibler. Denn das die Verträge so starr sind, ist ein gängiger Kritikpunkt.

    Aber nicht der einzige. Die Rürup-Rente soll ganz explizit nur für die Altersvorsorge genutzt werden können. „An Geld, das einmal eingezahlt wurde, kommt man nicht mehr dran“, erklärt die Vermögensberaterin. Die Auszahlung erfolgt ausschließlich als monatliche Rente, nie als Einmalkapital und frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres. „Für Menschen, die deutlich früher ihren Ruhestand genießen möchten, ist das also eine deutliche Einschränkung.“



    Zudem kann die Rürup-Rente nicht beliehen werden, zum Beispiel als Sicherheit beim Immobilienkauf. Und sie ist nicht frei vererbbar, kann nur an Eheparter oder kindegeldpflichtige Kinder vererbt werden, ergänzt Hassenzahl. Punkte, die Selbstständige und Besserverdienende berücksichtigen sollten, wenn sie sich für eine Rürup-Police entscheiden. Der Steuervorteil macht aber viele davon wett.

    Mehr zum Thema: Unser Leser hat mit Mitte 50 eine hohe Abfindung kassiert. Nun will er einen Teil davon für eine Rürup-Rente einsetzen. Honorarberater und WiWo-Coach Stefan Kemmler hilft weiter: Lohnt sich die Rürup-Rente für mich?

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