Altersvorsorge und Euro-Krise Euro-Retter Deutschland im Schuldensog

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Neue Regeln für Grossanleger

Sparschwein Quelle: Thomas Fuchs

Um Versicherer, Pensionskassen und Fonds künftig auch an den Kosten der Staatsschuldenkrise zu beteiligen, wollen die Euro-Finanzminister von 2013 an neue Insolvenzregeln für Staatsanleihen in Emissionsprospekten verankern. Investoren werden dann im Falle einer Staatspleite einen Teil ihres Geldes verlieren. „Mit der Pauschalgarantie durch den Steuerzahler ist es dann vorbei“, sagt Seibold.

Konkret: Hat ein Land nur einen vorübergehenden Zahlungsengpass, so wie vor Kurzem Irland oder womöglich bald Portugal, sollen Gläubiger ihre Anleihen zunächst nicht verkaufen. Dann wird abgewartet, ob sich das Land erholt. Kommt es dennoch zum Bankrott, muss das Land mit den Gläubigern ein Konzept zur Umschuldung aushandeln. Die Gläubiger können dann mehrheitlich beschließen, die Laufzeit der Anleihen zu verlängern oder die Zinszahlungen zu senken.

„Bislang können einzelne Anleihebesitzer solche Einigungen torpedieren und so die Entschuldung eines Landes hinauszögern“, sagt Andreas Utermann, Global Chief Investment Officer bei RCM (Allianz Global Investors).

Da die Politik mit den neuen Regeln für Anleihen erstmals zugibt, dass Teilausfälle in Zukunft möglich sind und sie nicht für immer ihre schützende Hand über Investoren halten wird, drohen den Versicherern auch aus einer ganz anderen Richtung höhere Kosten: Die geplante Beteiligung der Investoren an künftigen Zahlungsausfällen stellt nun auch die neuen Eigenkapitalregeln für europäische Versicherer und die ihnen gleichgestellten Pensionskassen infrage.

Von 2013 an sollen sie nach dem Willen der EU-Finanzminister ihr Eigenkapital an das Risiko ihrer Geldanlagen anpassen. Je risikoreicher sie anlegen, desto mehr Eigenkapital müssen sie als Puffer für mögliche Verluste bereithalten. Für Aktien planen Regulierer unter den Solvency-II-Regeln 40 und für Immobilien bis zu 25 Prozent der Anlagesumme. Nur für EU-Staatsanleihen wird bislang kein Eigenkapital fällig, auch nicht für Papiere aus Griechenland oder Irland. So zwingen Europas Staaten die Versicherer faktisch, ihre maroden Anleihen zu kaufen. Carsten Zielke, Versicherungsanalyst der Société Générale und Berater der EU-Kommission, fordert daher: „Solvency II muss angepasst werden; denn auch Staatsanleihen sind nicht risikofrei.“ Versicherungen sollten demnach künftig auch EU-Staatsanleihen mit Kapital unterlegen. Politikern dürfte die Verabschiedung einer solchen Reform allerdings schwerfallen, würde sie doch die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen drosseln.

Raus aus der Police?

Fest steht: Wer seine private Altersvorsorge nur auf der Lebensversicherung aufbaut, hat ein erhebliches Anleiherisiko im Depot. Das abzubauen gestaltet sich schwierig. Wer kündigt, erleidet hohe Verluste – vor allem in den ersten Vertragsjahren, während derer die Versicherer den Kunden die Abschluss- und Vertriebskosten berechnen.

Verbraucherschützer haben vor Gericht aber Verbesserungen durchgesetzt: Aus seit 2008 abgeschlossenen Verträgen müssen Kunden mindestens 85 Prozent ihrer eingezahlten Beiträge zurückbekommen. Bei älteren Policen liegt die Mindestquote bei 50 Prozent. Deren Besitzer fahren oft besser, wenn sie die Laufzeit ihrer Police verkürzen oder diese beitragsfrei stellen. Der Vertrag läuft dann weiter, das vorhandene Guthaben verzinst sich, neue Beiträge werden nicht mehr fällig.

Alternativ können Versicherte ihre Police auch bei Aufkäufern versilbern. Der Bund der Versicherten rät, nur Angebote von Mitgliedern des Branchenverbands BVZL einzuholen. Weitere Kriterien: Den Erben der Versicherten sollte im Todesfall eine Auszahlung garantiert und der Vertrag nicht in Raten ausgezahlt werden.

Aktien und Gold beimischen

Zweitmarkt-Anbieter wie Cash-Life zahlen drei bis fünf Prozent mehr als die Versicherung. Sie führen die Police weiter oder verkaufen sie an einen Fonds, der am Ende die Auszahlung kassiert. In diesem Jahr dürften bundesweit Verträge im Wert von 150 Millionen Euro verkauft werden. Noch im Jahr 2007 waren es 1,4 Milliarden Euro. „Die Aufkäufer würden gern mehr Policen abnehmen, es fehlt allerdings an geeigneten Verträgen“, sagt BVZL-Vorstand Ingo Wichelhaus. Gefragt sind Policen mit fünf bis sieben Jahren Restlaufzeit von renditestarken Anbietern. Renditestark sind etwa LVM, Huk-Coburg, Debeka, Europa, Cosmos Direkt, Allianz und WGV. Gerade die aber muss man nicht unbedingt verkaufen. Die Spitzenreiter des Finsinger-Ratings haben niedrige Kosten und sind so kapitalstark, dass sie gewinnbringend anlegen können.

Stark am Fliegenfänger des Anleihemarkts – und damit im Zentrum der Schuldenkrise stehen Anleger allerdings auch mit ihnen. Versicherte sollten auf Anleihekäufe verzichten und lieber Aktien (siehe Shortfacts) und Gold aufstocken. Hier dürfte mehr zu holen sein – auch 2011.

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