WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Altersvorsorge Lohnt sich Riester doch?

Riester lohnt sich nicht, sind sich Experten einig. Wer nicht steinalt wird, bekommt sein Geld nicht zurück. Eine neue Studie sagt: Es rentiert sich doch, die Renditen sind beachtlich. Was an der Aussage dran ist.

Die Riester-Irrtümer
Finanzamtschild Quelle: dpa
Stift auf einer Steuererklärung Quelle: dpa
Ein Sparstrumpf Quelle: dpa
Mann zeigt das Innere seiner Hosentaschen Quelle: dpa
Eltern spielen mit ihrem Sohn Quelle: dpa
Vater und Sohn sitzen an einem Fluss Quelle: dpa
Besucher beim Kongress Altervorsorge 2011 Quelle: dpa

Seit dem Januar 2002 können Arbeitnehmer als private Altersvorsorge einen Riestervertrag abschließen. Staatlich gefördert, angeblich für jedermann passend. Quasi die Volksrente. Und was ist das Vorsorgemodell - zu Recht - gescholten worden. Im Jahr 2009 titelte die WirtschaftsWoche "Die Riester-Lüge" und machte darauf aufmerksam, dass zwar Bankberater & Co. ganz aus dem Häuschen seien, die Rente für Sparer aber schnell zum Verlustgeschäft werden kann. Weitere Untersuchungen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Jahr 2011 bestätigten das.

Nun veröffentlicht das unabhängige Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) eine Studie mit der Kernaussage "Sparen in Riester-Renten ist sinnvoll und lohnt sich". Wie kommt es dazu? Haben alle anderen Experten zuvor falsch gelegen?

Klaus Jaeger, Riester-Experte und Professor für Wirtschaftstheorie an der Freien Universität Berlin hatte vor drei Jahren noch Musterrechnungen für die WirtschaftsWoche angefertigt, die zeigten, dass ein 30-jähriger Riester-Fondssparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 52.500 Euro 92 Jahre alt werden muss, um die Summe seiner Beiträge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen. Die tatsächliche Lebenserwartung von Männern beträgt aber nur 78 Jahre. Und Jaeger war nicht der einzige Ökonom, der diesen Faktor kritisierte.

Leserfragen zur Riester-Rente
Fragen und Antworten zur Riester-RenteEine neue Studie zur Riester-Rente hat viele Menschen aufgeschreckt. Eine Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung mit detaillierten Musterrechnungen belegt, dass die meisten Riester-Sparer trotz staatlicher Förderung nur auf magere Renditen kommen. Die wichtigsten Fragen unserer Leser, die die Redaktion seitdem erreicht haben, greifen wir hier auf. Quelle: dpa
Riester in der ErziehungszeitFür wen lohnt sich Riester auf jeden Fall?Eine Riester-Rente lohnt sich in jedem Fall für Frauen in der Erziehungszeit und für Geringverdiener mit mehreren Kinder. Hier ist die Förderquote sehr hoch, der Eigenanteil liegt meist nur zwischen fünf und zehn Euro pro Monat. Das ist wie ein Geldschein, der auf der Straße liegt. Stefanie Kühn, Honorarberaterin (Grafing) Quelle: dpa
Alles hängt von der Laufzeit abIch bin 45 Jahre alt, bislang ohne Riester-Vertrag. Welcher Produkttyp eignet sich für mich?Das hängt ganz von Risikoneigung und Renditeerwartung ab. Bei einer Laufzeit von mehr als 20 Jahren sollten Fondssparpläne in Betracht gezogen werden, da die Inflation zu berücksichtigen ist und über die Laufzeit hier größere Renditechancen bestehen. Bei kürzeren Laufzeiten, vor allem für Sparer ab Ende 40, sind Riester-Banksparpläne eine gute Wahl. Thomas Lau, Honorarberater (Aachen) Quelle: Fotolia
Aktien, Fonds oder GoldWenn sich Riester nicht lohnt, wie soll ich dann für das Alter vorsorgen?Altersvorsorge sollte vielschichtig sein. Mit dem Aufbau von Festzinsanlagen, Aktienfonds oder Aktien, Immobilien und Gold können Anleger je nach ihrer Risikoeinstellung konsequent Vermögen aufbauen. Das macht mehr Arbeit als die einmalige Unterschrift unter einen Versicherungsvertrag – die Renditeerwartung ist dafür höher und die Zufriedenheit in der Regel auch. Stefanie Kühn, Honorarberaterin (Grafing) Quelle: Fotolia
Riester-ImmobilienkrediteWarum sind Riester-Immobilienkredite häufig eine gute Wahl?Gegenüber der normalen Baufinanzierung müssen Immobilieneigentümer bei Wohn-Riester durch Zulagen und meist durch zusätzliche Steuerersparnisse oft deutlich weniger eigenes Geld für die Finanzierung aufwenden (siehe Beispielrechnung). Teilweise können sich die Eigentümer erst dadurch die Baufinanzierung leisten. Nutzt der Riester-Sparer Zulagen und Steuervorteile für Sondertilgungen, kann er die Finanzierungslaufzeit deutlich verkürzen und möglichst vor der Rente abschließen. Professor Heinrich Bockholt, Vorsitzender des Bundesverbandes Finanz-Planer Quelle: AP
Erst eine Baufinanzierung schafft DurchblickWie stelle ich fest, ob sich der geförderte Kredit für mich lohnt?Der Bauherr sollte sich vom Baufinanzberater eine normale Baufinanzierung gegen einen Wohn-Riester-Immobilienkredit mit allen persönlichen und steuerlichen Komponenten über die Gesamtlaufzeit durchrechnen lassen. Entscheidend ist, wer nach Steuern unter Beachtung der weiteren Riester-Kriterien am günstigsten ist. Professor Heinrich Bockholt, Vorsitzender des Bundesverbandes Finanz-Planer
Walter Riester: undurchschaubare AnlagenEinige Kritiker sagen, die Riester-Rente diene nur der Finanzindustrie. Die Initiatoren in Politik und Wissenschaft hätten Geld von Versicherern und Fondsgesellschaften bekommen. Stimmt das?Richtig ist, dass Finanzdienstleister am Vertrieb der Riester-Rente kräftig verdienen. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge hätte man auch mit einem Bruchteil der heutigen Kosten organisieren können. Das haben uns andere Staaten vorgemacht. Der Verkauf staatlich geförderter Alters‧vorsorge ist aber auch ein Türöffner für den Vertrieb anderer provisionsträchtiger Produkte. Dass manche Politiker im Auftrag von Finanzdienstleistern Vorträge halten oder diese beraten, ist bekannt. Einige Wissenschaftler haben ihre Forschung auch mit Mitteln der Finanzindustrie finanziert. Im Frühjahr hat die Antikorruptionsorganisation Transparency International die Geschäftsverbindungen des ehemaligen Arbeitsministers Walter Riester und des ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup zum umstrittenen Finanz-‧Unternehmer Carsten Maschmeyer heftig kritisiert. Auch die Nebentätigkeiten von Prof. Bernd Raffelhüschen, der die Politik bei der Reform der sozialen Sicherungssysteme beraten hat,haben in der Versicherungswirtschaft haben wiederholt zu Kritik geführt. Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Quelle: AP

Selbst Politiker wie der ehemalige CDU-Sozialminister Norbert Blüm warnten vor dem als alleinseligmachenden gelobten Produkt: In einem Gastbeitrag für die Zeitung "Die Welt" sagte Blüm, dass es bei Riester nur zwei Gewinner gebe: die Arbeitgeber, die sich nicht an der geförderten Altersvorsorge beteiligen müssen, und die Finanzbranche. Und nun heißt es seitens des ITA, dass Riester-Sparer beim besten Anbieter in den letzten zehn Jahren deutlich über sieben Prozent Rendite auf ihre eingezahlten Beiträge erhalten. "Angesichts der massiven öffentlichen Kritik an der Riester-Rente waren wir selbst ein wenig von diesem überragenden Ergebnis überrascht", gibt Mark Ortmann, Gründer und Geschäftsführer des ITA zu.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%