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Branchenübersicht Verzinsung von Lebensversicherungen ist gesunken

22 von 38 Lebensversicherern, für die Daten vorliegen, haben ihre Überschussbeteiligung für 2020 gesenkt – allen voran der unangefochtene Marktführer.

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Viele deutsche Versicherer haben die Hoffnung auf in absehbarer Zeit steigende Zinsen aufgegeben und die Konsequenz daraus gezogen. Quelle: dpa

Lebensversicherungs-Policen werfen in diesem Jahr wegen der Dauer-Niedrigzinsen wieder deutlich weniger ab. Die laufende Verzinsung auf klassische Rentenversicherungen ist nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf Basis einer Branchenübersicht der Ratingagentur Assekurata im Schnitt auf 2,26 (2019: 2,42) Prozent gesunken.

Im vergangenen Jahr schien der Abwärtstrend nach einem Jahrzehnt gestoppt, doch haben viele deutsche Versicherer die Hoffnung auf in absehbarer Zeit steigende Zinsen inzwischen aufgegeben und die Konsequenz daraus gezogen. 22 von 38 Lebensversicherern, für die Daten vorliegen, haben ihre Überschussbeteiligung für 2020 gesenkt, allen voran der unangefochtene Marktführer Allianz Leben. 16 halten die Verzinsung stabil.

Allianz Leben hatte mit einer Senkung auf 2,5 (2,8) Prozent den Trend gesetzt, nachdem sie die Zinsen drei Jahre lang stabil gehalten hatte. Viele Rivalen folgten dem Beispiel. Die niedrigste Überschussbeteiligung hat mit 1,25 Prozent - wie schon 2019 - die Proxalto Lebensversicherung deklariert. Hinter dem Kunstnamen verbergen sich die rund vier Millionen Policen, die Generali Deutschland im vergangenen Jahr an den Bestandsmanager Viridium abgegeben hatte.

Unter zwei Prozent liegen unter anderem auch Debeka, Gothaer, Helvetia und die Öffentliche Versicherung Oldenburg. Den größten Einschnitt mutet die VGH Provinzial in Hannover ihren Kunden zu: Sie bietet für dieses Jahr 2,0 Prozent, 2019 waren es noch 2,5 Prozent gewesen. Die höchste laufende Verzinsung weist 2020 einmal mehr die Berliner Ideal Versicherung mit 3,3 Prozent aus, die bei den Kapitalanlagen überproportional auf Immobilien gesetzt hat.

Für viele Policen müssen die Lebensversicherer in der Praxis aber höhere Zinsen gutschreiben als sie deklariert haben. Denn in der Vergangenheit war der Garantiezins, an den sich die Anbieter über die gesamte Laufzeit des Vertrages halten müssen, meist höher als die heutige Überschussbeteiligung. Bis ins Jahr 2000 hinein lag er bei 4,0 Prozent. Wer seine Versicherung bis 2006 abgeschlossen hat, bekommt mindestens 2,75 Prozent.

Damit die Lebensversicherer ihre Zinsversprechen auf Dauer einlösen können, müssen sie seit 2011 staatlich verordnet Geld in Form der Zinszusatzreserve (ZZR) zurücklegen. Die ZZR war zwar im vergangenen Jahr gesenkt worden, um die Versicherer nicht zu überfordern. Sie fiel mit rund neun Milliarden Euro branchenweit aber höher aus als gedacht, weil das Zinsniveau weiter sank.

Viele Lebensversicherer haben das Neugeschäft deshalb auf Policen ohne lebenslange Zinsgarantien umgestellt, andere bieten gar keine klassischen Garantie-Policen mehr an. Doch auch für die neuen Produkte liegen die Verzinsungen meist nur 0,1 Prozent über denen der klassischen Policen.

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