Altersvorsorge So viel Geld sollten Sie für die Rente zurücklegen

Private Altersvorsorge: So viel müssen Sie für die Rente sparen Quelle: Fotolia

Die meisten wünschen sich, auch im Alter ihren Lebensstandard halten zu können. Dafür müssten sie jedoch privat vorsorgen. Wir zeigen, wer wann wie viel zurücklegen müsste, um auch im Alter genug Geld zu haben.

Jeder zweite Deutsche hat Angst vor Altersarmut – mindestens, manche Umfragen kommen gar auf zwei Drittel der Deutschen. Gleichzeitig sorgt jedoch kaum jemand privat fürs Alter vor. Ebenfalls fast die Hälfte der Deutschen legt einer Ergo-Umfrage zufolge gar nichts oder weniger als 50 Euro im Monat zurück. Das ist deutlich zu wenig – zumindest, wenn man auch im Alter seinen Lebensstil beibehalten will.

„Niemand sollte darauf vertrauen, dass er im Alter seinen Lebensstandard allein durch die gesetzliche Rente halten kann“, warnt denn auch Ralf Scherfling, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Das kann die gesetzliche Rente gar nicht leisten.“ Wer sich fürs Alter absichern will, muss also anfangen zu sparen, und das so früh wie möglich.

Mit Unterstützung der Verbraucherzentralen NRW und Bayern hat die WirtschaftsWoche exemplarisch berechnet, wie viel Geld Durchschnitts-, Besser- und Geringverdiener zurücklegen sollten. Grundlage war die Annahme, dass der einzelne im Alter genau so viel Geld zur Verfügung haben will wie im Erwerbsleben. Experten rechnen hier in der Regel damit, dass 80 Prozent des früheren Einkommens im Alter denselben Lebensstil ermöglichen, weil viele vorherige Kosten wie etwa Versicherungen wegfallen oder zumindest sinken. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwischen 22 und 54,8 Prozent seines Nettogehalts müsste jeder zurücklegen, abhängig von seinem Alter und seinem Einkommen. Dabei gilt: Je mehr ein Mensch verdient und je früher er anfängt zu sparen, desto weniger muss er privat vorsorgen.

Grundlage der Berechnungen sind ein beispielhafter Niedrigverdiener mit einem Einkommen von 1600 Euro brutto, ein durchschnittlicher Verdiener mit dem Mediangehalt von 3133 Euro brutto und eine Gutverdienerin mit einem Bruttogehalt von 6000 Euro. Die Beispielpersonen sind jeweils 30 Jahre alt und gehen im Jahr 2055 nach 45 Arbeitsjahren in Rente. Berechnet wird nun, wie viel sie sparen müssen, um ab Renteneintritt bis zum Alter von 90 Jahren 80 Prozent ihrer heutigen Kaufkraft zur Verfügung zu haben. Vorausgesetzt wird dabei eine Inflation von zwei Prozent und eine jährliche Rentenanpassung von 1,5 Prozent. Dabei wird in drei Szenarien davon ausgegangen, dass sie a) sofort anfangen zu sparen, b) in acht Jahren anfangen oder c) erst in 15 Jahren.

Die Beispielrechnungen im Detail:

Rechenbeispiel 1: Herr Müller, Medianeinkommen von 3133 Euro

Herr Müller ist 30 Jahre alt, ledig, zahlt keine Kirchensteuer und verdient das Medianeinkommen von 3133 Euro brutto im Monat, also 2002 Euro netto. 80 Prozent dieser Summe möchte er auch zur Verfügung haben, wenn er 2055 mit 67 Jahren nach 45 Arbeitsjahren in Rente geht – beziehungsweise die entsprechende Kaufkraft. Geht man von einer Inflation von zwei Prozent aus, bräuchte Herr Müller ab dem Jahr 2055 also Monat für Monat 3333 Euro.

Geht man der Einfachheit halber davon aus, dass Herr Müller in jedem seiner Berufsjahre gleich viel verdient, kommt er damit auf einen Rentenanspruch von knapp 1400 Euro brutto monatlich, also 1145 Euro netto, da Renten ab dem Jahr 2040 voll versteuert werden müssen. Rechnet man nun durchschnittliche Rentenerhöhungen von 1,5 Prozent pro Jahr ein, so bekommt er im Jahr 2055 schließlich 1986 Euro netto aus der gesetzlichen Rentenkasse. Es gibt also eine Rentenlücke von 1347 Euro, die er durch private Vorsorge schließen muss. Geht man davon aus, dass Müller bis zu einem Alter von 90 Jahren abgesichert sein will, so ergibt das eine totale Finanzierungslücke von 372.000 Euro.

Variante 1: Herr Müller fängt sofort an zu sparen. Herr Müller hat noch 37 Jahre Zeit bis zur Rente. Gehen wir von einem Zinssatz von drei Prozent aus und davon, dass Herr Müller Monat für Monat dieselbe Summe zurücklegen will, so müsste er jeden Monat 461 Euro sparen, um im Alter seinen heutigen Lebensstandard zu halten. Das entspricht 23 Prozent seines Nettoeinkommens.

Variante 2: Herr Müller wartet noch acht Jahre. Fängt Herr Müller hingegen erst mit 38 Jahren an vorzusorgen, hat er nur noch 29 Jahre Zeit zu sparen. Dann muss er jeden Monat 675 Euro zurücklegen, also 33,7 Prozent seines Nettoeinkommens.

Variante 3: Herr Müller wartet noch 15 Jahre. Kommt Herr Müller sogar erst mit 45 Jahren auf die Idee, selbst Geld fürs Alter zurückzulegen, so muss er noch tiefer in die Tasche greifen. Da die Finanzierungslücke innerhalb von 22 Jahren geschlossen werden muss, müsste Herr Müller jetzt 999 Euro im Monat zurücklegen – also 50 Prozent seines Nettoeinkommens.

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