BaFin Lebensversicherer sind für neue EU-Regelungen gerüstet

Trotz gesunkener Zinsen ist die Lebensversicherer-Branche offenbar gut gerüstet. Die Versicherer könnten die Umstellung auf die neuen Kapitalanforderungen "bewältigen", erklärte die Finanzaufsicht BaFin am Mittwoch.

Die besten Lebensversicherer Deutschlands
Platz 10: HannoverscheSeit Jahren untersucht Versicherungsexperte Manfred Poweleit die Wirtschaftskraft der Lebensversicherer und veröffentlicht in seinem Branchendienst "map report" die besten Lebensversicherer. Dabei wurden drei Kategorien untersucht: die Bilanz des Versicherer, der Service und die Kategorie Vertrag. Ein Augenmerk liegt beispielsweise auf den Rücklagen der Versicherer und darauf, wie das Geld der Kunden am Kapitalmarkt investiert wird. Für Versicherte ist die Auswahl eines finanzstarken Versicherers wichtig, denn allein mit dem Garantiezins erhält der Kunde ab dem kommenden Jahr nur noch einen Zins von 1,25 Prozent. Den zehnten Platz des Rankings belegt die Hannoversche Versicherung. Sie erreichte 64 Punkte im Ranking und damit die Bewertung mm, welche für eine langjährig sehr gute Leistung steht. Quelle: Hannoversche
Platz 9: Öffentliche Versicherung Braunschweig Etwas besser platziert als die Konkurrenz aus Hannover ist die Öffentliche Versicherung Braunschweig. Mit 68 Punkten erzielt die Assekuranz ebenfalls das zweitbeste Rating mm. Quelle: Öffentliche Versicherung Braunschweig
Platz 8: LVMDie Assekuranz aus Münster hat es mit einer Punktzahl von 69 knapp auf den achten Platz geschafft. Das Rating liegt damit ebenfalls bei mm, erst ab einer Punktzahl von Siebzig oder mehr wird das beste Rating mmm verteilt, welches für "langjährig hervorragende Leistungen" steht. Quelle: LVM
Platz 7: R+V VersicherungMit 71 Punkten hat die R+V Versicherung gerade so ein hervorragendes mmm-Rating eingefahren. Ende 2013 hatte die R+V rund 5,9 Millionen Lebens- und Pensionsversicherungen in ihrer Bilanz stehen. Quelle: R+V Versicherung
Platz 6: AllianzDeutschlands Branchenprimus ist im Ranking von map report auch gegenüber dem Vorjahr noch weiter zurück gefallen. Mit 74 Punkten reicht es aber für das höchste Rating mmm. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 5: DEVKEinen Platz vor dem Branchenprimus ist die DEVK gelandet. Der Kölner Versicherer erreichte 75 Punkte und damit das Spitzenrating mmm. Die DEVK punktet unter anderem mit einer guten Anlagepolitik, trotz Niedrigzinsen erzielte sie mit ihren Assets eine Nettorendite von über fünf Prozent. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 4: CosmosDie Direktversicherung Cosmos landet mit immerhin 79 Zählern auf dem vierten Platz und lässt viele Assekuranzen mit traditionellem Vertriebsmodell hinter sich. Naturgemäß punktet das Unternehmen insbesondere bei den Kosten, nur etwas mehr als ein Prozent der Bruttobeiträge fließen in die Verwaltung. Quelle: CosmosDirekt

Vielen deutschen Lebensversicherern fällt die Umstellung auf die neuen verschärften Kapitalanforderungen in Europa schwer. Nach einer Erhebung der Finanzaufsicht BaFin wären fast die Hälfte der 87 Unternehmen der Branche Ende vergangenen Jahres an den ab 2016 geltenden Vorschriften gescheitert, wenn es keine langen Übergangsfristen dafür gäbe, erklärte die Behörde am Mittwoch in Bonn.

Die deutschen Lebensversicherer haben 16 Jahre Zeit, ihre Kapitalanlagen nach und nach an die neuen Regeln anzupassen. Vor einem Jahr hatte ein Viertel der Versicherer die Latte gerissen. Doch dann waren die Zinsen am Kapitalmrkt weiter gesunken, und die BaFin hatte die Branche nochmals unter die Lupe genommen.

Tipps: Die richtige Police finden

"Die Unternehmen werden sich sehr anstrengen müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken, auch wenn die Zinsen seit Ende 2014 leicht gestiegen sind", sagte BaFin-Chef Felix Hufeld. In der Summe fehlten ihnen zwölf Milliarden Euro an Eigenmitteln. Im Herbst hatte die BaFin die Lücke noch auf rund 15 Milliarden beziffert. Trotz der Übergangsfristen gibt es einige Lebensversicherer, die die ab 2016 geltenden "Solvency II"-Regeln nicht erfüllen könnten - sie haben allerdings einen verschwindenden Marktanteil. Die BaFin will sie Hufeld zufolge nun in enge Manndeckung nehmen.

Solvency II orientiert sich stärker als das bisherige Regelwerk daran, mit welchen Risiken die Kapitalanlagen der Versicherer verbunden sind. Je größer das Risiko, desto mehr Eigenkapital müssen sie dafür hinterlegen. Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Alexander Erdland, räumte ein: "Weitere Anstrengungen sind nötig, um den Herausforderungen einer lang andauernden Niedrigzinsphase Rechnung zu tragen." Die Bundesregierung sieht aber nach Angaben des Finanzministeriums keinen akuten Handlungsbedarf, um die deutschen Lebensversicherer krisenfester zu machen.

Der BaFin sind vor allem die lebenslangen Garantien ein Dorn im Auge, die die deutschen Versicherer ihren Kunden traditionell geben. Mit Solvency II würden die Risiken sichtbar, die diese Garantien mit sich bringen, erklärte die Aufsicht. Bis in die 1990er Jahre hinein garantierten die Lebensversicherer bis zu vier Prozent Zinsen im Jahr, im Durchschnitt liegen die Garantien der lang laufenden Verträge im Bestand immer noch bei mehr als drei Prozent. Das lässt sich mit sicheren Kapitalanlagen nur schwer erwirtschaften.

Immer mehr Lebensversicherer wenden sich daher vom Geschäft mit klassischen Verträgen mit langfristigen Zinsgarantien völlig ab. Talanx, mit Marken wie Neue Leben, Targo Leben und HDI Leben einer der fünf größten deutschen Lebensversicherer, hatte am Dienstag die Umstellung seiner Produktpalette bis 2017 angekündigt.

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Spätestens dann sollen nur noch "kapitaleffiziente" Policen verkauft werden, die nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge versprechen. "Je höher die Garantie, desto geringer ist die Chance, höhere Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften", sagte Versicherungsexperte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata.

Die Generali (AachenMünchener, Cosmos Direkt) hatte im Mai einen ähnlichen Schritt vollzogen wie Talanx jetzt, beim Marktführer Allianz machen die klassischen Produkte nur noch ein Fünftel des Neugeschäfts aus. R+V Leben, Nummer zwei der Branche, hält dagegen an den traditionellen Produkten fest. Garantien seien für die meisten Kunden wichtig, sagte ihr Chef Frank-Henning Florian zu Reuters. "R+V bietet daher die gesamte Produktpalette an und wird dies auch weiterhin tun."

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