WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Berufsunfähigkeitsversicherung Was Tarife ohne Gesundheitscheck taugen

Berufsunfähigkeitsversicherungen ohne Gesundheitsfragen Quelle: iStock

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) abschließen will, muss erst seitenweise Gesundheitsfragen beantworten. Es gibt aber auch neue Tarife ohne Fragenkatalog. Die haben für Versicherte nicht nur Vorteile.

Frank H. regt sich noch heute auf, wenn er daran denkt, wie er seine Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen musste. Nachdem er sich durch einen Katalog von Gesundheitsfragen durchgearbeitet hatte, musste er auf Verlangen des Versicherers auch noch zwei Atteste liefern. Am Ende erhielt er zwar die gewünschte BUV, aber nur mit mehreren Ausschlüssen. Seine Probleme mit den Bandscheiben sowie sein hoher Blutdruck sind nicht mitversichert. Sollte er deswegen berufsunfähig werden, erhält er keine Leistungen.

Die umfangreichen Gesundheitsfragen sind oft ein Problem. Sie verkomplizieren den Antrag auf eine BUV, kosten viel Zeit beim Ausfüllen und müssen vom Versicherer gründlich geprüft werden. Deshalb dauert es oft lange, bis der Kunde erfährt, ob und welchen Versicherungsschutz er bekommen wird.

Darüber hinaus stellen die Gesundheitsfragen auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Beantwortet der Versicherungskunde Fragen falsch, kann der Versicherer später die Leistung verweigern. Nur wenige konsultieren einen Arzt, um mit ihm die Gesundheitsfragen durchzugehen. Und wer oft den Hausarzt gewechselt hat, müsste zudem alle gleichermaßen einbinden.

Der Versicherungsmakler und BUV-Spezialist Thomas Schösser weiß aus Erfahrung, dass ein Vertragsabschluss und damit der Versicherungsschutz daher oft schon an den Gesundheitsfragen scheitert. "Nicht selten sind diese Fragen in den Anträgen sehr umfassend, teilweise mit langen oder sogar unbefristeten Abfragezeiträumen versehen, und daher teilweise schwer zu beantworten", sagt Schlösser. Die Folge: Häufig beantworten Verbraucher die Fragen nicht korrekt und riskieren so eine Leistungsverweigerung der Versicherung im Ernstfall.

In den vergangenen Monaten wurde zudem mehrfach darüber berichtet, dass einzelne Ärzte gegenüber den Kassen falsch abrechnen, sodass den Kassen manchmal sogar Krankheiten gemeldet werden, die der Patient gar nicht hatte. Da bei Prüfung einer möglichen Berufsunfähigkeit jedoch die Versicherer Informationen bei der Kasse des Patienten einholen, muss die jeweilige Versicherung davon ausgehen, dass der Patient die Krankheit bei der Antragstellung bewusst verschwiegen hat. Ergo, wieder keine Leistung bei Eintreten der Berufsunfähigkeit.

Doch inzwischen kommen Versicherte zumindest teilweise ohne oder mit nur wenigen zu beantwortenden Gesundheitsfragen zur BU-Police. Damit wird eine mögliche Leistungsverweigerung schwerer, Einsprüche der Versicherung gegen eine beantragte Leistung sind dann kaum möglich. Allerdings fällt die Gesundheitsprüfung bei den einzelnen Versicherungen sehr unterschiedlich aus.

Befristet, branchenspezifisch, begrenzt

Auffällig ist, dass die Angebote oft befristet sind und im Rahmen von Aktionen durchgeführt werden. Nach dem Ende der Aktion ist dann wieder nur ein Vertragsabschluss mit dem normalen Katalog an Gesundheitsfragen möglich. Oft werden die Angebote auch auf bestimmte Berufsgruppen eingegrenzt, häufig auf Akademiker und kaufmännische Berufe. Beispielsweise bietet die Barmenia eine BUV für Kammerberufe wie Architekten, Ingenieure und Rechtsanwälte an. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft im Vorsorgeverein der Kammern. Zudem ist die Leistungshöhe begrenzt: Es kann nur eine Rente von maximal 1000 Euro beantragt werden. Daneben bietet die Barmenia auch eine BUV bei besonderen Anlässen wie Heirat, Immobilienkauf oder Geburt eines Kindes an. Auch hier gibt es nur wenige Gesundheitsfragen.

Die Württembergische Versicherung gehörte zu den ersten Versicherungen, die eine BUV mit wenigen Gesundheitsfragen anboten. Auch bei ihr liegt die Obergrenze bei 1000 Euro. Bei den Gesundheitsfragen wird nach Krankheiten und Medikamentengebrauch in den vergangenen zwölf Monaten gefragt. Bei einigen schwereren Erkrankungen sowie bei Drogen- und Alkoholmissbrauch müssen sogar die vorangegangenen fünf Jahre vor Antragstellung dokumentiert werden. Das Angebot der Württembergischen ist auf „Bonus Kunden“ beschränkt, also einen ausgesuchten Kundenkreis.

Die wichtigsten Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Die HDI Versicherung bietet eine BUV an, bei der nur eine Gesundheitsfrage (nach bestehender oder beantragter Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung) zu beantworten ist. Das Angebot ist aber mit einer fünfjährigen Wartezeit verbunden. Kommt es in dieser Zeit zu einer Berufsunfähigkeit, werden nur sechs BUV-Monatsrenten bezahlt und danach erlischt der Vertrag.

Eine Besonderheit auf dem Markt ist das Angebot der LV1871, die ganz auf Gesundheitsfragen verzichtet. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine klassische BUV, denn der Vertrag bietet nur die Möglichkeit, die eigene Altersversorgung im Falle einer Berufsunfähigkeit abzusichern. Zudem gibt es eine dreijährige Wartezeit.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%