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Altersvorsorge im Eigenbau In zehn Schritten zum entspannten Ruhestand

Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Niedrigzinsen aber machen private Vorsorge schwer. Wie Sie sich trotzdem einen entspannten Ruhestand finanzieren – eine Anleitung in zehn Schritten.

In zehn Schritten zur sicheren Rente Quelle: Getty Images

Die Zahl sieht ganz harmlos aus: 1080 Euro. Mit Kugelschreiber hat Stefan Albrecht, Anfang 40, Berater bei der Deutschen Rentenversicherung in Düsseldorf, sie auf einen Berechnungsbogen geschrieben. Die junge Frau auf der anderen Seite seines Schreibtischs kennt nun ihr Problem.

Denn mit diesen 1080 Euro müsste Jenny B. in 30 Jahren ihren Ruhestand bestreiten – mehr würde der Mutter von zwei kleinen Kindern nach Abzug von Steuern, Krankenversicherung und Inflation nicht bleiben. Hinter Albrechts Schreibtisch hängt ein Poster der Vincent Thomas Bridge in Los Angeles.

Für B. zu weit weg: USA-Reisen wären bei dieser Rente nicht drin. Die 34-Jährige schaut aus dem Gummibaum-beschatteten Bürofenster auf eine Aldi-Filiale im Nieselregen – näher an der Realität als die Sonne Kaliforniens.

Warum die Deutschen in Frührente gehen
In Deutschland gehen weniger Menschen vorzeitig in den Ruhestand: Nur noch jeder dritte Neurentner sei zuletzt vorzeitig mit Abschlägen in die Altersrente gegangen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, über die die „Rheinische Post“ berichtet. Die Zahl der Frührentner ging demnach vom Jahr 2007 bis 2013 um 85.000 auf 323.000 zurück. Ihr Anteil an allen Neurentnern habe damit 2013 bei nur noch 36,7 Prozent gelegen. Sechs Jahre zuvor seien es noch 45,9 Prozent gewesen. Wer 2013 vorzeitig Altersrente beansprucht hat, musste laut Regierung zudem deutlich geringere Abschläge in Kauf nehmen - im Durchschnitt 77,50 Euro pro Monat, nachdem es 2007 noch 115,24 Euro waren. Quelle: dpa
Wenn der Friseur auf einmal die Shampoos und Haarfarben nicht mehr verträgt und mit Hautausschlag reagiert, ist Schluss mit dem Beruf. Gleiches gilt für den Maler und Lackierer, der auf die Farben sensibel reagiert. Probleme mit der Haut sind allerdings nur sehr selten Gründe für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben. Nur 0,4 Prozent der Frührentner hängen den Job wegen Erkrankungen der Haut an den Nagel. Quelle: dpa
2,9 Prozent, also rund 5226 Personen, mussten wegen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma vorzeitig in Rente gehen. Quelle: dpa
3,9 Prozent litten dagegen an Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder an chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems. Quelle: dpa
Erkrankungen der Sinne waren bei 5,9 Prozent der Grund für das vorzeitige Ende des Berufslebens. Im Jahr 2010 tauchten Erblindung oder Taubheit noch gar nicht in den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung als Gründe für die Frührente auf. Quelle: AP
Die übrigen Diagnosen, also andere Krankheiten, haben 9,2 Prozent aus dem Beruf geworfen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Auf dem vierten Platz landen in diesem Jahr die Krankheiten von Herz und Kreislaufsystem, also zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen. 9,7 Prozent aller Frührentner gingen wegen Herz-Kreislauf-Problemen in den Ruhestand. Quelle: dapd

Doch dann lacht sie. B. hatte das geahnt. Albrecht hatte sie schätzen lassen, wie viel Prozent ihres späteren Bedarfs sie schon abgedeckt hätte. „Nicht mal die Hälfte“, meinte sie – und lag richtig. Für sie dennoch kein Grund zur Verzweiflung. Sie kann noch an einigen Stellschrauben drehen: Geht sie nicht mit 63, sondern mit 67 Jahren in Rente, käme sie schon auf 1370 Euro netto, rechnet Albrecht vor. Für den Rest müsste sie auf ihren Mann bauen – oder privat vorsorgen. Bislang spart die Wirtschaftsingenieurin nur knapp 100 Euro pro Monat in einer fondsgebundenen Rentenversicherung.

Dass die gesetzliche Rente nicht reicht, ist keine Überraschung mehr. Vor 50 Jahren kamen noch sechs Beitragszahler für einen Rentner auf, heute sind es noch zwei, spätestens 2050 wird ein Arbeitnehmer einen Rentner ernähren. Neurentner, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient haben, kassieren heute schon nach Abzug von Sozialabgaben und vor Steuern nur 48 Prozent eines durchschnittlichen Erwerbseinkommens. 1977 waren es noch fast 70 Prozent, 2028 werden es nur noch 44 Prozent sein, so die Bundesregierung.

Sparen ist also wichtig. Doch Sparbücher bringen teils nur 0,05 Prozent Zins, die Überschüsse aus Lebensversicherungen sind seit Jahren rückläufig, von Aktien wollen die Deutschen nichts wissen. Kopf in den Sand aber ist keine Lösung – wer seine Altersvorsorge in die Hand nimmt, kann seine Rente deutlich anheben. Die WirtschaftsWoche zeigt in zehn Schritten, wie Sparer flexibel und renditestark vorsorgen.

Welche Dax-Konzerne am meisten Altersvorsorge zahlen
Die Finanzierungslage der betrieblichen Altersversorgung der Dax-Unternehmen hat sich 2013 positiv entwickelt. Die guten Renditen (5,1 Prozent) ließen die Pensionsvermögen auf 198 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es noch 192 Milliarden, die Pensionsverpflichtungen drohten zur Gefahr für künftige Gewinne zu werden. 2013 sah es schon anders aus, nicht nur die Rücklagen stiegen, auch der Umfang der Pensionsverpflichtungen ist gesunken. Statt 314 Milliarden müssen die Konzerne nur noch 303 Milliarden Euro zahlen. Damit sind 65 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt (Vorjahr: 61 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Pensionsvermögen und -verpflichtungen im DAX 2013“ der Unternehmensberatung Towers Watson. Sie basiert auf den Angaben in den Geschäftsberichten der 30 DAX-Unternehmen. Quelle: dpa
Bei Adidas klaffen allerdings noch große Lücken zwischen dem Vermögen, das 2013 für die betriebliche Altersvorsorge eingeplant war und dem, was ausbezahlt wurde. So betrug das Planvermögen des Sportartikelherstellers 83 Millionen Euro, wogegen die Verbindlichkeiten 325 Millionen Euro betrugen. Damit erreicht Adidas einen Ausfinanzierungsgrad von nur 26 Prozent - die Differenz musste aus anderen Quellen genommen werden. Immerhin: 2012 waren nur 24 Prozent der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt. Quelle: REUTERS
Der Versicherer Allianz kann sich dagegen über eine Deckung von 61 Prozent freuen. Das Planvermögen des Konzerns für die betriebliche Altersvorsorge beträgt 11,7 Milliarden Euro, demgegenüber stehen Verpflichtungen in Höhe von 19,1 Milliarden. Quelle: REUTERS
Mehr als 80, nämlich genau 83 Prozent Deckungsgrad, kann der Chemiekonzern BASF vorweisen. Das Unternehmen muss also nur noch 17 Prozent aus sonstigen Geldern nehmen, um die Lücke zwischen den Rücklagen in Höhe von 17,1 Milliarden und den Verpflichtungen von 20,7 Milliarden Euro zu schließen. Quelle: dpa
Auch Bayer erreicht mit 65 Prozent einen ganz ordentlichen Deckungsgrad. Bei dem Pharmaunternehmen stehen Ausgaben in Höhe 20,7 Milliarden Euro für die betriebliche Altersvorsorge einem Polster von 13,4 Milliarden Euro gegenüber. Quelle: dpa
Das erfolgreiche Anlage- und Risikomanagement "bringt den Unternehmen Rückenwind für die Überarbeitung ihrer betrieblichen Altersversorgung, die angesichts der demografischen Entwicklung stärker denn je auf die Agenda drängt", sagt Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson. Er erwartet, dass in den kommenden Jahren viele Unternehmen ihre Pensionswerke überarbeiten oder neu gestalten werden. Bei BMW kann man gelassen in die Zukunft schauen: Von 76 Prozent im Jahr 2012 wuchs der Deckungsgrad auf 85 Prozent an. 2013 hatte das Unternehmen ein Planvermögen von 13,5 Milliarden Euro, demgegenüber Pensionsansprüche in Höhe von 15,8 Milliarden Euro standen. Quelle: AP
Derzeit sieht nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland sein Angebot an Mitarbeiterbenefits wie der Altersvorsorge gut für die Zukunft aufgestellt, wie eine im Februar veröffentlichte Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson ergab. Die Beiersdorf AG zahlte ihren Pensionären im letzten Jahr beispielsweise rund 1,3 Milliarden Euro an Altersvorsorge. Zurückgelegt hatte das Unternehmen für diesen Zweck allerdings nur 877 Millionen Euro. Quelle: dpa

1. So viel Rente ist drin

Basis ist die gesetzliche Rente, bei Freiberuflern die Rente aus dem Versorgungswerk. Die jährliche Renteninformation nennt die „künftige Regelaltersrente“. Die unterstellt, dass Versicherte bis zur Rente so viel verdienen wie in der jüngeren Vergangenheit und dass ihre Renten nach den gleichen Sätzen wie heute gezahlt werden.

Pro Beitragsjahr bekommen Angestellte Punkte gutgeschrieben. Wer 2014 rund 34.860 Euro verdient, schafft einen Punkt; bei knapp 70.000 Euro zwei Punkte. Bei 71.400 Euro Einkommen (Ost: 60.000 Euro), der Bemessungsgrenze, ist Schluss. Aktuell bekommen Rentner pro Punkt jeden Monat 28,61 Euro (Ost: 26,39 Euro).

45 Jahre mit dem jeweiligen Durchschnittseinkommen hätten im Westen 1287 Euro Rente gebracht, 30 Jahre mit dem doppelten Durchschnittseinkommen für 1717 Euro gereicht. Für ab 1992 geborene Kinder bekommt ein Elternteil je 85 Euro Rente extra – für früher geborene Kinder 57 Euro. Seit 2009 bringen Schule und Studium Neurentnern keine höheren Alterseinkünfte mehr.

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