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Anleihen Länder schlagen Bund

Für Lokalpatrioten und Renditehungrige gleichermaßen eine Option: Bundesländeranleihen. Im Vergleich zu den begehrten Bundesanleihen gibt es hier deutlich mehr Zinsen für Anleger.

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Das Brandenburger Tor in Quelle: dapd

Arm und sexy: Was für Hauptstadtbürgermeister Klaus Wowereit freche Worte waren, bedeutet für Anleiheanleger höhere Kapitalerträge. Berlins desolate Haushaltslage schreit nach immer neuen Kapitalzuschüssen – und die sichert sich Wowereit nicht zuletzt mit attraktiven Schuldverschreibungen. Tatsächlich sind Hauptstadtanleihen derart sexy, dass der Klassiker unter den Anleihen, der Bundesbond, im direkten Vergleich wie eine alte Jungfer daherkommt. Für eine 2016 auslaufende Länderanleihe bieten die Berliner eine Rendite von 2,2 Prozent und einen Zinskupon von 4,1 Prozent. Die vergleichbare Bundesanleihe bringt es mit einem 4-Prozent-Kupon lediglich auf eine maue Rendite von 1,27 Prozent.

Besser als Bunds

Doch nicht nur in der Hauptstadt, auch im übrigen Land fährt man mit Länderanleihen besser als mit Bunds. Sachsen-Anhalt und Brandenburg locken ebenfalls mit Renditen von über 2 Prozent. Das Gleiche im Westen: Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben Anleihen mit einem Kupon von 4 Prozent beziehungsweise 3,25 Prozent begeben. Noch wichtiger: Auch die Rendite stimmt. Mit jeweils 1,6 Prozent bieten die Länder weit mehr als der Bund, dessen Anleihe nur mit mageren 0,75 Prozent rentiert. Die massive Verschuldung der Länder habe seit Ende der Neunzigerjahre dazu geführt, dass Kapital verstärkt am Markt abgerufen wurde, heißt es in einem Bericht der Bundesbank.

Selbst Musterländer wie Hessen und Bayern lassen sich die Anleihen am Kapitalmarkt mehr kosten, als die Bundesregierung. Wer als Gläubiger in Wiesbaden und München andockt, wird mit einem Zins von 3,5 respektive 3,2 Prozent entlohnt – auch hier liegt die Rendite weit über den Bunds.

Der Anleiheindex RexP (Kurse inkl. Zinsen) ist weiter auf Rekordjagd

Und es spricht wenig dafür, dass die Bundesregierung dem Geiz bald ein Ende setzen wird, glaubt Björn Jesch, Investment-Manager bei der Deutschen Bank. Die Renditen deutscher Staatsanleihen seien nahe am historischen Tiefpunkt angelangt, sagt Resch. „Das reicht mittlerweile nicht mal mehr zum Inflationsschutz.“ Für die Zukunft sieht es düster aus: „Ich schließe nicht aus, dass es da zu weiter fallenden Renditen kommen wird.“ Die Realrenditen (Rendite minus Inflation) seien bei allen Laufzeiten mittlerweile im negativen Bereich angelangt. Daran würde auch ein moderater Anstieg um 30 bis 60 Basispunkte nichts ändern.

Doch der hohe Renditeunterschied zwischen Bundespapieren und Länderanleihen hat einen Haken. Den Aufschlag müssen die Länder zahlen, weil die Liquidität geringer ausfällt, sagt Hermann Behrends, Rentenexperte bei der Commerzbank. Das sei aber eher ein Problem für institutionelle Anleger und brauche Privatanleger nicht zu kümmern. „Bei der durchschnittlichen Stückelung von 1000 Euro finden sich immer Verkäufer und Käufer“, so Behrends.

Mehr Schulden als Griechenland

Ein Kaufbefehl also? Nörgler mögen bemängeln, dass die Länderanleihen – wenn sie überhaupt ein Rating haben – mit niedrigeren Bewertungen als die Bundespendants ausgestattet sind. Angesichts der Tatsache, dass auf Berlin eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung lastet, als auf den Pleite-Meistern in Athen, könnte risikoempfindlichen Anlegern die Lust vergehen. Doch das Rating ist wenig aussagekräftig. Unter Verweis auf den Länderfinanzausgleich stellte die Agentur Fitch in der Vergangenheit den Ländern durchgängig die Bestnote aus. S&P und Moody’s nehmen ihrerseits die tatsächliche Wirtschaftskraft unter die Lupe. Die bizarre Folge: Berlin glänzte mit dem Top-Rating von Fitch, Nordrhein-Westfalen wurde von S&P hingegen mit einem AA- abgewatscht. Mittlerweile hat Fitch die Blindvergabe eingestellt, Berlin hat also kein Top-Rating mehr. Dass der Finanzausgleich demnächst ausgesetzt wird und die Bundesregierung die Hauptstadt an Polen veräußert, kann aber weiterhin ausgeschlossen werden.

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