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Altersvorsorge Richtig für die Rente sparen

Wie Anleger maßgeschneidert Vermögen für den Ruhestand aufbauen, welche Sparpläne die besten Renditen bringen.

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Investmentfonds als Anlageidee: Zwei Drittel brauchen später über 2000 Euro im Monat Quelle: Fotolia

Peter Edingers Job ist mit dem eines Kfz-Mechanikers vergleichbar. Er repariert – allerdings nicht Autos, sondern Depots privater Anleger. Bei fast jedem Kunden stößt der Finanzberater aus Bielefeld auf Lecks und Unwuchten in der Altersvorsorge. Gerade griff er einem gut verdienenden 35-jährigen Juristen unter die Arme, dessen Sparraten mit 120 Euro monatlich viel zu mickrig kalkuliert waren. 85 Prozent seines Nettogehalts von derzeit 3900 Euro hätte er sich so im Ruhestand niemals sichern können. Edinger riet ihm, die gerade erst abgeschlossene Rentenversicherung zu kündigen, und machte sich an die Arbeit.

Hohe Ansprüche ans Einkommen im Alter, aber immer ein latent schlechtes Gewissen, dass man zu wenig dafür tut – das kennen viele. Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei der Altersvorsorge oft weit auseinander: Zwei Drittel der Sparer brauchen im Alter nach eigener Einschätzung 2000 Euro und mehr pro Monat. Fast die Hälfte aber legt weniger als 200 Euro monatlich für die Altersvorsorge an, ein Viertel der Sparer sogar nur weniger als 100 Euro.

100 Euro reichen nur für 368 Euro Rente

Das aber dürfte bei den meisten kaum für einen finanziell sorglosen Ruhestand reichen. 100 Euro monatlich über 30 Jahre in einen Sparplan mit vier Prozent Rendite eingezahlt, summieren sich auf 69 636 Euro. Die reichen gerade mal für 368 Euro pro Monat Privatrente. Nach 25 Jahren wäre das Vermögen aufgezehrt.

Tabelle: Sparen in Eigenregie

Oft sparen die Deutschen nicht nur zu wenig, sie legen ein Großteil ihres Geldes auch noch zu schlechten Konditionen an. Zu viel Kapital versauert mickrig verzinst auf Sparbüchern, Tagesgeld- und Girokonten. Von 4,4 Billionen Euro Geldvermögen, die die Deutschen angespart haben, sind dies immerhin 39 Prozent. Nach Abzug der Inflation verlieren sie damit jeden Tag Geld. Momentan sieht es so aus, als würde sich daran wenig ändern. Laut Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands wollen 59 Prozent der Anleger ihr Geld vor allem in Sparbüchern und Termingeldern parken – trotz Niedrigzinsen.

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    Wie aber sammeln Anleger das Geld für den Lebensabend am besten an? Über eine Lebensversicherung, durch eine staatlich geförderte Riester-Rente oder doch lieber durch einen selbst gewählten Fondssparplan?

    Struktur ins Depot

    „Die Auswahl der Instrumente richtet sich bei vielen Anlegern immer noch zu sehr nach dem Zufallsprinzip“, sagt Vermögensberater Edinger. Je nachdem, wer welche Tipps gegeben habe, ob Bankberater, Versicherungsvertreter oder ein Nachbar, ist das Vermögensportfolio gestrickt. Es fehle in der Regel ein individueller Altersvorsorgeplan. Der sei aber nötig, um Struktur ins Depot zu bringen.

    Grafik: Die Deutschen und ihr Geld

    Vor der Auswahl von Produkten empfiehlt Edinger folgende Schritte:

    Sparpotenzial ausloten:

    Wie viel kann ich nach Miete, Auto, Versicherungen, Kreditraten und weiteren laufenden Kosten monatlich vom Haushaltseinkommen zurücklegen, was habe ich bisher schon gespart?Verpflichtungen prüfen: Welche Kredite sind noch abzuzahlen? Tilgen ist billiger als weiter Zinsen zahlen und frisches Geld anlegen. Dennoch lassen sich immer wieder Anleger zu Investments auf Pump überreden. Erst kürzlich hatte Berater Bruno Steiner aus dem baden-württembergischen Trossingen solch einen Fall auf dem Tisch. Sein Kunde besitzt bereits ein Eigenheim und eine Ferienwohnung in Niederbayern, dennoch ließ er sich zum Kauf einer weiteren Wohnung für 45 000 Euro überreden. Dafür muss er der Bank 4,8 Prozent Darlehenszins zahlen. Auf der Habenseite stehen lediglich magere 1,0 Prozent fürs Tagesgeld bei der Hausbank. Für den Anleger war der Deal ein deutliches Minusgeschäft, weil er nur ein Drittel der gezahlten Zinsen vom Finanzamt erstattet bekam. „Der Irrglaube, man müsse Schulden machen, um Steuern zu sparen, lässt sich nur schwer ausrotten“, sagt Berater Steiner.

    Finanzbedarf im Alter kalkulieren:

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      Welche Haushaltskosten fallen im Ruhestand weg, welche neuen kommen hinzu? Weiteres Sparen fällt dann genauso weg wie die Fahrtkosten zur Arbeit. Das heißt aber nicht, dass Ruheständler automatisch weniger Geld benötigen. Nachgelagerte Besteuerung von Renten, Gesundheitskosten und höhere Ausgaben für Freizeit schmälern das Budget.Lebenssituation analysieren: Wie sind Beruf und Familie bei der Altersvorsorge zu berücksichtigen? Dazu gehört beispielsweise Mobilität im Job. Wer öfter den Standort wechseln muss, für den ist eine selbst bewohnte eigene Immobilie ein Klotz am Bein. Gibt es bereits Partner und Kinder, geht zunächst die Risikovorsorge vor. Ist Nachwuchs geplant, fällt ein Verdiener ganz oder teilweise weg. Entsprechend weniger Geld bleibt für die Altersvorsorge.Risikotoleranz festlegen: Wie hoch dürfen zwischenzeitliche Verluste sein, damit ich noch ruhig schlafen kann? „Es reicht nicht, einfach nur sein Kreuzchen bei einem Risikotyp auf dem Beratungsformular zu machen, darunter können sich die meisten Anleger wenig vorstellen“, sagt Finanzberater Edinger, „erst wenn die Sparer wissen, wie viel Geld sie im schlimmsten Fall verlieren können, schätzen sie ihre Risikotoleranz richtig ein.“ Aktienfonds können in einem Jahr durchaus 40 Prozent einbüßen. Bei Bundesanleihen ist das Verlustrisiko dagegen deutlich überschaubarer.

      Wege zur Rente

      Tabelle: Klassische Rentenversicherung

      Selbst wenn alle diese Fragen beantwortet sind, steht noch immer keine Altersvorsorge. In der Regel gibt es mehrere Wege, auf denen das notwendige Kapital für den finanziell gesicherten Ruhestand angesammelt werden kann. Wenn feststeht, wie viel der Sparer erübrigen kann und wann er das Geld braucht, schiebt sich die Frage nach der Rendite in den Vordergrund. Tom Friess, Chef der Anlageberatung Münchener Vermögenszentrum, hat für zwei Anlegertypen berechnet, was nach 30 Jahren Sparen für den Anleger bleibt. Zur Auswahl stehen die beiden Fertigprodukte Riester-Fondssparen und private Rentenversicherung sowie Wertpapiersparen in Eigenregie.

      Riester-Fondssparen und private Rentenversicherung sind der bequeme Weg: Sparrate festlegen, leistungsstarkes Angebot auswählen und Vertrag abschließen. Um den Rest kümmert sich die Bank, Fondsgesellschaft oder Versicherung.

      Bequem kostet

      So viel Fürsorge aber lassen die sich gut bezahlen – und nicht immer bekommt der Anleger dafür eine adäquate Leistung. Beispiel Riester-Fonds: Mit dem Allianz-dit Fondsvorsorge 1977-1996 verloren Anleger in den vergangenen fünf Jahren immerhin 8,9 Prozent jährlich. Der nicht Riester-geförderte Mischfonds Carmignac Patrimoine machte dagegen im Schnitt 10 Prozent plus. Ein guter Aktienfonds hätte noch mehr gebracht, ist aber nicht ganz mit dem Riester-Produkt vergleichbar: Riester-Fondssparpläne müssen zumindest die eingezahlten Beiträge auszahlen, wenn der Sparer in Rente geht. Wegen dieser Garantie können sie daher nicht zu 100 Prozent in Aktien gehen. Riester-Beiträge fließen meist in aus Aktien- und Rentenfonds gemischte Dachfonds, bei der PremiumRente der DWS ist dies beispielsweise der DWS Vorsorge.

      Tabelle: Riester-Sparpläne

      Eine der größten Positionen des Dachfonds ist der Aktienfonds Top Dividende, der in den vergangenen fünf Jahren um 4,7 Prozent jähr-lich zulegte. Dass Anleger allein mit der Fondskomponente des DWS Riester-Sparplans – also ohne staatliche Zulagen oder Steuervorteile gerechnet – trotzdem im Schnitt 0,7 Prozent Miese gemacht hätten, liegt am unglücklichen Timing: Von Kursgewinnen zu Anfang des Untersuchungszeitraums profitierte nur ein kleiner Kapitalstock – es war einfach noch nicht genug Geld angespart. Als der Topf dann fast voll war, bescherte der Finanzkrisen-Crash den Aktien herbe Verluste. Zeitaufwendiger, aber oft auch renditeträchtiger als Riester und Rentenversicherung ist Sparen in Eigenregie. Das über Jahre mit Fonds, Aktien, Anleihen und Rohstoffen angesammelte Kapital lässt sich in einen Auszahlplan stecken, der über einen festgelegten Zeitraum eine nette Privatrente abwirft.

      Nach Friess’ Kalkulation lohnt sich der Aufwand, egal, ob der Anleger Single oder Familienvater ist: Wertpapiersparen ist abzüglich Kosten renditestärker als Rentenversicherung oder Riester – vorausgesetzt, die jährliche Rendite von vier Prozent vor Kosten und Steuern pro Jahr steht. Vier Prozent über 30 Jahre sind mit einem wohl ausbalancierten Portfolio nicht zu optimistisch.

      Schwache Rendite bei Fertigprodukten

      Laut Friess kann ein 35-jähriger Familienvater, der über 30 Jahre nur 1430 Euro pro Jahr in Wertpapiere, Fonds und Rohstoffen anlegt, im Alter eine Rente von 3295 Euro jährlich erwirtschaften. Das Zubrot zur gesetzlichen Rente fließt in dieser Beispielrechnung bis zum 95. Lebensjahr. Wem das zu unsicher ist, der muss sich mit 2901 Euro (Riester-Fondssparen) oder 2519 Euro (private Rentenversicherung) begnügen – die dann allerdings garantiert lebenslang.

      Tabelle: Investmentfonds

      „Private Rentenversicherungen sind von der Rendite her fast immer die schlechteste Lösung, weil die Kosten für Vertrieb und Verwaltung sowie die Risikoprämie 20 Prozent des Beitrags und mehr auffressen“, sagt Friess. Den Garantiezins von 2,25 Prozent berechnen die Lebensversicherungen lediglich auf den Sparanteil der Prämie, der zwischen 70 und 75 Prozent liegt. Erst einschließlich der nicht garantierten Überschüsse verzinsen sich Rentenversicherungen der fünf besten Anbieter derzeit mit 3,8 bis 5,0 Prozent.

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        Allerdings können die Lebensversicherungen diese Renditen nur zahlen, weil sie aus ihren Reserven schöpfen, denn ihre Kapitalanlagen verzinsten sich im vergangenen Jahr nur mit durchschnittlich 3,5 Prozent. Die Aussichten sind weiter mau – Versicherer haben gerade mal fünf Prozent ihres Kapitals in Aktien angelegt – viel zu wenig, um von der Börsenrally in diesem Jahr profitieren zu können.

        Staatliche Förderung

        Fertigprodukte lohnen sich vor allem dann, wenn Sparer die staatliche Förderung optimal ausnutzen können. Das Pauschalurteil „Riester lohnt sich nur für Geringverdiener“ lässt sich nicht halten. Singles mit überdurchschnittlichen Einkommen kommen mit dem Steuervorteil der Riester-Angebote oft auf ihre Kosten. Bis zu 2100 Euro pro Jahr können sie steuerfrei anlegen.

        Tabelle: Indexfonds

        Im Gegenzug wird die spätere Rente voll besteuert. Die Steuerersparnis ist umso größer, je höher die Differenz zwischen dem Steuersatz im Erwerbsleben und dem im Ruhestand ist. In Friess Beispielrechnung sind es beim Single 14,8 Prozentpunkte. Mit dem Steuerbonus beträgt die Nettorente 2608 Euro – sie ist damit nur noch 44 Euro von den 2652 Euro beim Wertpapiersparen Marke Eigenbau entfernt. Für Gutverdiener ohne Anhang, die auf Nummer sicher gehen wollen, lohnt sich Riester allemal.

        Fragliche Steuerersparnis

        Allerdings hat die Riester-Rechnung einen Schönheitsfehler: Wie hoch die tatsächliche Steuerersparnis ist, lässt sich nur schätzen. Zwar wird das Gros der künftigen Rentner nach geltendem Recht nur wenig Steuern zahlen müssen, aber das könnte den Staat dazu bewegen, nachträglich an den Vorschriften zu drehen. Schließlich wird die Zahl der steuerpflichtigen Arbeitnehmer in Zukunft abnehmen, die Staatsausgaben werden aber wohl weiter steigen. Finanzberater Edinger rät daher Anlegern, den Steuervorteil nicht als alleiniges Auswahlkriterium für Riester heranzuziehen. Der Sparer müsse zudem mehr Wert auf Sicherheit und Bequemlichkeit legen als auf Rendite.

        Riester ist sicher und bequem, aber nichts für Ungeduldige, die es gerne flexibel mögen. Bis zum 60. Geburtstag müssen die Sparer warten, ehe die erste Rente fließt. Nicht mehr als 30 Prozent können sie auf einen Schlag entnehmen. Mit bis zu 2100 Euro gefördertem Beitrag pro Jahr kann Riester nur die Basis für die Altersvorsorge sein. Für den Rest muss der Sparer selbst sorgen.

        Depotreparateur Peter Edinger hat die finanzielle Zukunft seines 35-jährigen Kunden für 450 Euro Aufwand pro Monat gesichert. Statt in die konventionelle Rentenversicherung zahlt der jetzt 2100 Euro jährlich in eine Riester-Rentenversicherung und sichert sich so hohe Steuervorteile. Weitere 150 Euro gehen in renditestarke Fonds. Die Hypothek, die der Jurist für eine Wohnung aufgenommen hatte, soll er schneller abtragen, also zahlt er künftig 1500 Euro jährlich Sondertilgung. „Die Zinsersparnis ist höher als eine Anlage in sicheren Staatsanleihen“, sagt Edinger.

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          Was dem Mann im Alter dann noch fehlt, will er durch den Verkauf der Eigentumswohnung hereinholen. Schöner Nebeneffekt: So erspart er sich im Ruhestand auch mögliche Prozesse mit anderen Eigentümern der Wohnanlage. Prozessiert hat er in seinem Berufsleben dann schließlich schon genug.

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