Behandlungsfehler Welche Ärzte am häufigsten pfuschen

Kann man als Patient sicher sein, so gut wie möglich behandelt zu werden? Nicht immer, kritisiert die AOK. Eine Statistik dokumentiert die Behandlungsfehler. Dabei kommen einige Fachärzte schlechter weg als andere.

Patienten in Deutschland werden laut AOK-Bundesverband in den Krankenhäusern oft durch Strukturmängel dem Risiko von Behandlungsfehlern ausgesetzt. Quelle: dpa

Im vergangenen Jahr haben deutlich mehr Patienten wegen Verdachts auf einen Behandlungsfehler Hilfe bei den Krankenkassen gesucht. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung erstellte rund 14.600 entsprechende Gutachten. Das sind gut 2000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der bestätigten Fehler sank dagegen etwas. Knapp 3700 Mal kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt. „Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar“, sagte der leitende Arzt des MDS, Stefan Gronemeyer.

Patienten in Deutschland werden laut AOK-Bundesverband in den Krankenhäusern oft durch Strukturmängel dem Risiko von Behandlungsfehlern ausgesetzt. „Offensichtlich können nicht mehr alle Krankenhäuser garantieren, dass ausschließlich aus medizinischen Gründen operiert wird“, sagte AOK-Vorstand Uwe Deh der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Das Risiko für die Patienten steigt, wenn Kliniken mangels Erfahrung in einzelnen Bereichen suboptimale Ergebnisse erzielen.“ Das Resultat: Jährlich sterben tausende Patienten wegen Behandlungsfehlern in Kliniken. Typische Fehler seien Verwechslungen bei den Medikamenten und mangelnde Desinfektion der Hände bei Ärzten und Pflegern.

Knapp 70 Prozent, nämlich 10.183 der 14.585 Behandlungsfehlervorwürfe des Jahres 2013 richteten sich gegen Krankenhäuser, gut 30 Prozent - 4.402 Fälle - betrafen einen niedergelassenen Arzt. Wie schon in den Vorjahren haben Patientinnen und Patienten die meisten Vorwürfe im Zusammenhang mit Operationen erhoben. Die chirurgischen Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie sowie die Allgemeinchirurgie waren am häufigsten mit Behandlungsfehlervorwürfen konfrontiert, gefolgt von Zahnmedizin und Gynäkologie. "Im Verhältnis zur Zahl der Vorwürfe werden die meisten Behandlungsfehler aber in der Pflege und in der Zahnmedizin bestätigt. Auch dies entspricht dem Bild der Vorjahre", erläutert Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin Sozialmedizin des MDK Bayern, der die Daten aller MDK gemeinsam mit dem MDS ausgewertet hat. "Rückschlüsse auf die Behandlungsqualität insgesamt oder auf besonders fehlerträchtige Facharztgruppen oder Behandlungen sind aber nicht möglich", so Zobel. Bei den vorgestellten Zahlen handele es sich um absolute Zahlen, die in Relation zur Gesamtzahl der Behandlungen im jeweiligen Fach gesehen werden müssten.

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Im Vorjahr hatten die Gutachter rund 12.500 Expertisen zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. Fehlerhafte Behandlungen waren auch 2012 am häufigsten bei Therapien von Zahnmark und -wurzel vorgekommen sowie bei Hüft- und Knie-Operationen. Patienten wenden sich auch an Gutachterstellen der Ärzteschaft und direkt an Gerichte. Deh verwies auf Fortschritte in den vergangenen Jahren. „Die Mauer des Schweigens ist niedriger geworden“, sagte er. „Es gibt auch weniger Berührungsängste etwa in den Kliniken, Fehler in anonymen Meldesystemen zu melden.“ Doch das Risiko sei immer dann groß, wenn eine Behandlung komplex sei und es viele Beteiligte gebe. „Und bei hochriskanten Medizinprodukten wie Implantaten in den Blutgefäßen oder zum Gelenkersatz brauchen wir endlich Studien, die Nutzen und Sicherheit zeigen.“

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