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Altersvorsorge Die neue Lebensversicherung

Die Versicherer leiden unter den tiefen Zinsen. Ihren alten Kunden haben die Unternehmen noch große Versprechen gemacht. Das soll in der nächsten Generation der Policen anders werden. Womit Versicherte rechnen können.

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Ein Stift liegt am Montag (13.09.2004) in Schwerin auf einem Kündigungsschreiben für eine Lebensversicherung Quelle: dpa/dpaweb

Früher waren die Versprechen der Versicherer groß: Vier Prozent Verzinsung versprachen die Konzerne noch in den 1990er Jahren den Kunden – garantiert, Jahr für Jahr, bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Wer heute einen Vertrag abschließt, erhält hingegen nur noch einen Garantiezins von 1,75 Prozent. Und selbst der wird für die Versicherer angesichts der mickrigen Zinsen an den Kapitalmärkten immer schwieriger zu erwirtschaften.

Die Lebensversicherer sind daher auf der Suche nach Alternativen zum klassischen Garantiezins. „Der Weg hin zu verschiedenen Garantien findet schon statt“, sagt Markus Faulhaber, der designierte Vorstandschef der Allianz Leben. „Die Versicherer müssen sich dem ökonomischen Umfeld stellen.“ Schon seit längerem würde in den Produktabteilungen über neuartige Konzepte nachgedacht.

Worüber die Versicherer nachdenken

Was ist das Problem? Die Europäische Zentralbank hat die Märkte mit Geld geflutet, um Banken und Staaten vor dem Untergang zu bewahren. Doch die Politik des lockeren Geldes hat Folgen: Die Versicherungskonzerne finden an den Kapitalmärkten kaum noch ausreichend rentable Anlagemöglichkeiten für ihre Kundengelder, die Zinsen etwa für sichere Staats- oder Unternehmensanleihen sind im Keller.

Die Fiktion von den guten Zinsen

Hinzu kommt: Der Zeitrahmen, für den die Versicherer Garantien abgeben, wird durch die veränderte Nachfrage der Kunden immer länger. „Der Trend in der Altersvorsorge geht hin zur Rentenversicherung, das heißt zu einem Produkt mit langer Anspar- und langer Auszahlungsphase“, sagt eine Sprecherin der SV Sparkassenversicherung. Doch gerade für lange Garantien müssen die Versicherer nach den neuen Aufsichtsregeln Solvency II besonders viel Kapital vorhalten. Die Diskussion um die Zukunft des Garantiezinses ist inzwischen voll entbrannt. Viele Versicherer bieten bereits neuartige Konzepte an. Inzwischen werden aber noch ganz andere Modelle angeregt.

Der Garantiezins soll flexibler werden

Ein Kunde füllt am 20.07.2003 in Köln einen Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung aus Quelle: dpa

Einige Überlegungen sehen vor, dass der Garantiezins künftig nicht mehr für die ganze Laufzeit einer Rentenversicherungspolice festgesetzt wird – was meist mehrere Jahrzehnte sein können –, sondern die Garantien flexibler gestaltet werden. Zum Beispiel könnten sie zeitlich befristet werden, sodass sie alle paar Jahre entsprechend des Marktumfeldes angepasst werden. Einige Experten empfehlen, man könnte den Garantiezins auch an die Inflationsrate koppeln.

Wann Kunden den Vertrag kündigen dürfen

„Wir schauen uns die Entwicklung sehr genau an“, sagt Allianz-Vorstand Faulhaber. Allerdings sei die Umsetzung nicht ganz einfach. „Solche Garantien sind eine große Herausforderung. Die sind sicherlich schwieriger zu kommunizieren als die klassischen Garantien.“ Und noch eine Idee gibt es: Der Ergo-Risikovorstand Christoph Jurecka schlug unlängst in einem Interview vor, man könnte künftig den Kunden nur einen bestimmten Überschuss für das Laufzeitende eines Vertrages garantieren, und nicht wie bisher einen solchen Überschuss für jedes einzelne Jahr. Für die Versicherer würde das eine Entlastung bedeuten – schlechte Jahre könnten durch gute Jahre besser ausgeglichen werden. Die Branche hofft, dann weniger Eigenkapital vorhalten zu müssen.

Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung

Guido Bader, Vorstand bei der Stuttgarter Lebensversicherung, hält davon wenig: Gerade in volatilen Märkten würden sich die Kunden jährliche Garantien wünschen, meint er, sie seien der Kernbestandteil des Geschäftsmodells Lebensversicherung. Wenn die Lebensversicherer diese nicht mehr anbieten, würden sie sich selbst überflüssig machen. „Oder um es ganz platt zu formulieren: Am meisten Risikokapital kann man einsparen, wenn man gar kein Geschäft mehr zeichnet“, sagt Bader.

Vorsorge



Wird der klassische Garantiezins in den kommenden Jahren komplett verschwinden? „So weit würde ich aus jetziger Sicht nicht gehen“, sagt Norbert Heinen, Chef der Württembergischen Versicherungen. „Auch in zehn Jahren wird es Kunden geben, die die altvertraute Lebensversicherung weiter zu schätzen wissen.“

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