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Altersvorsorge Keiner will mehr Riester-Versicherungen

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Warum sich die Kunden von Versicherungen abwenden

Entwicklung der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente), Stand: Ende Juni 2012, Quelle: BMAS

Das sieht auch das Ministerium: Die Menschen orientieren sich um. Erkennbar werde ein Trend zu mehr konsequent sicherheitsorientiertem Riestern und eine Tendenz zur Sachwertanlage durch Investitionen in selbstgenutzte Immobilien. Dahinter steckt auch: In der Krise halten sich die Deutschen etwa mit Immobilien lieber fern vom Börsen-Jojo.

Was kostet und was bringt der Wohn-Riester?

Auffällig bei der Riester-Rente sind hohe Stornoquoten. Die Versicherer leiden offenbar darunter, so dass in den vergangenen Monaten vom niedrigen Bruttoabsatz kaum etwas oder nichts übrig blieb. Das Ministerium stellte zum Rückzug bei Versicherern fest: Bei den Versicherungsverträgen werde der Anteil der ruhend gestellten Riester-Verträge für das Jahr 2010 auf rund 18,5 Prozent geschätzt. Bei diesen Verträgen würden aktuell keine Beitragsleistungen mehr in der Ansparphase erbracht

Experten verweisen als Gründe für die Flucht aus Riester-Versicherungen auf die Finanzkrise und eine allgemeine Kaufzurückhaltung. Nur Immobilien werden davon derzeit verschont.

Die Versicherer glauben dagegen, eine völlig andere Ursache entdeckt zu haben. Sie schimpfen auf "pauschale Riester-Kritik", die Menschen verunsichere und zur Vertragskündigung treibe. Der Marktführer bei Riester-Fonds, Union Investment, verbuchte in diesem Jahr unter den Stornierern mehr Auflösungen als Vertragswechsel.

Bei der Allianz kamen wegen hoher Stornoquoten unterm Strich nur wenige neue Riester-Verträge in den Bestand. Und dabei verkauft die Allianz Riester-Renten noch vergleichsweise gut im Branchenvergleich. Vermutet wird daher, dass viele in der Branche grundsätzlich an der Riester-Rente zweifeln. Als Gründe nennt die FTD: den gesetzlich geforderten Kapitalerhalt, die niedrigen Zinsen und die vergleichsweise hohen Vertriebskosten. Unter dem Strich lohnt sich der Verkauf der Riester-Rente für viele Versicherer nicht besonders.

Hinzu kommt: Der nach wie vor unangefochtene Marktführer, die Versicherungswirtschaft, steht auch am stärksten in der Kritik. In Berlin ist in allen Parteien zu hören, dass vor allem die Versicherer transparenter und kostengünstiger werden sollten bei der Riester-Rente. Beides kostet Geld, wenn denn die Versicherer diesem Verlangen ernsthaft nachkommen. Das kann sich vielleicht nicht jeder in der Branche leisten, glauben Experten.

Riesterrente von A bis Z

Die Versicherer selbst dagegen meinen: "Wir können nicht ausschließen, dass die Kampagne gegen die Riester-Rente die Menschen zunehmend verunsichert", zitierte die FTD den Branchenverband GDV. Es gebe "einige wenige Riester-Gegner", die der Bevölkerung das fatale, weil falsche Signal sendeten, die Riester-Rente lohne sich nicht.

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