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BaFin Lebensversicherer sind für neue EU-Regelungen gerüstet

huGO-BildID: 36370368 ARCHIV - Das Schild am Eingang der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), fotografiert am 05.06.2012 in Bonn. Das Verbraucherschutzministerium will die Kompetenzen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erweitern Foto: Oliver Berg dpa (Zu dpa:

Trotz gesunkener Zinsen ist die Lebensversicherer-Branche offenbar gut gerüstet. Die Versicherer könnten die Umstellung auf die neuen Kapitalanforderungen "bewältigen", erklärte die Finanzaufsicht BaFin am Mittwoch.

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Vielen deutschen Lebensversicherern fällt die Umstellung auf die neuen verschärften Kapitalanforderungen in Europa schwer. Nach einer Erhebung der Finanzaufsicht BaFin wären fast die Hälfte der 87 Unternehmen der Branche Ende vergangenen Jahres an den ab 2016 geltenden Vorschriften gescheitert, wenn es keine langen Übergangsfristen dafür gäbe, erklärte die Behörde am Mittwoch in Bonn.

Die deutschen Lebensversicherer haben 16 Jahre Zeit, ihre Kapitalanlagen nach und nach an die neuen Regeln anzupassen. Vor einem Jahr hatte ein Viertel der Versicherer die Latte gerissen. Doch dann waren die Zinsen am Kapitalmarkt weiter gesunken, und die BaFin hatte die Branche nochmals unter die Lupe genommen.

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"Die Unternehmen werden sich sehr anstrengen müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken, auch wenn die Zinsen seit Ende 2014 leicht gestiegen sind", sagte BaFin-Chef Felix Hufeld. In der Summe fehlten ihnen zwölf Milliarden Euro an Eigenmitteln. Im Herbst hatte die BaFin die Lücke noch auf rund 15 Milliarden beziffert. Trotz der Übergangsfristen gibt es einige Lebensversicherer, die die ab 2016 geltenden "Solvency II"-Regeln nicht erfüllen könnten - sie haben allerdings einen verschwindenden Marktanteil. Die BaFin will sie Hufeld zufolge nun in enge Manndeckung nehmen.

Solvency II orientiert sich stärker als das bisherige Regelwerk daran, mit welchen Risiken die Kapitalanlagen der Versicherer verbunden sind. Je größer das Risiko, desto mehr Eigenkapital müssen sie dafür hinterlegen. Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Alexander Erdland, räumte ein: "Weitere Anstrengungen sind nötig, um den Herausforderungen einer lang andauernden Niedrigzinsphase Rechnung zu tragen." Die Bundesregierung sieht aber nach Angaben des Finanzministeriums keinen akuten Handlungsbedarf, um die deutschen Lebensversicherer krisenfester zu machen.

Der BaFin sind vor allem die lebenslangen Garantien ein Dorn im Auge, die die deutschen Versicherer ihren Kunden traditionell geben. Mit Solvency II würden die Risiken sichtbar, die diese Garantien mit sich bringen, erklärte die Aufsicht. Bis in die 1990er Jahre hinein garantierten die Lebensversicherer bis zu vier Prozent Zinsen im Jahr, im Durchschnitt liegen die Garantien der lang laufenden Verträge im Bestand immer noch bei mehr als drei Prozent. Das lässt sich mit sicheren Kapitalanlagen nur schwer erwirtschaften.

Immer mehr Lebensversicherer wenden sich daher vom Geschäft mit klassischen Verträgen mit langfristigen Zinsgarantien völlig ab. Talanx, mit Marken wie Neue Leben, Targo Leben und HDI Leben einer der fünf größten deutschen Lebensversicherer, hatte am Dienstag die Umstellung seiner Produktpalette bis 2017 angekündigt.

Vorsorge



Spätestens dann sollen nur noch "kapitaleffiziente" Policen verkauft werden, die nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge versprechen. "Je höher die Garantie, desto geringer ist die Chance, höhere Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften", sagte Versicherungsexperte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata.

Die Generali (AachenMünchener, Cosmos Direkt) hatte im Mai einen ähnlichen Schritt vollzogen wie Talanx jetzt, beim Marktführer Allianz machen die klassischen Produkte nur noch ein Fünftel des Neugeschäfts aus. R+V Leben, Nummer zwei der Branche, hält dagegen an den traditionellen Produkten fest. Garantien seien für die meisten Kunden wichtig, sagte ihr Chef Frank-Henning Florian zu Reuters. "R+V bietet daher die gesamte Produktpalette an und wird dies auch weiterhin tun."

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