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Daily Punch Setzt die Rente endlich auf Aktien!

Quelle: Getty Images

Deutschlands ökonomische Stärke spiegelt sich nicht in Vermögen und Alterseinkünften seiner Bürger wieder. Das muss sich ändern. Ein Kommentar.

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Was muss sich 2022 unbedingt ändern? Die WiWo-Redaktion hat darüber nachgedacht und präsentiert Ihnen „zwischen den Jahren“ fünf Vorschläge. Heute: Vorschlag 3 von unserem stellvertretenden Chefredakteur Hauke Reimer. Alle Vorschläge finden Sie unter wiwo.de/punch

Die Ampel hat einen ersten zaghaften Schritt in Richtung einer durch Aktien gedeckten Altersvorsorge unternommen. Zehn Milliarden Euro will sie 2022 dafür einsetzen. Gut so, aber das ist viel zu wenig. Deutschland hat eine extrem leistungsfähige Wirtschaft und ein kostspieliges, umverteilendes Sozialsystem mit weltweiter Anziehungskraft. Und doch ist das Rentensystem unterfinanziert – und die hier lebenden Bürger sind im globalen Vergleich nicht reich, sondern arm.

Das Geldvermögen pro Kopf lag laut Zahlen der Allianz zuletzt bei 85.000 Euro, Platz 19 unter den reichen Staaten. In den USA ist es viermal so hoch, die Briten liegen 50 Prozent, die Franzosen noch zehn Prozent darüber. Die Deutschen sparen zwar fleißig, legen aber falsch an. Weil viele zu wenig übrig haben, können sie nicht riskieren, Geld in Aktien zu stecken. Zwar ändert sich das in der digitalen Corona-Isolation allmählich, doch auch das geht zu langsam. Auch in anderen Industriestaaten haben Familien nicht genug, um Aktiendepots anzulegen. Dort aber gibt es Pensionsfonds, die das für sie tun, und Staatsfonds, in denen das Volksvermögen vermehrt wird. So können letztlich alle am Wachstum der Volkswirtschaften teilhaben.

Das Argument, dies alles sei am Anfang zu teuer, zieht nicht. Wenn der Staat sich schon weiter verschulden soll, eine Verlockung, die naheliegt, weil er es kostenlos kann, dann sollten diese Mittel wenigstens zum Teil für Investitionen in Realwerte eingesetzt werden, eben auch in Aktien zur kollektiven Altersvorsorge. Ein schöner Job für die Bundesbank wäre das, deren neuer Chef Joachim Nagel einiges von Kapitalmärkten versteht. Im Eurosystem ist das kompliziert, aber das Ziel müsste letztlich sein, es zu schaffen, wie die Schweiz, deren Nationalbank die aus Exporten werthaltiger Industriegüter hereinfließenden Devisen auch zum Aufbau von Aktienbeteiligungen nutzt.

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    Das ist allemal sinnvoller, als über die Notenbank absurd niedrig rentierende und deshalb auf dem freien Markt unverkäufliche Anleihen unmäßig verschuldeter Staaten zu erwerben.

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