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Ausstieg aus dem Job Wieso die Frührente keine Verheißung ist

Als Privatier nie mehr arbeiten. Quelle: Getty Images

Viele Menschen wünschen sich ein Leben ohne lästige Arbeit. Doch der Ausstieg aus dem Job bedeutet auch eine große Herausforderung – nicht nur finanziell.

Das Schönste an seinem Leben als Privatier, meint Lars Hattwig, sei die Freiheit, sich seine Zeit selbst einteilen zu können. Der gelernte Metereologe stieg vor drei Jahren im Alter von 44 Jahren aus dem Beruf aus. Das Wetter ist ihm aber auch heute noch wichtig. „Wenn ich sehe, dass es am Montag schön wird, setze ich mich aufs Rad“, erzählt er. Seinem Hobby, das an die Stelle des Jobs getreten ist, dem Bloggen, widme er sich dann eben am Sonntag, wenn andere frei haben – und es regnet.

Wie der frühzeitige Ausstieg aus dem Job gelingen kann, darüber diskutierte Hattwig am Freitag in Stuttgart auf der Anlegermesse Invest mit WiWo-Redakteur Georg Buschmann. Außerdem auf der Bühne stand Vermögensberater Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. Zu ihm kommen viele Menschen mit dem Wunsch, nicht mehr arbeiten gehen zu müssen. Solche Klienten, meint Huber, arbeiteten meist hart, verdienten gut und seien in der Regel in ihren Vierzigern. Doch wenn sie Huber zum Beratungsgespräch treffen, hat er oft eine ernüchternde Einschätzung für sie.

Das Leben ohne Geldsorgen sei nicht die Verheißung, die sich viele darunter vorstellen, weiß er. „Die meisten Menschen überschätzen das Glück, das man dadurch erreicht, nicht mehr arbeiten zu müssen“.

„Privatier sein kann jeder, der renditestark investiert“

Enttäuschungen seien oft vorprogrammiert. Viele fallen in ein Loch, wenn der durch den Arbeitgeber vorgegebene Tagesrhythmus plötzlich selbst gestaltet werden muss. „Ich vergleiche Frührentner gerne mit Auswanderern“, erzählt Huber. „Die meisten kommen enttäuscht zurück, weil sie im Ausland merken, dass nicht der Ort das Problem ist, sondern Sie selbst.“ Wer mit seiner Lebenssituation unzufrieden sei, helfe sich nicht dadurch, dass er die möglicherweise ungeliebte Arbeit hinter sich lasse.

Diese Erfahrung musste auch Lars Hattwig machen. „Die ersten Wochen nach dem Schritt ins Privatiersleben waren toll, wie Urlaub.“ Nach zwei, drei Monaten aber sei ihm die Decke auf den Kopf gefallen. Auch das soziale Umfeld habe sich verändert. „Mit manchen Bekannten und früheren Kollegen verliert man einfach die gemeinsamen Themen“, sagt Hattwig. Andere seien neidisch, dass er nicht mehr arbeiten müsse. Und wieder andere zögen daraus die falschen Schlüsse. „Eine Bekannte“, erzählt der Privatier, „hat mich gebeten, auf ihre Katzen aufzupassen, ich hätte ja schließlich Zeit.“

WiWo-Redakteur Georg Buschmann bei der Diskussion über Frührente auf der Invest in Stuttgart. Quelle: Thomas Hauss

Doch nicht mehr abhängig beschäftigt zu sein, hieß für Hattwig nicht, nur noch zu faulenzen. Er baute sein Interesse an Finanzthemen aus, rief ein Blog über das Investieren ins Leben, schrieb Bücher und schuf sich ein neues soziales Umfeld aus Gleichgesinnten. Auch die Metereologie blieb ihm erhalten, nun eben als Hobby und nicht mehr als Erwerbsquelle. Dass er schon so früh aufhören konnte, des Geldes wegen zu arbeiten, verdankt er diszipliniertem Sparen und Investieren.

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