Altersvorsorge und Euro-Krise Euro-Retter Deutschland im Schuldensog

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Ein Zerfall des Euro wäre fatal

Staatsanleihen und Schuldpapiere

Bräche die Euro-Zone auseinander, träfe das die Versicherer hart: Weil die Währungen der schwachen Länder dann stark gegenüber der deutschen Währung abwerten würden und ihre Staatsanleihekurse fielen, müssten Versicherer Euro-Papiere aus ihren Portfolios werfen und würden auch an Abschreibungen kaum vorbeikommen.

„Ein Zahlungsausfall oder auch nur eine Kürzung der Rückzahlung bei einem der großen Euro-Länder könnte eine negative Kettenreaktion auslösen, die in ihren Auswirkungen weit über die Lehman-Pleite hinausginge“, sagt Stephan Kuhnke, Leiter Portfoliomanagement beim Anleihemanager Bantleon. Es sei zu bedenken, dass Italien und Spanien Auslandsschulden von jeweils rund 1900 Milliarden Euro hätten. Diese bei einer dann plötzlich massiv geschwächten Währung zurückzahlen zu müssen dürfte die schwachen Staaten endgültig in die Pleite treiben.

Wer an ein solches Extremszenario glaubt, sollte privat verstärkt in heimische Papiere investieren. Im Falle einer Währungsreform hätten Versicherte wenigstens noch das vertragliche Auszahlungsversprechen ihrer Assekuranz in der Hand – geht der Versicherer im Zuge der Reform nicht pleite, kann der Kunde später, unter einer neuen Währung, auf seinen Vertrag pochen.

Gefährliche Bankpapiere

Auf den ersten Blick beruhigend: Der direkte Anteil der Versicherungs-Investments in hoch verschuldeten Problem-ländern ist gering. Die Ratingagentur Assekurata ermittelte im Juni für 20 von ihr untersuchte Lebensversicherer einen Anteil der Staatsanleihen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien von unter zwei Prozent. Der NRW-Pensionsfonds für neu eingestellte Landesbedienstete hat immerhin sieben Prozent seiner 3,2 Milliarden Euro in griechische Anleihen gesteckt, der Versicherungsverein des Bankgewerbes (BVV), mit 22 Milliarden Euro größte deutsche Pensionskasse, hält 3,5 Prozent ihres Kapitals in Anleihen der PIIGS-Staaten. Insgesamt liegen 16 Prozent des Portfolios in Staatsanleihen. „Der derzeit hohe Anteil liegt auch am mangelnden Angebot auf dem Pfandbriefmarkt“, sagt BVV-Vorstandsmitglied Rainer Jakubowski.

Indirekt träfen Kreditausfälle schwacher Staaten alle Versicherten. Etwa zwei Drittel der Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind nach Schätzungen des Branchenverbands GDV in irgendeiner Form mit Bankenrisiken verknüpft: Banken-Schuldverschreibungen, direkte Kredite an Banken, Bankeinlagen und Pfandbriefe, in denen 25 Prozent der Lebensversichertengelder stecken.

Pfandbriefe sind traditionell mit Immobilien oder mit Schulden von Staaten und Gemeinden besichert. In Letzteren, den öffentlichen Pfandbriefen, stecken erhöhte PIIGS-Risiken: 8,3 Prozent der Kredite hatten Pfandbriefbanken im dritten Quartal an Staaten und Gemeinden in schwächelnden Euro-Staaten vergeben.

Sichere Papiere aus Deutschland

Größte europäische Emittentin von Pfandbriefen – außerhalb Deutschlands weniger gut besichert und „Covered Bonds“ genannt – war die Skandalbank Hypo Real Estate. Pfandbriefe, die mit deutschen Immobilien besichert sind, gelten als sehr sicher – Bonds auf spanische oder irische Immobilien nicht.

Über die Banken sind so auch die Lebensversicherer den Risiken möglicher Staatsbankrotte ausgesetzt. Zumal die meisten Staaten ihren Banken umfangreiche Garantien gewährt haben, ohne die viele kaum noch an Geld kämen. Allein Irland hatte 2008 mehr als 400 Milliarden Euro Garantien für die Banken übernommen, bis zu 90 Milliarden Euro dürften tatsächlich als Verluste aus Kreditausfällen auflaufen.

Würden die Staaten in solchen Fällen nicht mehr einspringen, etwa weil sie selbst zahlungsunfähig sind, bekämen diese Banken Probleme. Zudem drohten allen Banken dann Abschreibungen auf die betroffenen Staatsschulden. Nach Daten des ifo Instituts hatten deutsche Banken Ende 2009 Forderungen von mehr als 40 Milliarden Euro allein gegenüber den Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Versicherern als Besitzern von Bankanleihen droht schon in den kommenden Wochen eine stärkere Beteiligung an Verlusten. Dann soll das Bankenrestrukturierungsgesetz in Kraft treten, nach dem auch Gläubiger zur Kasse gebeten werden können.

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