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Altersvorsorge So viel Rendite bringt die gesetzliche Rente

Viele ärgern sich, wie viel sie jeden Monat an die staatliche Rentenkasse überweisen. Bis zu rund 660 Euro sind es 2021, allein als Arbeitnehmeranteil. Der Arbeitgeber zahlt nochmal so viel ein. Auch im Vergleich zu Beamten und Pensionären fühlen sich Angestellte und Rentner deutlich benachteiligt.

Einige meinen, ihre Rentenbeiträge seien verlorenes Geld. Ein Irrtum. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie viel Rendite dabei herausspringen könnte. Die Ergebnisse sind überraschend.

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Dem IT-Berater aus Thüringen platzte der Kragen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ließ er Mitte November seinem Ärger freien Lauf: „Die beschissene Rentenversicherung wird mich in meinem Erwerbsleben über eine Million Euro in Gebühren und entgangener Rendite kosten. Das ist absurd.“ Er würde doch gerne selbst entscheiden, welche Versicherung er abschließt, schrieb der Mann. 

Viele ärgern sich, wie viel sie jeden Monat an die staatliche Rentenkasse überweisen. Bis zu rund 660 Euro sind es 2021, allein als Arbeitnehmeranteil. Der Arbeitgeber zahlt nochmal so viel ein. Auch im Vergleich zu Beamten und Pensionären fühlen sich Angestellte und Rentner deutlich benachteiligt.

Sind die Rentenbeiträge also verlorenes Geld? Womöglich täuschen sich die Gegner der staatlichen Rente da. In diese Richtung deutet zumindest eine neue Studie von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), veröffentlicht von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Sie haben berechnet, wie viel Rendite bei der gesetzlichen Rente herausspringt.

Drei Prozent Rendite sind drin, nach Steuern

Keine leichte Aufgabe, denn letztlich steht bei jeder Rentenzahlung erst ganz am Ende fest, was sie gebracht hat. Um Einzahlungen und Auszahlungen zu vergleichen, kommt es eben auch darauf an, wie lange die Rente gezahlt worden ist. Also auf die Dauer des eigenen Lebens. Zudem muss die Entwicklung von Einkommen, Anzahl der Erwerbstätigen, Beitragssätzen in den Sozialversicherungen, Steuern und vielen weiteren Parametern für die Zukunft prognostiziert werden. Doch die Forscher haben mit der Betrachtung von „Erwerbs- und Rentenverläufen stilisierter Individuen“ diese Herausforderung angenommen. Besonders wertvoll sind ihre Ergebnisse, weil sie Nach-Steuer-Renditen betrachten, also tatsächlich analysieren, wie viel an späterer Rente nach Steuern und Krankenkassenbeiträgen den bis Rentenbeginn zu zahlenden Nettobeiträgen gegenübersteht.

Die Jahresrenditen auf die Beiträge fallen dabei mit 2,9 bis 3,6 Prozent pro Jahr durchaus bemerkenswert hoch aus. Besonders gut schneidet ein Beispielfall mit Kindern ab, weil für diese zusätzliche Rentenpunkte gutgeschrieben werden.



Für viele dürfte das eine Überraschung sein. Umso mehr lohnt sich ein Blick auf die Hintergründe der Berechnung. Außerdem ist eine Einschränkung wichtig: Politische Risiken bestehen bei der gesetzlichen Rente durchaus. So könnte zum Beispiel das Renteneintrittsalter künftig angehoben werden, was die Renditen der späteren Rentner dann drücken könnte. Denn die demographische Lage, mit einer absehbar alternden Bevölkerung, setzt die umlagefinanzierte Rente unter Druck: Dort müssen jeweils die aktuellen Beitragszahler die aktuellen Rentnerinnen und Rentner finanzieren.

Die betrachteten Beispielfälle sind 40- und 50-jährige Frauen. Das Geschlecht spielt nur bei der angenommenen Lebensdauer eine Rolle, Frauen kommen rein statistisch auf höhere Werte. Mit 40 Jahren dürfen sie aktuell erwarten, im Schnitt 84 Jahre alt zu werden, zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Männer im gleichen Alter hingegen müssten von nur 80 Jahren ausgehen. Entsprechend fallen auch die errechneten Rentenrenditen der Frauen besser als die der Männer aus. Ein Jahr weniger Lebenserwartung drückt die Nettorenditen geschätzt um etwa 0,15 Prozentpunkte.

Betrachtet wurden Alleinstehende mit jeweils einem niedrigen, mittleren und hohen Einkommen. Niedrig und hoch sind dabei jeweils mit 50 Prozent Ab- beziehungsweise Aufschlag zum Durchschnittsentgelt zu verstehen. Das mittlere Einkommen entspricht dem Durchschnitt. Die Niedrig- und Normalverdienerinnen starten mit 20 Jahren ins Berufsleben, die Gutverdienerin erst mit 25 Jahren, etwa wegen eines vorherigen Studiums. 

Zusätzlich wurde noch eine verheiratete 40-Jährige mit zwei Kindern, geboren 2010 und 2013, in die Analyse genommen. Sie soll zehn Jahre lang ein durchschnittliches Gehalt verdienen, dann 25 Jahre lang 50 Prozent davon (beispielsweise wegen Teilzeittätigkeit zwecks Kinderbetreuung und -erziehung). Bei ihrem Mann wurde dauerhaft ein durchschnittliches Gehalt angenommen. Der Rentenbeginn liegt bei allen Fällen einheitlich bei 67 Jahren. Keine der Frauen nimmt eine Frührente in Anspruch.

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