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Börse Russische Aktien bleiben auf Talfahrt

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Steuersenkungen angekündigt

Die steigenden Ölpreise fanden sich allerdings nicht im Kursverlauf der Ölaktien wieder. Zu oft schockierten Meldungen über Russlands sinkende Ölfördermengen die Anleger. Vor allem aber verhindern hohe Steuern auf Ölexporte, dass Gazprom, Rosneft und Luk-oil, die drei größten im RTS notierten Unternehmen, neue Ressourcen erschließen. Jetzt hat Moskau Steuersenkungen angekündigt. Im September soll klar sein, wie hoch sie ausfallen werden. „Wer jetzt in Ölunternehmen investiert, macht das wegen der bevorstehenden Steuersenkungen“, sagt Florian Fenner von UFG Asset Management in Moskau.

Er würde aber lieber auf Aktien von Unternehmen setzen, „die das Investitionsbudget von Rosneft und Luk-oil bekommen“. Zum Beispiel Eurasia Drilling, eines der größten Unternehmen für Erdölexploration, gelistet in London. Erfahrene Fondsmanager wagen sich tiefer ins Dickicht des russischen Marktes. „Der Boom hat das ganze Land erreicht“, glaubt Fondsmanager Fenner. Er stellt die Regel auf: „Je kleiner ein Unternehmen ist, desto besser ist die Corporate Governance.“

Energie-Riese Gazprom etwa sei beileibe kein effizientes und transparentes Unternehmen. Die Mobilfunkanbieter MTS und Vympelcom dagegen schon. Auch Wermuth setzt auf kleinere Unternehmen – und geht weiter nach Osten. Er beteiligt sich zum Beispiel an Bamtonnelstroy, einem sibirischen Bauunternehmen, das im Land derzeit ein Dutzend Tunnel bohrt. Die Aktie trotzte zuletzt allen Gefahren.

„Die hohe Inflation ist das größte Risiko für den russischen Aktienmarkt“, sagt Deutsche-Bank-Ökonom Jaroslaw Lissowolik. Zum einen könnte der Konsum einbrechen – auch wenn das vorerst nicht erkennbar ist: Die Russen kaufen nach wie vor Mobiltelefone auf Kredit und scheren sich wenig um die höheren Zinssätze. Dazu fährt der Staat bereits eine restriktive Haushaltspolitik und wird seine für Infrastrukturprojekte gebunkerten Fonds-Milliarden zurückhalten, um nicht zusätzlich Druck auf die Preisstabilität auszuüben. Außerdem fürchten Analysten die Instrumente, mit denen der Staat die Inflation bekämpft. „Langfristig müssen sie eine Aufwertung des Rubels um 20 bis 25 Prozent zulassen, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen“, meint Jochen Wermuth.

Aktien sind zur Zeit vergleichsweise günstig

Die letzte große Währungskorrektur war schmerzhaft: Vor genau zehn Jahren, am 17. August 1998, erfasste die Rubel-Krise nach einer drastischen Abwertung der Landeswährung das ganze Land. „Man steht fassungslos daneben und kann nichts machen“, sagt Fenner. Seine Firma hat nur überlebt, weil er nicht in Anleihen investiert hatte. Die wurden praktisch wertlos, der Aktienindex behielt immerhin ein Fünftel seines Werts. „Das war nicht nur eine Rubel-Abwertung, sondern die totale Zerstörung der Währung“, resümiert der Fondsmanager. Rückblickend betrachtet war das gut so: Es war der erste Schritt zur Stabilisierung des Marktes, auf dem zuvor Chaos und Willkür herrschten. Der zweite folgte mit der Steuer- und Bodenreform während Putins erster Amtszeit, der dritte mit dem drastischen Anstieg des Öl- und des daran gekoppelten Gaspreises.

Jetzt hoffen die Fondsmanager, dass sie spätestens im nächsten Jahr die Verluste des Sommers wieder wettmachen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn sind Aktien eher billig. „Viele sind so günstig, dass man beim Aktienkauf nicht besonders intelligent sein muss“, sagt Fenner. Zwölf Jahre Moskau-Börse haben ihn abgehärtet. Zwei Tschetschenien-Kriege, Terrorattacken, die Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos und die Rubel-Abwertung hat er schon überlebt – zu viel, als dass ihm Kaukasuskrise und Putins Attacken ernsthaft auf den Magen schlagen könnten.

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