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Altersvorsorge Was die neuen Riester-Gesetze bringen

Die Koalition will am Mittwoch im Kabinett einen Gesetzentwurf zur Förderung der Altersvorsorge verabschieden. Das Motto lautet: Die Riester-Rente soll einfacher, transparenter und attraktiver werden. Was sich ändert.

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Die Riester-Irrtümer
Finanzamtschild Quelle: dpa
Stift auf einer Steuererklärung Quelle: dpa
Ein Sparstrumpf Quelle: dpa
Mann zeigt das Innere seiner Hosentaschen Quelle: dpa
Eltern spielen mit ihrem Sohn Quelle: dpa
Vater und Sohn sitzen an einem Fluss Quelle: dpa
Besucher beim Kongress Altervorsorge 2011 Quelle: dpa

Wer einmal schlechte Erfahrungen mit einem Riester-Vertrag gemacht hat, der ist meist für alle Anbieter verloren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Munich Centers for Economics of Aging (MEA). Etwa 14,5 Prozent der Haushalte haben ihre Riester-Rente schon einmal gekündigt oder stillgelegt. Nach einer Kündigung haben 73 Prozent, nach einer Stilllegung 81 Prozent keinen neuen Riester-Vertrag abgeschlossen. Das sind weitere Ergebnisse der repräsentativen SAVE-Umfrage, auf der die Studie basiert. Seit 2005 befragt TNS Infratest die Deutschen über ihr Spar- und Anlageverhalten.

Um die Stilllegungsquoten zu senken, sollten die Bedingungen für Riester-Verträge geändert werden, fordern die Meinungsforscher. Kostenstruktur sowie Ertrags- und Risikoerwartungen müssten besser vergleichbar sein. Zudem sollten die Anbieter angehalten werden, Verträge mit niedrigen Kosten anzubieten.

Auf dieses Meinungsbild in der Bevölkerung reagiert die Politik in Berlin nun. Nach langer Anlaufphase sind sich die Regierungspolitiker offenbar einig: Am Mittwoch will die schwarz-gelbe Koalition eine Reform der geförderten privaten Altersvorsorge auf den Weg bringen. Ihr Ziel: Die geförderte Vorsorge soll attraktiver und transparenter für die Bürger werden.

Riesterrente von A bis Z

Der Grund: Die Deutschen sollen angesichts der demografischen Entwicklung stärker selbst fürs Alter vorsorgen. So lautet schließlich die Erkenntnis, die regelmäßig von Politik und Finanzunternehmen verbreitet wird, doch in der Bevölkerung bislang weniger Widerhall findet als erhofft, jedenfalls wenn man die Verkaufszahlen der Riester-Rente zum Maßstab nimmt.

Zu den Kernpunkten des Gesetzentwurfes gehören die steuerliche Förderung des Berufsunfähigkeitsschutzes, eine bessere Übersicht über die Leistungen von Riester-Verträgen sowie eine einfachere Eigenheimrente ("Wohn-Riester"). Dafür formulierten die Koalitionspolitiker den Gesetzesentwurf zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge, der dem Handelsblatt vorliegt.

Die wichtigsten Änderungen

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

"Das Gesetz wird dazu führen, dass die Verbraucher die Produkte besser verstehen und deren Leistungen besser miteinander vergleichen können", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dem Handelsblatt. Mehr Transparenz und die Erleichterungen für einen Vertragswechsel würden den Markt positiv beeinflussen, hofft die Ministerin. Dabei setzt sie insbesondere auf das neue Produktinformationsblatt.

Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

Noch nicht vom Tisch ist dem Vernehmen nach außerdem die diskutierte allgemeine Förderung langfristiger Sparverträge. Konkretes gibt es dazu allerdings auch eineinhalb Jahre nach der ersten Ankündigung nicht. Bei der Riester-Rente sind folgende Änderungen vorgesehen:

Überblick: Die Kritik an der Riester-Rente

Schutz vor Berufsunfähigkeit
Beiträge zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollen künftig von der Steuer absetzbar sein. Diese zählen demnach künftig zu den Sonderausgaben, die bisher bis zu einer Summe von 20 000 Euro im Jahr einkommensteuerfrei blieben. Diese Summe, unter die Beiträge zur gesetzlichen Rente wie auch zur geförderten privaten Leibrente, "Rürup-Rente", fallen, soll zudem auf 24 000 Euro im Jahr erhöht werden.

Bessere Vergleichbarkeit von Vorsorgeverträgen
Bei der zulagen- und steuergeförderten Riester-Rente hat der Sparer die Qual der Wahl: Es gibt klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen, Fonds-, Bank- und Bausparverträge sowie Wohn-Darlehen. Mit Hilfe eines gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblatts oder "Beipackzettels" soll der Verbraucher künftig kurz und knapp über Kosten, Risiko und voraussichtliche Rendite verschiedener Verträge aufgeklärt werden. Die Einteilung in Risikoklassen und Simulationsrechnungen für erwartete Erträge wird eine neue "Produktinformationsstelle Altersvorsorge" durchführen. Details wird eine separate Verordnung über Beipackzettel regeln. Dies soll auch für die an Selbstständige gerichtete "Rürup-Rente" gelten.

Wechsel von Riester-Renten
Leichter soll es für die derzeit gut 15 Millionen Riester-Sparer werden, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Die Kosten für einen Vertragswechsel werden demnach auf 150 Euro gedeckelt. Zudem soll der neue Anbieter maximal 50 Prozent des übertragenen, geförderten Kapitals für die Berechnung von Vertriebs- und Abschlusskosten heranziehen dürfen.

Wohn-Riester
Bei der Förderung selbst genutzten Wohneigentums, dem Wohn-Riester, soll ein Sparer in der Ansparphase jederzeit Kapital für Kauf oder (behindertengerechten) Umbau seiner Immobilie entnehmen dürfen. Auch will die Regierung im Alter jederzeit die relativ günstige Einmalbesteuerung des Riester-Kapitals erlauben. Bei Riester-Darlehen sollen die Beträge im fiktiven "Wohn-Förderkonto" rechnerisch nur noch mit einem statt zwei Prozent verzinst werden. Damit sind im Alter weniger Steuern fällig.

Fondsbranche kritisiert Förderung des Wohn-Riester

Welche Auswirkung die Inflation auf die Rentenlücke hat
Eine Hand hält Geldscheine und einen Kassenbon über einer Einkaufskiste mit Lebensmitteln Quelle: dpa
Eine Hand nimmt am 22.01.2010 eine Euro-Münze aus einem Geldbeutel Quelle: dpa
Eine Kundin bezahlt an der Kasse in einem Supermarkt in Karlsruhe ihren Einkauf Quelle: dapd
Ein Rentner demonstriert und hält dabei eine Weste in den Händen, auf der "Rente muss zum Leben reichen" zu lesen ist. Quelle: dpa
Hinter dem Griff seines Gehstocks ist ein Rentner vor einem Computer zu sehen Quelle: dpa/dpaweb
Als Miniaturfiguren sind zwei Senioren am Montag (10.09.2012) in Schwerin auf Euro-Münzen zu sehen Quelle: dpa

Die Finanzbranche begrüßt das Vorhaben der Regierung zwar grundsätzlich, kritisiert jedoch auch einzelne Änderungen. Der Zielsetzung des Gesetzgebungsvorhabens der Bundesregierung – Verbesserung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten – stimmt der Versichererverband GDV uneingeschränkt zu.

Was an der Riester-Kritik dran ist

Die deutsche Versicherungswirtschaft begrüße ausdrücklich die Einführung eines Produktinformationsblatts für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge, insbesondere die laut Medienberichten vorgeschlagene Kostendarstellung. In ähnlicher Weise habe auch der GDV seinen Mitgliedern bereits die Angabe einer Gesamtkostenquote („Reduction in Yield“) empfohlen. Diese drückt in einem Prozentsatz aus, wie sich die Gesamtkosten langfristig auf die Rendite eines Produktes auswirken.

Öko-Test: „So trickst die Versicherungslobby“

Auch das Anliegen des Gesetzgebers, die steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge verbessern zu wollen und damit einer Vereinbarung des Koalitionsvertrages nachzukommen, sei uneingeschränkt zu begrüßen.

Der Fondsverband BVI kritisierte dagegen die geplanten Änderungen beim Wohn-Riester. Eine weitere Besserstellung des Wohn-Riester gegenüber anderen Riesterprodukten halte der BVI für subventionierten Wohnkonsum, nicht für Altersvorsorge. Die Förderung der Altersvorsorge mit der Riester-Rente sollte auf ein zusätzliches Einkommen ausgerichtet sein. Das sei beim sogenannten "Wohn-Riester" nicht der Fall. Eine Immobilie erzeuge keine zusätzliche monatliche Rente. Im Gegenteil: Durch den Erhaltungsaufwand komme es zu finanziellen Ausgaben. Zudem trage der Sparer ein Klumpenrisiko, wenn sein angespartes Kapital in einer Immobilie gebunden ist, sagte BVI Hauptgeschäftsführer Thomas Richter.

 "Wir begrüßen das geplante Produktinformationsblatt für Altersvorsorgeverträge, das alle geförderten Produkte einheitlichen Standards unterwirft. Die öffentliche Diskussion über die Riester-Angebote der Versicherungen hat auch anderen staatlich geförderten Riester-Lösungen geschadet. Mehr Produkttransparenz und Vergleichbarkeit würden zur Versachlichung führen", sagte Richter weiter.

Schlechte Beratung schreckt Sparer ab

So viel müssen Männer für die Zusatzrente sparen
Wer auf eine Zusatzrente setzt, um seine Altersvorsorge aufzubessern, muss je nach Startzeitpunkt mehr oder weniger monatlich sparen. Dabei gilt: Wer früher mit dem Sparen anfängt, hat als Rentner mehr zum Leben. Die folgenden Beispielrechnungen zeigen, in welchem Alter Sparer was für eine Summe zurücklegen müssen, um auf einen bestimmten Rentenbetrag zu kommen. Zur Erklärung: „Spareinstieg mit 40 Jahren, 300 Euro = 123,43 Euro“ heißt: Wer ab dem 67. Lebensjahr eine monatliche private Zusatzrente von 300 Euro erhalten möchte, muss als 40-Jähriger 123,43 Euro monatlich sparen. Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, März 2011 Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 20 Jahrenmonatliche Zusatzrente von 100 Euro =  15,34 Euro monatlich sparen 300 Euro = 43,98 Euro monatlich 500 Euro = 72,63 Euro monatlich 700 Euro = 101,27 Euro monatlich 1.000 Euro = 144,23 Euro monatlich Quelle: gms
Spareinstieg mit 30 Jahrenmonatliche Zusatzrente von 100 Euro =  24,47 Euro monatlich sparen 300 Euro = 71,35 Euro monatlich 500 Euro = 118,24 Euro monatlich 700 Euro = 165,12 Euro monatlich 1.000 Euro = 235,45 Euro monatlich Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 40 Jahrenmonatliche Zusatzrente von 100 Euro =  41,93 Euro monatlich sparen 300 Euro = 123,74 Euro monatlich 500 Euro = 205,55 Euro monatlich 700 Euro = 287,32 Euro monatlich 1.000 Euro = 410,09 Euro monatlich Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 50 Jahrenfür eine Zusatzrente von 100 Euro =  82,28 Euro monatlich sparen 300 Euro = 244,79 Euro monatlich 500 Euro = 407,31 Euro monatlich 700 Euro = 569,82 Euro monatlich 1.000 Euro = 813,59 Euro monatlich Quelle: Fotolia

Vielleicht führen mehr Durchblick und bessere Produkte ja auch zu einer stärkeren Altersvorsorge. Denn wie das Munich Centers for Economics of Aging (MEA) herausfand, seien in 45 Prozent der Fälle "schlechte Beratung oder ein schlechtes Produkt" zumindest teilweise für Kündigung oder Stilllegung verantwortlich gewesen. Das schreiben die Experten Michael Ziegelmeyer und Julius Nick. Dies sei eine "signifikant höhere Rate als bei Kapitallebensversicherungen". Ferner kündigten besonders häufig Haushalte mit geringem Einkommen oder Vermögen ihre Riester-Verträge - und das, obwohl in dieser sozialen Schicht Riester-Verträge eh wenig verbreitet seien.

Kernpunkte der Riester-Förderung

Nach Ansicht der MEA-Experten zeigt die Studie, dass solche Haushalte schlecht über den Markt für Riester-Produkte informiert seien. Aufgrund "einer unzureichenden Markttransparenz wählen die Betroffenen Riester-Verträge, die für ihre Bedürfnisse teilweise ungeeignet sind" – eine unverhohlene Kritik an der Verkaufstaktik vieler Versicherungsvertreter.

Wie sinnvoll eine stärkere Altersvorsorge sein kann, belegt eine Vielfalt von Studien. Die jüngste kommt vom Versicherungs- und Bausparkonzern Württembergische & Wüstenrot (W&W).

Checkliste Riester-Rente: Was die Regierung rät

Die intensive Diskussion über das Thema Altersarmut der vergangenen Wochen habe die Deutschen stark verunsichert, ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der W&W-Gruppe. Äußerten Anfang September noch vier von zehn Bundesbürgern die Befürchtung, im Alter arm zu sein, so empfindee aktuell jeder zweite Bürger ab 18 Jahren die Altersarmut als eine persönliche Bedrohung (51 Prozent). Diese Befürchtung werde bei den 30- bis 39-Jährigen (65 Prozent) und in der untersten Einkommensgruppe bis 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen mit 80 Prozent deutlich stärker artikuliert. Fast 90 Prozent der Bevölkerung seien davon überzeugt, dass die Renten unweigerlich gekürzt werden, sofern das heutige Rentensystem nicht grundlegend überarbeitet werde. Aber nur vier von zehn Bundesbürgern erwarteten, dass der Politik diese Reform gelingt, um den Deutschen einen angemessenen Lebensstandard im Alter zu sichern. Die vorliegenden Reformvorschläge wie Zuschussrente und Kombirente hielten lediglich 23 Prozent für geeignet, die drohende Altersarmut zu verhindern.

Warum viele Bürger wenig fürs Alter vorsorgen

So viel müssen Frauen für die Zusatzrente sparen
Wer auf eine Zusatzrente setzt, um seine Altersvorsorge aufzubessern, muss je nach Startzeitpunkt mehr oder weniger monatlich sparen. Dabei gilt: Wer früher mit dem Sparen anfängt, hat als Rentner mehr zum Leben. Die folgenden Beispielrechnungen zeigen, in welchem Alter Sparer was für eine Summe zurücklegen müssen, um auf einen bestimmten Rentenbetrag zu kommen. Zur Erklärung: „Spareinstieg mit 30 Jahren, 300 Euro = 77,16 Euro monatlich sparen“ heißt: Wer als Frau eine monatliche private Zusatzrente von 300 Euro haben möchte, muss als Dreißigjährige 77,16 monatlich sparen. Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, März 2011 Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 20 JahrenZusatzrente von 100 Euro =  16,44 Euro monatlich sparen 300 Euro = 47,28 Euro monatlich 500 Euro = 78,13 Euro monatlich 700 Euro = 108,97 Euro monatlich 1.000 Euro = 155,23 Euro monatlich Quelle: dpa
Spareinstieg mit 30 JahrenZusatzrente von 100 Euro =  26,40 Euro monatlich sparen 300 Euro = 77,16 Euro monatlich 500 Euro = 127,91 Euro monatlich 700 Euro = 178,67 Euro monatlich 1.000 Euro = 254,80 Euro monatlich Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 40 JahrenZusatzrente von 100 Euro =  45,53 Euro monatlich sparen 300 Euro = 134,54 Euro monatlich 500 Euro = 223,55 Euro monatlich 700 Euro = 312,56 Euro monatlich 1.000 Euro = 446,08 Euro monatlich Quelle: Fotolia
Spareinstieg mit 50 JahrenZusatzrente von 100 Euro =  89,84 Euro monatlich sparen 300 Euro = 267,48 Euro monatlich 500 Euro = 445,12 Euro monatlich 700 Euro = 622,75 Euro monatlich 1.000 Euro = 889,27 Euro monatlich Quelle: Fotolia

Zur Sanierung der gesetzlichen Rentenversicherung sollte der Staat die private Altersvorsorge stärker steuerlich fördern, erwarten die befragten Bürger. Eine gesetzlich verpflichtende private Altersvorsorge hält aber nur knapp die Hälfte der Bevölkerung (45 Prozent) für zielführend, um das Problem der Altersarmut zu lösen. Auch eine Grundrente, die für alle Bürger unabhängig vom Einkommen und der Lebensarbeitszeit gezahlt wird, sehen nur vier von zehn Bundesbürgern als richtige Strategie zur Lösung der Altersarmut an.

Riester-Versicherungen: Tops und Flops

Die Notwendigkeit für die private Vorsorge hätten viele Deutsche bereits erkannt: Zwei Drittel der Bundesbürger (68 Prozent) setzten bei der finanziellen Absicherung fürs Alter auf die private Altersvorsorge oder private Rücklagen. Die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen, die eine Altersarmut deutlich stärker als persönliche Bedrohung empfindet, nutze eine private, finanzielle Absicherung fürs Alter mit 79 Prozent bereits häufiger als der Durchschnitt. Bei den 18- bis 29-Jährigen sorgten drei Viertel der Befragten (74 Prozent) privat vor. Dagegen sei in den älteren Bevölkerungsgruppen der private Vorsorgegedanke weniger stark verankert: Nur jeder Zweite (54 Prozent) der über 60-Jährigen habe in eine private Altersabsicherung investiert, bei den 50- bis 60-Jährigen sind es 65 Prozent.

Die Top 3-Produkte zur Sicherung der finanziellen Vorsorge sind aus Sicht der Bundesbürger bei der privaten Altersabsicherung Immobilien (38 Prozent), Lebensversicherungen (34 Prozent) und das Sparbuch (30 Prozent). Bundesbürger, die einer befürchteten Altersarmut eher gelassen entgegenblicken, setzen deutlich stärker auf Immobilien zur Sicherung der privaten Altersvorsorge. Die aktuelle öffentliche Diskussion zur Altersarmut ist für fast jeden fünften Bundesbürger (19 Prozent) Anlass, künftig verstärkt Rücklagen für die finanzielle Absicherung im Alter zu bilden und privat vorzusorgen. Dafür würden die vorsorgenden Deutschen den Rotstift am ehesten beim privaten Konsum ansetzen.

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Die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) will trotz der Diskussion über das Thema Altersarmut dagegen jetzt nicht verstärkt Geld für das Alter zurücklegen. Zur Begründung wird angeführt, dass sie von Altersarmut nicht betroffen sein werden (21 Prozent) oder „sich bereits zu alt fühlen, um in die private Altersvorsorge zu investieren“ (26 Prozent). Viele könnten allerdings gar nicht die Möglichkeiten der privaten Vorsorge für sich nutzen: 28 Prozent der Bundesbürger geben an, dass sie „keinen finanziellen Spielraum haben, um für das Alter verstärkt Geld zurückzulegen“.

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