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Anleihen von Industriekonzernen Wann Investoren ihre Gewinne in Bares ummünzen sollten

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Verkehrte Welt

Etwa 500 Milliarden Dollar mussten Investoren in diesem Jahr bereits als Verlust abschreiben, nach 430 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2008. Damit hat die Finanzkrise Anleihe-Investoren bereits jetzt deutlich mehr gekostet als die vorletzte Rezession: 2001 und 2002 fielen zusammen Kredite und Anleihen in Höhe von 310 Milliarden Dollar aus.

Die Agentur Moody’s zählte in den ersten neun Monaten 222 Totalausfälle – viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Immerhin gibt die zweitgrößte Ratingagentur der Welt für das kommende Jahr Entwarnung. „Unsere Modelle sagen voraus, dass in den kommenden 12 bis 18 Monaten die Ausfallrate auf den historischen Durchschnitt von rund fünf Prozent sinken wird“, so Kenneth Emery, der als Direktor bei Moody’s die Analyse von Unternehmensausfällen leitet. Nicht jeder jedoch ist so optimistisch. „Es könnte zwar sein, dass wir den Gipfel an Insolvenzen erreicht haben, aber die Ausfallraten bei spekulativen Papieren könnten auf dem aktuellen Niveau von 12 bis 13 Prozent längere Zeit verharren, falls sich die Wirtschaft nicht nachhaltig erholt“, mahnt Haber von UniCredit.

Anleger, die sich mutig in Anleihen mit erhöhtem Risiko oder gar in Papieren von Unternehmen mit hoher Pleitegefahr engagiert haben, sollten deshalb prüfen, ob sie nicht lieber die üppigen Gewinne mitnehmen und in sicherere, wenn auch niedriger verzinste Papiere umschichten sollten. „Unter dem Gesichtspunkt von Chance zu Risiko ist das Beste sicher gelaufen“, sagt Christian Krahe, Manager des Deutsche Aktien Total Return Fonds, der zu 45 Prozent auch in Anleiheinstrumenten investiert ist.

Gewinne bei Schrottpapieren

Wer sich im Frühjahr etwa Papiere des Autovermieters Hertz oder des Badarmaturenherstellers Grohe zugelegt hat, liegt 74 und 86 Prozent im Plus – nach nur fünf Monaten. Zwar bieten beide Anleihen bis zur jeweiligen Endfälligkeit im Jahr 2014 noch hohe Renditen von 9,7 und 14,8 Prozent. Das setzt aber voraus, dass die Unternehmen bis dahin auch überleben. Das ist unsicher: Die Ratings beider Firmen liegen im unteren Bereich der Schrottklasse, was Pleitegefahr signalisiert. „Gewinne bei hoch spekulativen Anleihen jetzt mitzunehmen, erscheint uns ratsam, wie zum Beispiel bei Grohe-Anleihen“, sagt UniCredit-Experte Haber.

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    Nicht jede hochverzinste Schuldverschreibung ist nach üppigen Kurszuwächsen gleich ein Verkauf. Schließlich bedeutet eine Verbannung aus dem Depot und eine anschließende Umschichtung des erlösten Kapitals in sicherere Papiere einen erheblichen Renditeverzicht. Anleihen, die der Investmentklasse zugerechnet werden, bringen für ein Jahr bis fünf Jahre maximal 4,5 Prozent jährlichen Ertrag.

    Mehr Zins bieten trotz Kurserholung Papiere von Unternehmen, die zwar nicht den Status eines sicheren Investments haben, deren Überleben aber wegen ihres Geschäftsmodells gesichert sein sollte. Dass etwa „eine Nordic Telephone Company Holding – die dänische Telekom – in absehbarer Zeit insolvent wird, halten wir für unwahrscheinlich“, sagt Haber. Trotz 38 Prozent Kursgewinn seit dem Frühjahr wirft das bis Mai 2016 laufende Papier immer noch 7,7 Prozent jährliche Rendite ab. In der Krise Gewinne schreibt die Baumarktkette Hornbach, zudem haben die Pfälzer in der Holding die Schulden von 500 auf 386 Millionen Euro gesenkt. Die Aussichten, dass Hornbach Zinsen und Tilgung bis 2014, wenn die Anleihe fällig wird, leisten wird, sind daher gut. Gleiches gilt für den Waffenproduzenten Heckler & Koch, dessen Bond bis Juli 2011 noch 6,4 Prozent Rendite bringt. Wackliger als noch im Frühjahr steht dagegen TUI da. Investoren sollten jetzt ihre elf Prozent Gewinn inklusive Zinsen einkassieren. Rund 40 Prozent brachte eine Investition in eine Anleihe des Kommunikationskonzern Alcatel Lucent, die Anleger ebenfalls mitnehmen sollten.

    Zuwächse bei soliden Werten

    Über deutliche Gewinne freuen sich auch Anleger, die sich im Frühjahr (WirtschaftsWoche 19/2009) ein breit gestreutes Depot aus 20 bis 50 Papieren europäischer Konzerne – unter anderem von BASF, BMW, Ericsson, Metro oder Roche – zusammenstellten. Selbst die Anleihekurse dieser Unternehmen, deren Pleite als unwahrscheinlich gilt, haben deutlich angezogen. Mit einem Bond des Reifenherstellers Michelin liegen Anleger inklusive Zinsen zwölf Prozent im Plus, eine bis zum Jahr 2017 laufende Ericsson-Anleihe brachte bisher mehr als 20 Prozent. Steigende Kurse drücken die Rendite. Entsprechend verzinst sich das Ericsson-Papier mit nur noch 4,8 Prozent nach 7,8 Prozent im Frühjahr. Bei einigen wenigen langlaufenden Papieren wie etwa Ericsson sollten Anleger solche Gewinne sichern und in neue Emissionen investieren, die bei kürzerer Laufzeit einen vergleichbaren Zins versprechen. Ein 2014 fälliges neues Papier des Salzkonzerns K+S bietet beispielsweise 4,3 Prozent Rendite (ISIN DE000A1A6FV5).

    Aktionismus aber ist nicht angesagt. Anders als bei den sehr spekulativen Papieren lohnt ein genereller Ausstieg aus Anleihen von Großkonzernen der Investitionsklasse nicht. Es gibt bei Zinspapieren keine attraktive Anlage-Alternative: Tagesgeld oder Bundeswertpapiere bringen nur zwischen 0,5 und 3,2 Prozent Rendite. Wer mit der gleichen Sicherheit in Unternehmen re-investieren möchte, erhält auch nicht mehr Zins als mit den älteren Papieren. Die Turbulenzen am Anleihemarkt, die zu Schnäppchenpreisen geführt hatten, sind vorbei – vorerst zumindest. „Inzwischen haben sich die Zinsaufschläge wieder deutlich eingeengt“, sagt Fondsmanager Krahe. So beträgt die Zitterprämie, die Anleger für mittelmäßig solide Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen erhalten, nur noch zwei Prozentpunkte. Im März waren es noch gut fünf Punkte.

    Mögliche Kursgewinne sieht Fondsmanager Krahe noch bei Anleihen, die derzeit neu an den Markt kommen. „Einige laufen zu Beginn an der Börse noch ziemlich gut. Aber der Anleger sollte jeden Emittenten genau prüfen.“

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